Der 6. Februar ist der Internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung. Weltweit gilt diese Praxis als schwere Menschenrechtsverletzung. Dennoch sind jedes Jahr rund vier Millionen Mädchen und Frauen von dieser grausamen Misshandlung betroffen. Missio Österreich unterstützt seit Jahren Aufklärungs- und Hilfsprogramme in Äthiopien und macht anlässlich dieses Gedenktages auf das Leid von betroffenen Frauen und Mädchen aufmerksam.
Weltweit haben laut UNICEF-Daten 230 Millionen Mädchen und Frauen eine weibliche Genitalverstümmelung erfahren. Afrika macht mit über 144 Millionen den größten Anteil an dieser Gesamtzahl aus. In Äthiopien haben rund 65 Prozent der Frauen und Mädchen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren FGM (Female Genital Mutilation) – also weibliche Genitalverstümmelung – erfahren. Obwohl FGM im Land seit 2004 gesetzlich verboten ist, wird die menschenrechtsverletzende Praxis vor allem in ländlichen Regionen weiterhin durchgeführt. Gleichzeitig zeigen sich erste Erfolge. Durch gezielte Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit sind die Zahlen in den vergangenen Jahren rückläufig.
Missio Österreich unterstützt in der Stadt Hosanna sowie in den umliegenden ländlichen Gebieten betroffene Mädchen und Frauen mit einem umfassenden Aufklärungsprogramm. Dieses richtet sich bewusst an alle Teile der Bevölkerung im Projektumfeld: von Familien über religiöse Autoritäten bis hin zu lokalen Entscheidungsträgern.
„Dadurch soll das Tabu über FGM zu sprechen, gebrochen werden, es als falsch und in jeder Hinsicht schädlich erkannt und so die Mädchen der kommenden Generationen davor bewahrt werden. Bereits beschnittene Mädchen bekommen „Dignity kits“ für die Monatshygiene und können psychosoziale Unterstützung, sowie eine medizinische Untersuchung in Anspruch nehmen“, sagt Helga Prühlinger, Missio-Referentin. Im vergangenen Jahr besuchte sie die von Missio Österreich unterstützten Projekte für betroffene Frauen und Mädchen in Äthiopien persönlich.
Ins Bewusstsein rufen
Ziel der Arbeit ist es auch, tief verwurzelte Mythen und gesellschaftliche Rechtfertigungen rund um FGM zu entkräften.
„Es ist wichtig, diese Thematik ins Bewusstsein der Menschen zu bringen, damit alle scheinbaren Rechtfertigungsgründe ein nicht beschnittenes Mädchen sei schmutzig, könne nicht verheiratet werden und sei „sexuell überaktiv“ – als Lügen entlarvt werden und die Frau als dem Mann als gleich an Wert und Würde anerkannt wird, ohne an ihr einen unwiderruflichen, entwürdigenden und extrem schmerzhaften Eingriff vornehmen zu müssen“, betont Missio-Referentin Helga Prühlinger.
Umfassende Aufklärungsarbeit
Gemeinsam mit kirchlichen Projektpartnern vor Ort setzt Missio Österreich auf ein breit angelegtes Aufklärungsprogramm: in der Gesellschaft, bei religiösen Führern, in Schulen, bei Behörden und in den Medien. Spezielle Workshops richten sich gezielt an Frauengruppen. Darüber hinaus entwickeln Missio-Partner gemeinsam mit lokalen Radiosendern sowie zahlreichen Social-Media-Akteuren Sendungskonzepte, um die physischen und psychischen Folgen von FGM einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Künftig sollen zudem verstärkt öffentliche Diskussionsrunden sowie Erfahrungsaustausche mit Betroffenen und religiösen Führungspersönlichkeiten stattfinden. Auch Beschneiderinnen selbst werden gezielt über gesundheitliche Risiken, gesetzliche Regelungen und strafrechtliche Konsequenzen informiert. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Sensibilisierungstrainings für Lehrkräfte sowie für Eltern von Schülerinnen und Schülern. Ziel all dieser Maßnahmen ist es, die tief in der Kultur verankerte Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung nachhaltig zu bekämpfen und die Rechte von Frauen und Mädchen zu schützen und zu stärken.
FGM – Weibliche Genitalverstümmelung
FGM (Female Genital Mutilation) bezeichnet die Verstümmelung weiblicher Genitalien und gilt weltweit als schwere Menschenrechtsverletzung. Dennoch findet diese folgenschwere Praxis nach wie vor vor allem im nordöstlichen Afrika und in Teilen Asiens statt – meist im Namen jahrhundertealter Traditionen. Der 6. Februar, der Internationale Tag gegen FGM, soll das Leid der betroffenen Frauen und Mädchen sichtbar machen und zugleich die Bedeutung von Präventions- und Aufklärungsarbeit ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rufen.




