Schwester Annie gehört zur Ordensgemeinschaft von Jesus und Maria, deren Auftrag es ist, Gottes Liebe spürbar zu machen – durch Bildung, Fürsorge und gelebte Nächstenliebe. Besonders im Libanon, einem Land, das von Wirtschaftskrisen, Armut und gewaltsamen Konflikten geprägt ist, widmet sich Schwester Annie den Schwächsten: den Kindern, die Krieg, Verlust und Angst erlebt haben. Der allewelt erzählt sie von ihrem Alltag und wie ihr Vertrauen auf Gott belohnt wird:
„Ich würde sagen, dass ich ein positiver Mensch bin. Mein Umfeld sagt, ich hätte Humor und ich lächle meistens. Das ist ein Geschenk von Gott. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich Gottes Anwesenheit besonders stark spüre, sobald es schwierig wird. Einmal zum Beispiel war ich im syrischen Aleppo und eine Schule hat mich um Rucksäcke für Kinder gebeten. Ich habe ihnen ganz ehrlich gesagt, dass ich ihnen keine Hilfe versprechen kann, aber mein Bestes geben würde. Am nächsten Morgen hat mich ein Freund angerufen: „Du brauchst doch manchmal Schultaschen, wir bringen dir jetzt welche.“ Ich habe geweint vor lauter Freude und ganz deutlich gespürt, dass Gottes Vorsehung uns perfekt versorgt und Er jedes unserer Bedürfnisse kennt! Vielleicht ist mein Lieblingsvers auch deshalb schon seit meiner Kindheit: Er muss wachsen, ich aber muss geringer werden.
Wir Schwestern beginnen und beenden den Tag mit dem gemeinsamen Gebet. Ich bin in unserer Gemeinschaft für verschiedene Länder verantworlich, und mein Tag sieht immer anders aus – je nachdem, wo ich mich gerade aufhalte. Zuhause, im Nahen Osten, besuche ich unsere Projekte, bespreche mich mit allen Teams und schaue, wie ich ihnen in ihren Nöten helfen kann. Zwei Dinge sind mir jeden Tag ein besonderes Anliegen: das persönliche Gebet, auch des Rosenkranzes, und die gemeinsame Zeit mit meinen Mitschwestern. Die Nähe zu ihnen gibt mir neue Kraft. Die Erfahrenen von ihnen frage ich auch um Rat, wenn ich vor großen Herausforderungen stehe. Zuerst gehe ich aber immer in die Kapelle und bitte den Herrn in der Stille um seine Erleuchtung, um die Dinge im Frieden und voller Geduld anzugehen. Wenn ich dann am Abend mein Gewissen erforsche, überlege ich, wem ich an dem Tag Freude machen konnte und wem nicht. Das hilft mir, es am nächsten Tag besser zu machen.“




