Interview von Christoph Lehermayr
Vom Tiroler Oberland in die Wiener Seilerstätte: Johannes Laichner übernimmt von Pater Karl Wallner, der Missio zehn Jahre lang leitete. Der zweifach promovierte Priester leitete vier Pfarren, lehrte Religion und engagierte sich als Missio-Diözesandirektor für die Weltkirche.
Was macht Missio für Sie persönlich aus – und welche Antworten kann der christliche Glaube in unserer Zeit liefern?
Ich sage gern einen zugespitzten Satz: Wir helfen nicht, weil die Menschen katholisch sind, sondern weil wir katholisch sind. Wir sorgen für Bildung, helfen Hungernden und unterstützen Hilfsprojekte, Priesterseminare und Ordensgemeinschaften. Bei uns gehören Beten und Handeln zusammen: konkrete Hilfe und die Weitergabe des Glaubens. Denn der Mensch braucht etwas zu essen – aber auch Hoffnung, Gemeinschaft und einen Grund, warum er am Morgen wieder aufsteht.
Der Glaube hat nicht auf jede schwierige Frage eine schnelle Antwort. Aber er gibt Antworten auf die großen Fragen: Woher komme ich? Wozu bin ich da? Was trägt mich? Was bedeuten Schuld, Liebe und Tod? Die christliche Antwort ist keine Theorie. Sie hat einen Namen: Jesus Christus.
Die Kirche hat nicht neben vielen Aufgaben auch noch eine Mission. Sie ist Mission. Wenn Christus die Freude meines Lebens ist, möchte ich diese Freude weitergeben.
Was hilft Ihnen angesichts vieler Termine und Erwartungen, Priester zu bleiben und nicht vor allem Manager zu werden?
Wenn viel zu tun ist, kann man sich leicht einreden, jetzt sei alles andere wichtiger. Gerade deshalb brauche ich feste geistliche Anker. Ich bin nicht Nationaldirektor geworden, um weniger Priester zu sein. Natürlich muss Missio professionell geführt werden. Es geht um eine große Verantwortung gegenüber den Menschen, die uns vertrauen. Sparsamkeit ist mir wichtig, und im Umgang mit Spendengeldern bin ich erst recht genau und sorgfältig. Die Menschen vertrauen uns etwas an und dieses Vertrauen verpflichtet. Für mich schließen sich deshalb Professionalität, Effizienz und Glaube überhaupt nicht aus. Aber all das darf nicht zum Selbstzweck werden. Die heilige Messe, das Brevier und das persönliche Gebet müssen das Fundament bleiben. Mein Kalender darf nicht voller sein als mein geistliches Leben. Ein Manager fragt: Funktioniert es? Können wir es uns leisten? Als Priester muss ich weiterfragen: Dient es dem Evangelium? Dient es den Menschen? Hilft es, dass Christus sichtbar wird? Sonst wäre ich ein brauchbarer Geschäftsführer, aber kein guter Nationaldirektor.
Wer ist Johannes Laichner jenseits von Amt und Titeln: Was gibt Ihnen Kraft und Freude – und was macht Sie ungeduldig?
Ich bin ein bodenständiger Mensch. Ich bin sehr gern Priester. Und ich bin unverschämt glücklich, katholisch zu sein. Der Glauben macht mein Leben nicht enger, sondern größer, weiter und schöner. Kraft geben mir die heilige Messe, das Gebet, gute Freunde und Menschen, bei denen ich nichts darstellen muss. Auch in Wien werde ich ein leidenschaftlicher Tiroler bleiben.
Geschichte und Archäologie begeistern mich seit meiner Jugend. Mit einer alten Steinmauer in einer archäologischen Grabung kann man mir tatsächlich eine Freude machen. Ich kann lange davorstehen, während andere sich fragen, wann man endlich weitergeht.
Ungeduldig werde ich, wenn einfache Dinge unnötig kompliziert werden und man nach einer Stunde Sitzung nicht weiß, worüber man redet. Und wenn sich die Kirche so intensiv mit sich selbst beschäftigt, dass sie beinahe vergisst, wozu sie da ist. Da kommt dann wahrscheinlich doch der Tiroler durch.
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