Leben, lernen, lachen, feiern

Uganda: Neben der tropischen Schönheit der Natur, die dem Spitznamen „Perle Afrikas“ alle Ehre macht, zeigt sich die Schönheit des ostafrikanischen Landes besonders in dem Lachen der Menschen und ihrer Gastfreundschaft. 

Unterwegs mit LENA HALLWIRTH

allewelt November/Dezember 2020

Zu Gast

Duftend steht ein Teller Bohneneintopf mit Posho, einem Sterz aus Maismehl, vor mir auf dem Boden. Obwohl die Familie kaum etwas hat, hat Mutter Margret ihren Sohn Julius losgeschickt, um ein zusätzliches Päckchen Maismehl zu kaufen und lädt das vierköpfige Missio-Team zum Essen ein. Auf dem Boden ihrer Einzimmerwohnung hat sie ein Tuch ausgebreitet, auf dem wir Platz nehmen dürfen. Margret selbst sitzt auf dem kahlen Boden, über ihr schmücken bunte Heiligenbilder die abgegriffenen Wände.

Nach dem Gebet sehe ich mich unsicher um. Abgesehen von Pizza und Fladenbrot habe ich noch nie mit den Fingern gegessen. Verstohlen beobachte ich die Kinder, wie sie geschickt mit einem Stück Maissterz den Eintopf in ihren Mund befördern. Ich versuche es ihnen gleichzutun, doch der Sterz zerfällt mir in der Hand und nur mit Mühe schaffen es ein paar Bohnen in meinen Mund – appetitlich sieht das bei mir bestimmt nicht aus. Wie so oft auf Reisen merke ich, dass ich noch viel zu lernen habe.

Hauptstadt: Kampala

Einwohner: 38 Millionen (Schätzung 2018)

Fläche: 241.550 km²

Bevölkerung: Die größte Volksgruppe im Vielvölkerstaat Uganda sind die Baganda. Sie leben vor allem im gleichnamigen Königreich im Zentrum des Landes. Derzeit leben etwa 1,4 Millionen Geflüchtete aus dem Südsudan und der Demokratischen Republik Kongo in Uganda.

Religion: Katholische Christinnen und Christen bilden mit 39 Prozent die größte Religionsgemeinschaft. Christliche Freikirchen haben in den letzten Jahren jedoch stark an Einfluss gewonnen. 13,7 Prozent der Menschen bekennen sich zum Islam.

Nagellack und Fischköpfe

Unter mir schwappt der Victoriasee gluckernd ans steinige Ufer, neben mir brät ein großer Fisch im spritzenden Öl und um mich herum stehen ein paar Hafenarbeiter, von denen ich mehr über ihre Arbeit in dem kleinen Fischerhafen wissen will. Es riecht nach Fisch und dem Rauch der kleinen Kohlefeuer vor den Imbissbuden, Abfälle liegen in den kleinen Gassen. Gebannt von den vielen neuen Eindrücken biege ich nach dem Interview um eine Ecke und sehe einen Mann, der vor einer jungen Frau im Dreck kniet. Gekonnt lackiert er ihr die Fingernägel in einem strahlenden Rosarot – ein Sinn fürs Schöne, den ich an diesem Ort nicht erwartet hätte.

1.112 VERSCHIEDENE VOGELARTEN GIBT ES IN UGANDA

Die Feuchtgebiete des Victoriasees gehören zu den artenreichsten Gebieten der Welt. Hier können Fischadler, Eisvögel, Schuhschnäbel und natürlich Marabustörche mit einer Flügelspannweite von über drei Metern bewundert werden. Doch die Vielfalt ist durch Übernutzung und Umweltzerstörung bedroht.

„Wir alle sind von der biologischen Vielfalt abhängig, lassen Sie uns nicht damit spielen. Machen wir jeden Tag zu einem Weltumwelttag!“

Leah Namugerwa, ugandische FridaysForFuture-Aktivistin

Wie schön, dass du geboren bist!

Singend, trommelnd und mit großen Partyhüten aus Stroh tanzen die Ordensfrauen ins Esszimmer ihres Konvents. Vor sich tragen sie einen großen von Kerzen erleuchteten Kuchen zu einer ihrer Mitschwestern, die heute Geburtstag feiert. Sofort tauchen Bilder meiner eigenen Geburtstagsfeier vor neun Jahren in mir auf, als ich den Sommer bei den Sacré-Coeur-Schwestern verbringen durfte. Nach meinen ersten Wochen in Uganda, in denen ich mich erst daran gewöhnen musste, in einem mir so fremden Land ständig auf Hilfe angewiesen zu sein, um mich zurechtzufinden, waren der Kuchen und die Herzlichkeit der Schwestern das beste Geburtstagsgeschenk.

Auf Wiedersehen!

Voller Wehmut gehe ich ein letztes Mal durch die vertrauten Gänge des Konvents, umarme die Schwestern, die mich so herzlich aufgenommen haben und gehe davon aus, dass ich sie wohl alle nicht mehr wiedersehen werde – Uganda scheint mir damals unglaublich weit weg. Nie hätte ich gedacht, dass ich neun Jahre später erneut bei einer Tasse ugandischem Schwarztee im Wohnzimmer der Schwestern sitzen würde. Als junge Studentin war es meine erste Reise auf den afrikanischen Kontinent, die mich in einen Vorort der Stadt Jinja geführt hat, wo ich besonders am Leben von Volksschuldirektorin Schwester Lucy teilhaben und an ihrer Schule aushelfen durfte. Nun war es meine letzte Reise, kurz bevor das Corona-Virus Fernreisen bis auf Weiteres verhinderte. Auf den ersten Blick scheint vieles beim Alten und doch: Die Volksschule hat endlich einen Saal für Elternabende, somit müssen die Kinder bei Regen auch nicht mehr draußen essen; das Konvent konnte einen kleinen Kuhstall und eine Kapelle bauen und vor den Werkstätten am Straßenrand fallen mir keine Särge mehr auf, sondern bunte Stockbetten für Kinder. Diesmal reise ich mit dem Gefühl ab, in unserer globalisierten Welt gar nicht so weit weg zu sein. Das Virus ändert das. Andererseits habe ich jetzt mehr Kontakt mit Schwester Lucy, um besonders bedürftigen Schulkindern durch die Corona-Krise zu helfen. Eines Tages werde ich sie in Uganda wiedersehen!

Lena Hallwirth und Schwester Lucy

LENA HALLWIRTH

Auf ihrer letzten Reise mit Missio Österreich ist die Journalistin wieder an den Ort zurückgekehrt, von dem aus sie begonnen hat, Afrika für sich zu entdecken.