Weltmissions-Sonntag (07.09.2018)

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Uralte christliche Tradition

Katholische Christen sind in dem mehrheitlich christlichen Äthiopien eine Minderheit, nur knapp zwei Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum Katholizismus. Nach den staatlichen Hilfsprogrammen ist die katholische Kirche dennoch die größte Anbieterin humanitärer Hilfe.

Weltmissions-Sonntag

Hunderte Menschen, gehüllt in weiße Tücher, strömen am Feiertag des Erzengels Michael in die Bet Mikael Kirche. Sie ist eine von rund einem Dutzend Kirchen, die nahe der Kleinstadt Lalibela vor 800 Jahren aus dem Fels geschlagen wurden. Rhythmisch wiegen die Gläubigen ihre Körper zum Takt der Schellen und Trommeln, die die Gesänge der Priester begleiten. Tausende Pilger und Touristen aus dem In- und Ausland besuchen das UNESCO-Weltkulturerbe jedes Jahr. „Die uralte Geschichte des Christentums ist Teil der Kultur Äthiopiens. Wir atmen christliche Kultur“, erklärt Father Petros Berga. Er ist Priester in der Diözese Addis Abeba: „Manchmal pilgern katholische und orthodoxe Christen auch gemeinsam. Lalibela hat für viele eine große spirituelle Bedeutung. An der Basis sind die Christen in Äthiopien viel stärker miteinander verbunden als auf höheren hierarchischen Ebenen. Sie besuchen einander in ihren Häusern, trinken Kaffee zusammen und feiern zum Beispiel den Heiligen Michael. An orthodoxen Fasttagen verzichten auch katholische Christen aus Solidarität auf Fleisch.“

 

Solidarität unter Christinnen und Christen

Weltmissions-Sonntag

Unter den christlichen Religionsgemeinschaften bilden Orthodoxe die größte Gruppe. „In der Vergangenheit gab es Spannungen zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen, vor allem zwischen orthodoxen Christen und der Pfingstbewegung“, sagt Father Petros. Die Pfingstbewegung habe in den letzten Jahren stark zugenommen. Mittlerweile sei die Situation entspannter. „Es ist wichtig, dass wir die Beziehung zueinander pflegen“, mahnt der katholische Priester. Gehe es darum, den Menschen zu helfen, etwa, wenn es wie vor zwei Jahren zu einer Hungersnot im Land kommt, arbeiten die verschiedenen Religionsgemeinschaften des Landes gut zusammen.

Perspektive für die Jugend

Während die Wirtschaft wächst, verbreitert sich die Kluft zwischen Armen und Reichen zusehends. Die Mitglieder seiner Gemeinde erzählen dem Priester von ihren Sorgen um die Zukunft. Seit es im Februar zu Unruhen kam, gilt in dem autoritär regierten Land der Ausnahmezustand. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Volksgruppen. Um ein gutes Zusammenleben zu ermöglichen, müsse bei der Jugend angesetzt werden, ist Father Petros überzeugt. „Über die sozialen Medien werden extremistische Ansichten geteilt, die Jugendlichen werden von solchen Ideen angezogen. Es ist die Aufgabe der religiösen Führer, die jungen Menschen zu leiten und auf ihre Bedürfnisse einzugehen.“ Ohne eine Perspektive vor Ort, gehen viele Jugendliche ins Ausland oder stranden auf dem Weg dorthin in der Hauptstadt Addis Abeba. Hier betreibt die Kirche ein Berufsausbildungszentrum und versucht ihnen Jobs zu vermitteln. „Wir müssen die Jugendlichen davon überzeugen, sich hier eine Zukunft aufzubauen. Das ist eine große Herausforderung für die Regierung und die Kirchen.“

 

2018-09-18T13:51:02+00:00