Vor großen Herausforderungen

Burkina Faso: Das „Land der aufrichtigen Menschen“, wie der westafrikanische Staat genannt wird, hat eine lange Geschichte der kolonialen Ausbeutung und sechs Militärputsche hinter sich. Heute bedrohen Armut, Terrorismus und der Klimawandel den Frieden.

unterwegs mit LENA HALLWIRTH

allewelt Mai/Juni 2019

Die Plastikflut

Aus einem großen Korb schöpft eine Marktstandlerin Erdnüsse und füllt sie in ein schwarzes Plastiksackerl. Dieses steckt sie in ein weiteres Plastiksackerl und schnürt es fest zu. Das Plastik ist von der billigsten Sorte. Es ist so dünn, dass die Henkel der beiden ineinandergesteckten Sackerln schon nach kurzer Zeit reißen. Ein weiteres Plasticksackerl muss her. Die Reste der beiden letzten landen auf der Straße, von wo aus der Wind sie in einen der trockenen Flussläufe trägt, die als Mülldeponien genutzt werden.

Kommt der Regen, nehmen die Flüsse die Plastikfetzen mit auf ihren Weg ins Meer, wo sie sich in immer kleineren Stückchen zerteilen. Wie viele afrikanische Staaten hat auch Burkina Faso vielerorts kein Müllentsorgungssystem. Will Europa die Meere wirklich schützen, sollte es afrikanische Staaten beim Umgang mit diesem Müll unterstützen.

30 HEKTAR FRUCHTBAREN WALD HAT YACOUBA SAWADOGO IN BURKINA FASO GEPFLANZT

Mit traditionellen Anbaumethoden hat der Landwirt ein ausgetrocknetes Gebiet in der Sahelzone bepflanzt und es so wieder fruchtbar gemacht. Dafür wurde er im vergangenen Jahr mit dem Right Livelihood Award, dem Alternativen Nobelpreis, geehrt. Mehr über den „Mann, der die Wüste aufhielt“, wie er seither genannt wird, lesen Sie in der nächsten Ausgabe der allewelt!

Yacouba Sawadogo

„Ich möchte das Wissen meiner Vorfahren an meine Söhne und die ganze Welt weitergeben.“

Yacouba Sawadogo, Landwirt in Burkina Faso
Lena Hallwirth in Burkina Faso

“Ich wurde mit großer Herzlichkeit in Sabcé, Ouagadougou, Kaya und Ouahigouya willkommen geheißen, wo ich Eindrücke vom Leben der Menschen sammeln durfte.”

Lena Hallwirth, Missio-Redakteurin

Mit Vorsicht genießen

Das ganze Dorf hat sich unter einem großen Baum neben der Kirche versammelt. Mit würdevollen Schritten bringen zwei Frauen einen traditionellen Tonkrug und eine Schale zu den beiden Dorfvorstehern. Diese setzen die Schale ebenso würdevoll an die Lippen und reichen sie anschließend an mich, ihren Gast, weiter. Das Ritual ist ein Zeichen des Respekts und soll zeigen, dass das Wasser unbedenklich ist. Aus Sorge um meine Gesundheit, wird mir dennoch dringend nahegelegt nur so zu tun, als würde ich das nicht abgekochte Wasser trinken.

Kein Vorwärtskommen

Ruhig und friedlich brütet die trockene Landschaft unter der Sonne Burkina Fasos. Goldbraun sind die Straßen, die kleinen Häuser aus Lehm und Ziegeln und auch der Treibstoff , der in alten Whiskeyflaschen am Straßenrand verkauft wird. Kaum vorstellbar, wie dieser Landstrich in der Sahelzone im kommenden Sommer in saftiges Grün getaucht sein wird – vorausgesetzt der Regen kommt. Viele Straßen werden dann nicht mehr passierbar und zahlreiche Dörfer nicht erreichbar sein. Auch in der Trockenzeit sind sie es vor lauter Schlaglöchern kaum. Nur dort, wo große internationale Firmen Rohstoffe abbauen und abtransportieren wollen, wird in die Straßen investiert.

JONAS UND WILFRIED

Im Schatten einer Laube sitzt Jonas vor seinem Haus. Über seinem Kopf baumeln prächtige, goldene Maiskolben von der Decke. Ein Dutzend Kinder stecken neugierig die Köpfe zwischen den flachen Häusern hervor und verschwinden kichernd hinter der nächsten Ecke. Einige von ihnen sind die Urenkelkinder von Jonas. Zufrieden schaut er ihnen nach. Der 80-Jährige ist einer der ältesten Männer im Dorf Sabcé. Eine junge Frau setzt sich zu ihm, auf dem Arm trägt sie sein jüngstes Urenkelkind. Der kleine Wilfried ist erst wenige Monate alt. „Ich danke Gott jeden Tag dafür, dass er uns alle erschaffen hat“, sagt Jonas. Ein Lächeln huscht über das Gesicht des schlafenden Babys.

Wenige Wochen nach meinem Besuch sind in dem Dorf statt gackernden Hühnern und kichernden Kindern Schüsse zu hören. Terroristen haben die nahegelegene Polizeistation überfallen. Eine schwangere Frau und ihr Begleiter, die gerade auf dem Weg ins Krankenhaus waren, wurden bei dem Angriff getötet. Wilfried wurde in eine gefährliche Welt voller Hindernisse hineingeboren. Von 1.000 Lebendgeborenen erleben in Burkina Faso 102 Kinder ihren fünften Geburtstag nicht.

Unabhängig davon, wie sehr sich Wilfried einmal anstrengt, wird er womöglich nie die Schule abschließen können, etwa weil es sich seine Eltern nicht leisten können. Friedlich schlummernd ahnt er nichts von den großen Herausforderungen, die ihn erwarten. “Gott schütze ihn”, sagt Jonas.

Ein Projekt in Burkina Faso unterstützen

Den Minen entkommen

299.191€ of 350.000€ raised

Unter Lebensgefahr arbeiten tausende Buben und Mädchen in Burkina Faso in selbstgegrabenen Minen. Immer wieder stürzen Tunnel ein und begraben die Kinder in der Tiefe. Doch sie haben keine Wahl: Oft hängt das Überleben ihrer Familien von ihrem Verdienst in der Mine ab. Mit Ihrer Hilfe können sie wieder zur Schule gehen!

Zahlungsmethode auswählen
Persönliche Informationen

Anschrift des Spenders

Spendensumme: 25,00€