Völlige Hingabe bis zum letzten Atemzug

Katholische Ordensleute und Laien kämpfen in Gesundheitsstationen und Krankenhäusern tagtäglich für ihre Mitmenschen. So auch Schwester Urbani Lyimo: Die Ärztin betreute in ihrem Krankenhaus in Tansania Mütter und ihre Kinder, auch in der herausfordernden Corona-Krise. Ende Mai verstarb die Ordensschwester selbst am Virus.

„So wie ich Schwester Urbani Lyimo gekannt habe, hat sie bis zur Erschöpfung gegen die Corona Pandemie angekämpft und sich selbst dabei nicht geschont“, sagt Ernst Zerche, Fotograf und Mitarbeiter im Welthaus Graz, über die Verstorbene. Und das, so die einhellige Meinung von denjenigen, die die Schwester gekannt haben, beschreibt ihre Person sehr treffend. Sie war eine leidenschaftliche Ärztin und treue Ordensschwester, die sich hingebungsvoll um ihre Patientinnen und Patienten gekümmert hat.

Anlaufstelle und Hoffnungshort

Das St. Joseph Hospital in Moshi im Nordosten Tansanias war die Wirkungsstätte von Schwester Urbani Lyimo. Ihre Gemeinschaft der „Schwestern von unserer Lieben Frau vom Kilimandscharo“ betreibt das Krankenhaus seit fast zwei Jahrzehnten. Die Menschen kommen mit den unterschiedlichsten Krankheiten und Anliegen zu den Ordensfrauen, denn medizinische Versorgung ist rar in der Region. Mit den Jahren haben Schwester Urbani und ihre Mitschwestern das St. Joseph Hospital erweitert. Besonderen Wert legte die passionierte Ärztin dabei darauf, dass Schwangere und Kinder gut betreut werden können.

Schwester Urbani Lyimo

„Sie wollte die Situation von schwangeren Frauen nachhaltig verbessern, die oft schon durch einfache Hilfsmittel eine gesundes Kind zur Welt bringen können“, erinnert sich Elisabeth Rittsteuer, Projektverantwortliche für Tansania bei Missio Österreich: „Die Senkung der Kindersterblichkeit war Schwester Urbani ein großes Anliegen.“ Dieses brennende Engagement blieb auch Ernst Zerche lebhaft in Erinnerung. Gemeinsam mit Elisabeth Rittsteuer hat der Fotograf Moshi vor einigen Jahren besucht. „Dass noch immer so viele Kinder an Malaria erkranken und sterben, hatte die Chirurgin schon damals nicht akzeptieren können“, beschreibt Zerche die Ordensfrau, die mit viel Kreativität und Freude das St. Joseph Hospital leitete, stets bemüht, den Menschen noch besser helfen zu können.

Alles für Gott und die Menschen

Rittsteuer und Zerche erinnern sich, wie stolz Schwester Urbani sie bei ihrem Besuch durch „ihr“ Krankenhaus mit einem, für afrikanische Verhältnisse sehr gut ausgestatteten Operationssaal geführt hat. „Es ist für uns kaum vorstellbar wie kreativ Schwester Urbani sein musste, um an gebrauchtes medizinisch-technisches Gerät zu kommen. Neugeräte sind ja meist unerschwinglich“, zeigt sich Ernst Zerche beeindruckt vom Einsatz der Ordensfrau.

Nicht nur medizinisch leistete Schwester Urbani Lyimo im St. Joseph Hospital Großes, sie war vor allem gelebte Nächstenliebe. Father Wilibald Maningi war ihr jahrelanger Wegbegleiter und nach einem Schlaganfall selbst Patient bei ihr. Bei ihrem Requiem beschrieb er Schwester Urbani als großartige Ärztin und wahre Ordensfrau, die sich mit mütterlicher Liebe, viel Engagement und Sorge um alle Patientinnen und Patienten gekümmert hat. Ernst Zerche erinnert sich an den Besuch im St. Joseph Hospital: „Rückblickend muss ich an die Stelle im Johannesevangelium denken, wo Jesus auf die Frage ,wo wohnst du?’ geantwortet hat ,Kommt und seht!’ (Joh 1, 39). Bei meinem Rundgang mit Schwester Urbani war ohne viele Worte SEINE Gegenwart in ihrer Liebe zum Nächsten, zu den Kleinen, den Kranken und Bedrängten, spürbar. Ihr Zeugnis wird über den Tod hinaus Frucht bringen. Vom Charisma einer Gottesliebe, die in der Nächstenliebe spürbar wird, plagen die Kilimanjaro- Schwestern keine Nachwuchssorgen.“