Osterfeierlichkeiten in Guatemala

Marsch der Cucuruchos

Prächtige Teppiche aus gefärbten Sägespänen, Piniennadeln und Blumen bedecken das alte Kopfsteinpflaster von Antigua, der ehemaligen Hauptstadt von Guatemala. Es dauert Stunden, die fragilen Kunstwerke zu erschaffen, doch schon wenig später zerstören hunderte Füße die Bodenbilder. Stundenlang marschieren die „Cucuruchos“, meist violett und schwarz gekleidete Träger aus den Bruder- und Schwesternschaften der Stadt, durch die historischen Gassen. Auf den Schultern tragen sie gewaltige, tonnenschwere Sänften mit Szenen aus der Passionsgeschichte. Vorneweg, in Weiß gekleidet, führt ein Leiter mit viel Körpereinsatz die bis zu hundert Träger an. Sein Dienst ist eine besondere Ehre. Dahinter begleitet die Musikkapelle die Prozession mit Trauermusik. Seit der Ankunft der Spanier vor rund 500 Jahren werden in Mittelamerika in der „Semana Santa“, der Karwoche, Prozessionen begangen. Nach dem Ende des jahrzehntelangen Bürgerkrieges im Jahr 1996 wurden sie von Jahr zu Jahr aufwändiger. Gleichzeitig ziehen sie immer mehr Besucher aus dem In- und Ausland an. Laut Kritikern drohen die Feiern dadurch ihren religiösen und familiären Charakter zu verlieren.