Gemeindeleben neu gedacht

Zentrum Johannes Paul II.: Ein Ort, um Gott zu begegnen. Ein Ort, um Gemeinschaft zu erleben. Ein Ort, um seine eigenen Talente und Fähigkeiten zu entdecken und zu entfalten. Eine junge Gemeinde mitten in Wien möchte Anlaufstelle für Suchende von Nah und Fern sein.

allewelt September/Oktober 2020

Gelb leuchtend sieht man von weitem die Schilder einer Tankstelle. Darüber eine moderne Glasfassade, hinter der sich – unvermutet – ein weiterer Ort zum Auftanken befindet. Es ist ein Ort, um geistlich aufzutanken, Gott zu begegnen, auch oder besonders dann, wenn man keinen Bezug zu Kirche oder Glaube hat. „Kürzlich besuchten mich drei Freunde in Wien, die nicht gläubig sind. Ich hab sie sofort ins Zentrum Johannes Paul II. mitgenommen“, erzählt Lukas Maul. Der gebürtige Deutsche ist für die Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde verantwortlich.

Auf den ersten Blick vermutet man in den Räumen im dritten Wiener Gemeindebezirk keine Kirche. Der Eingangsbereich gleicht eher einem gemütlichen Wohnzimmer. So kommen die Menschen in einer entspannten Atmosphäre ins Gespräch und dürfen ganz sie selbst sein, meint Lukas. Jede und jeder soll sich willkommen fühlen. Auch gleich neben dem Eingangsbereich im Herzstück des Zentrums, der Kapelle.

Zentrum Johannes Paul II.

Zentrum Johannes Paul II.

Vision: „Forming Apostles to transform the world“ – Menschen zu missionarischen Jüngern befähigen

Mitglieder: ca. 200 Personen bei den Messen am Wochenende

Gründung2015 (mit gegenwärtigem Konzept und Struktur)

Status: römisch-katholische Gemeinde in der Erzdiözese Wien

So herzlich und offen tritt die Gemeinde bei ihren Veranstaltungen auf, wie etwa bei Shut Up! It’s Christmas in den Sofiensälen, auf gemeinsamen Expeditionen in alpine Gegenden oder bei den drei Gottesdiensten am Wochenende, die die Gemeinde feiert. Die vielen Angebote bringen besonders auch glaubensferne Menschen dazu, neue Seiten an sich selbst zu entdecken und vor allem Gott zu begegnen. „Ich habe hier neue Talente entdeckt und kann immer Dinge ausprobieren“, sagt Lukas Maul begeistert.

Von Lobpreis leiten, Events organisieren bis zu Kinderbetreuung oder dekorieren – es gibt unzählige Möglichkeiten, die persönlichen Talente einzubringen. So wächst das Zentrum Johannes Paul II.: Denn diejenigen, die hier schon eine Heimat gefunden haben, teilen ihre Erfahrungen gerne mit anderen. Sie wirken selbst missionarisch.

Zentrum Johannes Paul II.

Die gemeinsame Sehnsucht nach einer tiefen Beziehung zu Christus und dem Nächsten, ein Impulsschreiben des Kardinals und der Mut, neue Wege zu gehen – das sind die Zutaten für das pastorale Konzept im Zentrum Johannes Paul II. im dritten Wiener Gemeindebezirk. Es steht unter der Verantwortung der missionarischen Ordensgemeinschaft der Legionäre Christi und der Apostolatsbewegung Regnum Christi. Gemeinsam mit einem Team aus jungen Erwachsenen, Ehepaaren und Familien schaffen Pater George Elsbett und seine Mitbrüder im Zentrum Johannes Paul II. einen Ort für alle, die sich nach einer Begegnung mit Gott sehnen. Die Angebote reichen von Heiligen Messen, eucharistischer Anbetung bis zu Kinderbetreuung, Glaubenskursen und gemeinsamen Abenteuerreisen.

Drei Fragen an …

Pater George Elsbett, Leiter der Zentrums Johannes Paul II.

Pater George Elsbett

1 | Was bedeutet Mission für dich?

Mission ist die lebendige Gegenwart Jesu Christi in denjenigen, die ihn bezeugen. So wie es der heilige Papst Johannes Paul II. gesagt hat: Die Kirche braucht Zeugen, keine Prediger. Wenn ich davon sprechen kann, wie Gott in meinem Leben wirkt, bekommt mein Zeugnis Tiefe und Glaubwürdigkeit. Dann bin ich ein Missionar.

2 | Was sind die größten Herausforderungen für die Kirche heute?

Ich denke, die Kirche heute verliert manchmal das aus den Augen, worum es letztendlich geht: um Gott, um Jesus Christus. Es ist der Auftrag der Kirche, das Evangelium zu verkünden. Tut sie das nicht mehr, verliert sie ihre Relevanz. In meinen Augen müssen Katholikinnen und Katholiken wegkommen vom reinen Gewohnheitsglauben und stattdessen neu den Glauben aus Überzeugung leben.

3 | Was ist deine MIssion für Österreich und darüber hinaus?

Als Leiter des Zentrums Johannes Paul II. darf ich mich gemeinsam mit meinen Mitbrüdern und vielen engagierten Frauen und Männern um einen immer größer werdenden Kreis von missionarischen Jüngern kümmern. Ich sehe meine Rolle mehr im Hintergrund. Von dort unterstütze ich die Menschen darin, dass sie Jüngerinnen und Jünger werden und so die Welt verändern.

Diana Meier

Diana Meier

Projektmanagerin Marketing

Mission heißt für mich …

… in der Früh aufzustehen und zu wissen, wer ich bin und wofür ich lebe.

Eine Glühbirne ist dafür da, um Licht auszustrahlen. Ein Krug dient als Behälter für Wasser und Flüssigkeiten. Der Kugelschreiber muss schreiben und das Auto muss fahren. Die Schöpfer dieser Gegenstände haben sie für einen Zweck gedacht und sie mit allem ausgestattet, damit sie diesen Zweck erfüllen können.

Genauso hat Gott – mein Schöpfer – mich für einen wundervollen Zweck geschaffen: eine Botschafterin seiner Liebe zu sein. Wie das im alltäglichen Leben ausschaut? Jeden Tag anders! Mal nimmt’s die Form eines Lächelns an, mal ist es ein aufbauendes Wort… Mal vergeben… Mal in der Not helfen. Mal Fehler machen und aus meinen Fehlern lernen. Welche Gestalt meine Mission täglich annimmt, bestimme ich nicht selbst – genauso wenig wie der Kugelschreiber selbst entscheidet, was er schreibt, oder das Auto, wohin es fährt. Ich muss mich dafür auch nicht viel anstrengen. Eine Glühbirne bereitet sich auch nicht den ganzen Tag aufs abendliche Leuchten vor… Ich stehe morgens auf, bete und vertraue Gott den Tag an, packe meine Talente, meine Persönlichkeit und meinen Glauben zusammen und gebe mich mit ganzem Herzen den Situationen hin, die mir bevorstehen. Mit der Überzeugung, dass Gott in mir und durch mich wirkt und dass mein Leben auf Ihn und seine Liebe hinweist.