Planung auf Hochtouren

Die Corona-Pandemie hat uns in eine Krise gestürzt und gezeigt, wie dankbar wir für die gute medizinische Versorgung in Österreich sein können. Millionen Menschen weltweit können sich nicht darauf verlassen, im Notfall medizinische Hilfe zu bekommen. Bereits vor der Corona-Krise war das Leben für die Menschen im vernachlässigten Norden Mosambiks hart. Um ihr Leben nachhaltig zu verbessern, baut Missio Österreich unter der Leitung der Missionsbenediktiner das Sankt-Karl-Borromäus Krankenhaus. Der deutsche Pater Anastasius Reiser hat lange im benachbarten Tansania gelebt und kennt die Region. Im Interview mit Missio Österreich berichtet er, warum ein Krankenhaus dringend benötigt wird.

| Ihre Mitbrüder haben in N’nango, im Norden Mosambiks, eine Missionsstation gegründet. Hier soll auch das neue Sankt-Karl-Borromäus Krankenhaus entstehen. Bitte beschreiben Sie die Region in diesem Teil des Landes.

Es ist eine sehr ländliche Gegend, viele Menschen leben in Hütten aus Stroh und Gras. Entlang der Küste gibt es befestigte Häuser, aber je weiter man ins Hinterland kommt, desto weniger Infrastruktur gibt es. Um Strom und Wasser muss man sich selbst kümmern. Es wird traditionell gekocht und gegessen, es werden viel Mais und ein paar wenige Früchte gegessen. In Zukunft wird es eine Aufgabe des geplanten Gesundheitsbasisdienstes sein, den Menschen eine vielfältigere Ernährung zu zeigen. Es ist relativ „unregiertes“ Land. Die Regierung kümmert sich hauptsächlich um die Küste und die Hauptstraße. Wenn man aber weiter ins Hinterland geht, dann gibt es dort zum Beispiel Ölfirmen, die Bodenschätze suchen, und mafiöse Strukturen, die niemand ganz durchblickt.

| Die Missionsbenediktiner haben bereits zwei große Krankenhäuser im Süden Tansanias aufgebaut. Warum ist es so wichtig, in N‘nango ein Krankenhaus zu bauen?

Sehr viele Patienten aus dem Norden Mosambiks reisen bis zu unseren Krankenhäusern in Tansania, um sich dort behandeln zu lassen. Es gibt im Norden nur in der Stadt Mocímboa an der Küste einen „Medical Officer“, also eine Art Hilfsarzt. Sonst gibt es nichts. Viele Leute können es sich aber nicht leisten, über die Grenze oder nach Mocímboa zu fahren. Wir sehen, dass ein unheimlicher Bedarf da ist. Das Volk der Makonde, das in dieser Region lebt, arbeitet sehr viel mit Heilern, also mit traditioneller Medizin. Es werden alte Methoden der Heilung angewandt, wie etwa, dass Blut abgelassen oder die Haut eingeritzt wird. Es gibt gute Naturheiler, aber es gibt auch viele „Zauberer“. Mit einem Krankenhaus kann man den Einfluss dieser Menschen verringern. Wir sorgen dafür, dass immer wieder Spezialisten-Teams aus Deutschland kommen. Es gibt da etwa Spezialisten für Augenchirurgie, Urologie und Zahnärzte. Sie sollen in Mosambik dann auch die lokale Belegschaft fortbilden. So kommt es zu einem Wissenstransfer in die Region.

| Immer wieder wird von bewaffneten Gruppen berichtet, die im Norden Mosambiks Anschläge verüben. Was wollen diese Gruppen?

Im Hinterland wird gerade der Kuchen verteilt: Wer bekommt die Bodenschätze? [Anm.: Mosambiks Norden verfügt über große Erdöl- und Erdgasreserven, darüber hinaus werden hier Edelsteine, Elefanten-Stoßzähne und Drogen geschmuggelt.] Es gibt verschiedene Gruppen, die sich da bemerkbar machen und einen Teil des Kuchens haben wollen. Laut einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gab es auch russische Söldner in der Gegend, die versucht haben, Ordnung zu schaffen. Dann wurden sie aber abgezogen und andere Gruppen haben wieder an Macht gewonnen. Auch unsere Mitbrüder wurden in Mitleidenschaft gezogen wurden. Es ist ein Durcheinander von verschiedensten Gruppen.

| Im Mai wurde die Missionsstation der Benediktiner in N’nango, die erst 2019 eingeweiht wurde, überfallen. Ihre Mitbrüder konnten vorab flüchten und sind unverletzt geblieben. Wie ordnen Sie diesen Überfall ein?

Die Leute sagen, es waren islamistische Gruppen, aber wenn man nachgefragt, dann haben die Menschen aus der Umgebung gewusst, dass sie kommen. Es waren somit ihre eigenen Leute. Die „Kämpfer“, also die Männer, die da als islamistische Kämpfer auftreten, tauchen unter und leben wahrscheinlich ganz normal in der Gesellschaft mit. Dass aber unsere Mitbrüder vorab über den Überfall informiert wurden, zeigt auch, dass sie schon sehr verbunden sind mit den Menschen. Die Beziehung von Islam und Christentum ist ein Thema in der Region. Der Islam war ja zuerst in Mosambik, er ist durch die arabische Schifffahrt im 15. Jahrhundert nach Mosambik gekommen. Das Christentum kam erst danach, etwa so um das Jahr 1850. Die einheimische Bevölkerung sieht Christen noch als Eindringlinge. Wobei Muslime ihre Kinder schon in den katholischen Kindergarten schicken, weil sie merken, dass sie dort eine gute Erziehung bekommen. Die Zusammenarbeit geht also über die soziale Ebene, nicht über die religiöse. Wir wollen uns über ein soziales Standbein, eben das Krankenhaus, etablieren und hoffen, dass das eine Strahlkraft entwickelt und das Christentum so einen Platz bekommt. Es werden ja alle in dem Krankenhaus behandelt, keiner fragt nach der Religion der Patienten.

| Wer wird nach der Fertigstellung in dem Krankenhaus arbeiten?

Unter anderem meine Mitbrüder. Wir haben ausgebildete Mönche, die Krankenpfleger und Ärzte sind, sie werden in dem dort entstehenden Kloster leben. Darüber hinaus müssen attraktive Wohnmöglichkeiten und ein kulturelles Leben geschaffen werden. In Peramiho [Anm.: Krankenhaus und Kloster der Missionsbenediktiner in Tansania] haben wir eine „Doktors-Bar“ gebaut. Da haben sich abends die Ärzte getroffen und zum Beispiel ihren Geburtstag dort gefeiert. Wir haben auch schöne Häuser für das Personal gebaut. Und dann ist es natürlich wichtig, gute Löhne zu zahlen, um qualifiziertes Personal zu bekommen. Man darf die Lohnkosten in der Stadt nicht unterschätzen und muss sie dann auch am Land zahlen.

| Der Aufbau der beiden Krankenhäuser im Süden Tansanias war sehr erfolgreich. Was hat dort gut funktioniert, was Sie nun auch in Mosambik umsetzen wollen?

Gutes Personal ist sehr wichtig. In Tansania, wo wir auch Krankenpflegeschulen errichtet haben, haben wir das über Stipendien gelöst. Wir haben einen Teil der Ausbildung junger Fachkräfte bezahlt und vertraglich vereinbart, dass sie zwei oder drei Jahre lang bei uns bleiben. Das würde auch in Mosambik funktionieren, denke ich. Und wir müssen gute Arbeitsbedingungen schaffen und alles, was dazu gehört. Man muss immer das Gesamtkonzept im Blick haben!

Das Sankt-Karl-Borromäus Krankenhaus im Norden von Mosambik wird rund 100.000 Menschen dringend notwendige medizinische Versorgung bieten. Bitte helfen Sie uns dabei und bauen Sie mit!

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