Mit jungen Menschen auf dem Weg

Sie begleiten Jugendliche und vertrauen in ihrem Alltag auf Gott. Athina und Maria stellen sich ihren alltäglichen Herausforderungen unter völlig unterschiedlichen Voraussetzungen: Die eine arbeitet als Lehrerin in Kurdistan, die andere in Österreich.

von Markus Andorf

allewelt Juli/August 2019

Hoffnungsträgerin für junge Menschen

Athina Petros

LEHRERIN

Wohnort: Enishki, Irak 

Alter: 41

Lehrerin unterrichtet in einer Schule in Kurdistan.

Die Kirche von Enishki ist voll. Menschen beten mit ausgebreiteten Armen und feiern gemeinsam ihren Glauben. Ein Chor gestaltet an diesem Sonntag die Messe. Mitten unter den Gottesdienstbesuchern steht Athina Petros in einer Gruppe mit Frauen, die freudig in die Lieder einstimmen. Athina lebt in Kurdistan, im Norden des Irak. Sie ist Englischlehrerin und stolz, Christin zu sein: „Jesus ist das Beste, was ich in meinem Leben habe. Ich liebe Jesus sehr und versuche alles zu tun, um Ihm ähnlicher zu werden.“ Die 41-Jährige will in ihrer Heimat bleiben und Kinder und Jugendliche in der Schule begleiten. Während des Krieges sind tausende Menschen aus dem Irak in die Autonome Region Kurdistan geflohen mit der Hoffnung auf ein Leben in Sicherheit. „Wir Christen sind eine Minderheit. Es ist manchmal nicht leicht, als Christ hier zu leben. Mut gibt mir das Vorbild von Jesus, der alle Menschen gleich liebt und keinen Unterschied macht.“ 

Auch wenn die Gegend um Enishki nie direkt von Kriegshandlungen betroffen war, spüren die Menschen die Auswirkungen noch immer stark. Die Wirtschaft ist am Boden, die Jugendarbeitslosigkeit hoch, beschreibt Athina. Tagtäglich ist die Lehrerin mit der Perspektivenlosigkeit vor allem junger Menschen konfrontiert: „Ohne Job kannst du keine Familie gründen, das ist aber den Menschen hier sehr wichtig“, sagt Athina. „Die Situation nach dem Krieg ist sicher nicht leicht, deshalb ist es uns sehr wichtig, als Christinnen und Christen zusammenzuhalten und Gemeinschaft zu leben.“ Während der Messe ist es dunkel geworden. Von den Dächern der Häuser um die Kirche leuchten große, mit Lichterketten umwickelte Kreuze. Die Menschen stehen wie Athina zu ihrem Glauben und wollen das auch sichtbar machen. 

Von der Zukunft erhofft sich Athina, dass sie in Kurdistan in Frieden leben kann und dass zwischen den Religionen friedliches Zusammenleben möglich ist. „Ich habe mein ganzes Leben mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichen religiösen Überzeugungen gelebt. Es hat funktioniert, auch wenn ich nie verheimlicht habe, was Jesus für mich bedeutet.“ Die Lehrerin will auch weiterhin zu ihrem Glauben stehen und aus dem Glauben leben. Das gibt ihr Halt inmitten von Instabilität und Unsicherheit. In Jesus findet sie Hoffnung und Kraft, die ihr sonst keiner geben kann.

Managerin und Mentorin in der Schule

Maria Eberl

LEHRERIN

Wohnort: Wien, Österreich

Alter: 32

Maria sitzt im Zug und atmet tief durch. Ein anstrengender und intensiver Tag neigt sich dem Ende zu. Maria Eberl ist 32 Jahre alt und unterrichtet in einem Gymnasium in der Nähe von Wien Englisch und Französisch. Für sie gibt es nichts Schöneres als mit jungen Menschen zu arbeiten und jeden Tag aufs Neue ihr Interesse für Fremdsprachen zu wecken: „Sprachen sind Türöffner in andere Kulturen. Durch die sozialen Medien wird unsere Welt immer interkultureller. Es ist schön, junge Menschen zu begleiten und mit ihnen ihren Horizont zu erweitern.“

Dankbar ist Maria für die große Vielfalt, die ihr Job in der Schule bereithält: „Als Lehrerin bin ich Managerin, Beraterin und Mentorin. Natürlich steht die Wissensvermittlung im Fokus, gleichzeitig darf ich an der Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler mitwirken.“ Obwohl die Arbeit für sie erfüllend ist, stellt Maria der Lehrberuf auch nach einigen Jahren Erfahrung immer wieder vor neue Herausforderungen. Es sind die einzelnen Lebensgeschichten der Jugendlichen, mit denen sie sich konfrontiert sieht: „Ich bekomme viele familiäre oder persönliche Probleme von Schülern mit. Es ist nicht immer leicht, sich da emotional abzugrenzen. Oft nehme ich diese Probleme nach Hause mit.“ In solchen Situationen geht Maria gerne in eine Kapelle oder einen Gebetsraum und sucht die Stille: „Da komme ich dann zu mir, kann mich auf meine Fundamente besinnen und mich ganz neu auf Gott ausrichten. Das gibt mir Kraft.“

Während der langen, arbeitsintensiven Tage sucht die Lehrerin immer wieder aktiv den Kontakt zu Gott und versucht, den schulischen Alltag hinter sich zu lassen. Maria lächelt. Sie muss an eine Situation in der Klasse denken: „Heute habe ich mich zum Beispiel über einen Schüler geärgert. Da schicke ich oft ein Stoßgebet in den Himmel und merke, wie auch heute wieder, dass Gott wirklich da ist, dass ich einen anderen, liebenden Blick auf meine Mitmenschen geschenkt bekomme.“ Diese vielen kleinen Wunder des täglichen Lebens, wie sie es nennt, faszinieren Maria und stärken ihr Vertrauen in ihre persönliche Beziehung zu Gott. Als Lehrerin will Maria die Schülerinnen und Schüler immer als Ganzes im Blick haben und sie so fördern, dass sie sich entfalten können. „Es ist mir wichtig, Werte zu vermitteln, die den jungen Menschen im Leben helfen. Dafür braucht es den Mut, über den Lehrplan hinaus zu denken.“ Maria kommt mit dem Zug am Wiener Westbahnhof an. Sie trifft sich noch mit Freunden und lässt den Tag so ausklingen. Als Lehrerin will sie sich auch weiterhin den Herausforderungen des Berufs stellen und viele junge Menschen begleiten. Im Vertrauen auf Gott ist sie überzeugt, dass das auch gelingen wird.

Lehrerin Maria Eberl aus Österreich