Die Hilfe wird mehr denn je gebraucht

Weltmissions-Sonntag: Heuer steht der 18. Oktober ganz im Zeichen der Solidarität und Nächstenliebe. Weltweit sammeln Pfarren für die ärmsten Länder und Diözesen dieser Welt.

allewelt November/Dezember 2020

„Sie hätte Grace geheißen“, erzählt Carissa aus Makak, einer Stadt im Süden Kameruns, mit leiser Stimme. Gemeint ist damit ihr Baby, das viel zu früh zur Welt kam. Hilfe suchte die junge Frau auf der Gesundheitsstation von Makak, wo Schwester Jacqueline um das Leben des winzigen Mädchens kämpfte – ohne Erfolg. „Mit einem Brutkasten hätte ich das kleine Mädchen retten können. Leider fehlen uns hier viele Geräte und Hilfsmittel“, bedauert die Schwester.

Trotzdem ist die Gesundheitsstation von Jacqueline Ndouga und ihrem Team eine wichtige Anlaufstelle für die Menschen in der Umgebung. „Für viele Menschen ist die Kirche der erste Ort, an dem sie Hilfe suchen. Sei es bei dem Pfarrer, bei kirchlichen Sozialarbeiterinnen und Entwicklungsarbeitern oder in den zahlreichen katholischen Spitälern und Gesundheitseinrichtungen – die Kirche ist ein unendliches Netzwerk der Liebe, das auch uns hier in Österreich mit den Ärmsten der Armen verbindet“, weiß Missio-Nationaldirektor Pater Karl Wallner.

Die Gesundheitsstation von Makak ist eines jener Hilfsprojekte, das mit der Kollekte des diesjährigen Weltmissions-Sonntags am 18. Oktober unterstützt wird.

Pauline Jaricot

„Pauline Jaricot, Tochter eines reichen Seidenfabrikanten in Lyon organisierte 1818 erste Kollekten für Missionen in Übersee.“

Diana Meier, Kampagnenmanagerin Missio Österreich

Aktion mit langer Geschichte

Jedes Jahr am vorletzten Sonntag im Oktober sammeln weltweit Pfarren im Auftrag des Papstes Spenden, die den Menschen in den ärmsten Ländern der Welt zugute kommen. Was viele nicht wissen: Der Weltmissions-Sonntag gilt als die älteste Kirchenkollekte der Welt. „Er geht auf das Werk der Glaubensverbreitung zurück. Pauline Jaricot, Tochter eines reichen Seidenfabrikanten in Lyon, organisierte 1818 erste Kollekten für Missionen in Übersee. Ihr Engagement führte 1822 schließlich zur Gründung eines Missionsvereins, der die Mission durch Gebet und regelmäßige Spende unterstützt. Die Aktion wurde zur Geburtsstunde der katholischen Laienmissionsbewegung“, sagt Diana Meier, die die Kampagne zum Weltmissions-Sonntag bei Missio Österreich begleitet.
Um die im 19. Jahrhundert entstandenen zahlreichen missionarischen Initiativen von Orden und Missionsinstituten besser zu koordinieren, rief Papst Pius XI. 1926 erstmals den Weltmissions-Sonntag aus und beauftragte damals die Päpstlichen Missionswerke, diesen zu gestalten.

ÄLTESTE KIRCHENKOLLEKTE DER WELT

Der Weltmissions-Sonntag wird immer am vorletzten Sonntag im Oktober gefeiert, und zwar weltweit in allen Pfarren der römisch-katholischen Kirche. Er ist als das „Fest der Katholizität und universalen Solidarität“ bekannt. Dabei wird im Auftrag des Papstes für die ärmsten Diözesen und Länder dieser Welt gesammelt. Die Päpstlichen Missionswerke sind mit der Durchführung betraut. Der Weltmissions-Sonntag gilt als die älteste Kirchenkollekte der Welt und geht auf Papst Pius XI. zurück, der 1926 erstmals die Aktion ausrief. Im Vorjahr wurden in Österreich am Weltmissions-Sonntag 1,165 Millionen Euro gesammelt. Damit konnten viele pastorale und soziale Hilfsprojekte finanziert werden, etwa der Bau von Kirchen, medizinischen Versorgungsstationen und Zentren für Benachteiligte, Bildungsinitiativen sowie die Ausbildung von jungen Männern zum Priestertum.

Auch junge Menschen helfen

Auch heuer sind die Päpstlichen Missionswerke mit der Durchführung betraut. Zusätzlich gibt es im Oktober, dem Monat der Weltmission, in Österreich eine spezielle Jugendaktion. Dabei verkaufen Jugendliche Fair-Trade-Schokopralinen und Fruchtgummi für den guten Zweck.

„Die Menschen in den ärmsten Ländern der Welt brauchen heute mehr denn je unsere Solidarität!“

Pater Karl Wallner, Nationaldirektor von Missio Österreich

Coronavirus vergrößert die Not

Allen Verantwortlichen ist bewusst, dass die Coronavirus-Pandemie den Weltmissions-Sonntag heuer zu einer besonderen Herausforderung macht. Pater Karl Wallner hofft aber auf die Solidarität der Menschen: „Werden wir in unseren Pfarren wirklich einen großartigen Weltmissions-Sonntag schaffen? Ich hoffe schon, denn die Menschen in den ärmsten Ländern der Welt brauchen heute mehr denn je unsere Solidarität!“

Auch Schwester Jacqueline hofft auf das Engagement der Gläubigen. Sie verteilt jetzt Masken und versorgt die ärmsten Familien in dieser Notsituation mit Lebensmitteln und Wasser. Gerade jetzt, in Zeiten der Krise, hofft sie auf jeden Euro, um den Menschen, die zu ihr kommen, helfen zu können.

Schwester Jacqueline Ndouga und ein Baby

„Danke, dass Sie sich auch in dieser Corona-Krise für die Ärmsten engagieren!“

Schwester Jacqueline Ndouga
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