Kuba: Ostern feiern unter Sanktionen

Die Lage auf der Karibikinsel wird täglich prekärer und beeinflusst die anstehenden Osterfeiertage

P. Sebastian Dumont Kuba

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Verschärfte US-Sanktionen und die Ölblockade machen das ohnehin entbehrungsreiche Leben der Kubanerinnen und Kubaner noch schwieriger. Der belgische Missionar Pater Sebastian Dumont berichtet kurz vor Ostern von immer knapper werdenden Lebensmittelrationen und steigender Unzufriedenheit in der Bevölkerung.

„Seit Jänner gibt es kaum mehr Treibstoff. Illegal auf den Straßen bekommt man für 5 Euro einen Liter, das Durchschnittseinkommen der Menschen liegt zwischen 10 und 20 Euro pro Monat“, sagt Pater Sebastian Dumont. Der gebürtige Belgier ist seit fünf Jahren auf der Karibikinsel. Gemeinsam mit zwei Mitbrüdern kümmert er sich um ein Pfarrgebiet mit rund 50.000 Einwohnern im Zentrum Kubas. „Aktuell wird es immer schwieriger, unsere Gemeinden zu erreichen. Wir sind auf das Motorrad umgestiegen, weil es weniger Treibstoff braucht, aber wir können nicht mehr so viele pastorale Besuche machen. Wir versuchen zumindest eine Messe pro Woche in den kleinen Hausgemeinden zu feiern“, sagt P. Sebastian. Regelmäßige Stromausfälle erschweren das Leben auf der Insel zusätzlich. Viele Kubanerinnen und Kubaner versuchen sich mit Solarpanelen oder Batterien auszuhelfen.

Keine Hilfe für Kranke

Alles sei schwieriger geworden, berichtet der Priester aus der Gemeinschaft Missionare Diener der Armen. Verkehr gäbe es kaum noch auf den Straßen, die Menschen verlassen ihre Häuser nur noch für die allerdringendsten Erledigungen. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung sei laut Dumont immer stärker spürbar.
„Wir begegnen vielen Kranken. Die meisten können nicht einmal ins Krankenhaus. Es fehlt an Medikamenten. Operationen können nicht durchgeführt werden, weil die Stromversorgung zu unsicher ist. Es ist dramatisch, mitansehen zu müssen, wie sich Krankheitsfälle rasch verschlechtern, einfach weil es keine Behandlungsmöglichkeiten gibt“, so der belgische Ordensmann.

Kritischer Versorgungsengpass

Vor einigen Jahren erhielten chronisch kranke Kubanerinnen und Kubaner die wichtigsten Medikamente noch durch das staatliche Rationierungssystem, „la cuota“ genannt. Mittlerweile bekommen die Menschen nicht einmal mehr Seife oder Hygieneartikel zu ihren monatlichen Rationen. „Seitdem ich auf Kuba bin, werden die monatlichen Rationen immer kleiner. Zuletzt gab es je einen Kilo Reis, Spalterbsen und Zucker. Mehr nicht“, sagt P. Sebastian Dumont. „Zuvor bekamen wir meist auch Öl, Hühnerfleisch, Bohnen oder manchmal Faschiertes.“ Diejenigen, die einen Garten besitzen oder auf dem Land wohnen, bauen selbst etwas Obst und Gemüse an. Gibt es genug, wird es zu Wucherpreisen auf der Straße verkauft. „Das kann sich kaum jemand leisten“, so Dumont. Er und seine Mitbrüder teilen die Ernte aus ihrem Garten mit ihrer Pfarrgemeinde. „Wir bekommen zum Glück Unterstützung aus dem Ausland und können damit rund 50 Familien unterstützen. Wir versuchen kreativ zu sein in unserer Hilfe. Durch die Ölblockade kommen aber kaum noch Hilfslieferungen durch.“ Was noch funktioniert sind Online-Supermärkte. In denen kaufen vor allem Exilkubanerinnen und -kubaner für ihre Verwandten in der Heimat ein. Bezahlt wird mittels Devisen in US-Dollar oder Euro und die Bestellung wird nach Hause geliefert oder zum Abholen bereitgestellt. „Wir bekommen auch manchmal Produkte über diese Supermärkte geschickt. Allerdings hat nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung Zugang zu diesem Service.“

Ostern im Schatten der Angst

Gerade jetzt in den Kar- und Ostertagen versuchen die Missionare den Menschen auf Kuba die Botschaft der Hoffnung und Freude zu vermitteln. „Wir bereiten uns vor auf Ostern. Die Osterkerze aus dem letzten Jahr wird wiederverwertet, wir haben hoffentlich Kerzenreste für die Lichtfeier. Auch ein paar Katechumenen gibt es in der Pfarre“, sagt P. Sebastian Dumont. „Das freut mich als Priester sehr. Denn unsere Mission besteht darin, den Menschen vor allem geistlich zu helfen, sie zu begleiten, gerade in den schwierigen Situationen.“

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