Ich kommuniziere ständig mit Gott

Thomas Geierspichler: Mit 18 Jahren hatte er einen Unfall, seither sitzt er im Rollstuhl. Thomas Geierspichler hat in den ersten Jahren nach seinem Schicksalsschlag nach Sinn gesucht – mit Drogen, Rauchen und Alkohol. Gott hat ihn dann wieder ins Leben zurückgeholt, ihm eine Vision gegeben.

allewelt Juli/August 2019

Rennrollstuhlfahrer in einer Allee

Das tiefste Fundament in meinem Leben ist der Glaube: Ohne ihn hätte ich meinen Weg nicht gefunden. Der Glaube hat mich mit mir selbst ins Reine gebracht. Durch ihn weiß ich, wer ich bin und was ich bin. Der Sport war nur das Ventil, mit dem ich mich ausdrücke.

Was kann einem mehr Mut geben als der Kern der christlichen Botschaft: Einer ist schon durch alles gegangen, was man sich nur vorstellen kann. Bis zum Tod. Jesus hat den Weg bereitet, das macht alles leichter.

Ich kommuniziere ständig mit Gott – wenn ich auf dem Rennrollstuhl sitze, sage ich oft Danke für das, was ich sehe und rieche. Ich sage für alles Danke, was gut ist, für die Momente, in denen ich glücklich bin, obwohl ich im Rollstuhl sitze.

THOMAS GEIERSPICHLER

wurde am 14. April 1976 in Salzburg geboren. Geierspichler wurde im Rennrollstuhlfahren fünfmal Weltmeister, sechsmal Europameister und ist Paralympicssieger über 1.500 Meter und im Marathon, wo er auch den Weltrekord hält. Der heute 43-Jährige verunglückte im Jahr 1994 auf dem Heimweg aus einer Diskothek mit dem Auto. Nach einer schwierigen Zeit mit Drogen- und Alkoholproblemen kämpfte sich Geierspichler schnell an die Weltspitze des Rennrollstuhlfahrens. Sein Motto: „Alles ist möglich dem, der glaubt.“ Wie er zurück ins Leben gefunden hat und wo er Kraft schöpft, schreibt Geierspichler in seinem Buch „Mit Rückgrat ins Leben“. Regelmäßig hält er Vorträge über seinen Weg und seine Motivation.

Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht. Dieser Satz aus dem Hebräerbrief begleitet mich schon lange. Hoffnung heißt für mich Gutes zu erwarten. Der Glaube bringt mich dazu, mich voll und ganz auf die Hoffnung auszurichten.

Gott spricht auf eine ganz besondere Weise: Er erscheint nicht und sagt, was der richtige Weg ist. Gott gibt mir immer wieder ein Bild, er berührt mich emotional und hat mir so die Möglichkeit gegeben, meinen Weg zu finden und ihn auch zu gehen.

Der Glaube ist für mich wie ein Seil, an dem ich mich weiterziehe. Es liegt an mir, daran festzuhalten. Wenn ich nicht auslasse, weiß ich, dass ich auf Gott ausgerichtet bleibe. Er ist der wichtigste Begleiter in meinem Leben.

Es ist schön, wenn Menschen ohne Pflichtbewusstsein freimütig anderen Menschen helfen. Ich finde es eine gute Sache, dass Missio Österreich für jene Menschen da ist, denen das Notwendigste zum Leben fehlt.

Thomas Geierspichler mit einem Pokal in der Hand