Mit dem besten Gefühl

Markus Reiter investierte fast seinen gesamten Jahresurlaub, um Gutes zu tun. Er wartete in entlegenen Bergdörfern Photovoltaikanlagen und brachte Licht in die Dunkelheit.

allewelt März/April 2020

Das Leben der rund 100 Einwohner in dem kleinen Bergdorf Namdo im Norden Thailands, nahe der burmesischen Grenze, sowie in einigen umliegenden Ortschaften, hat sich seit ein paar Monaten grundlegend verbessert. Denn in den Dörfern lebten die Menschen, die der ethnischen Minderheit der Karen angehören, bisher unter ärmsten Verhältnissen und vor allem ohne Strom. Doch das hat sich mittlerweile für viele Familien geändert. Grund dafür ist, dass im Rahmen eines Hilfsprojekts Photovoltaikanlagen auf den Dächern der bescheidenen Häuser installiert wurden. Einer, der dabei mithalf, war der gelernte Kommunikationstechniker Markus Reiter aus Salzburg. Er verbrachte im November 2019, im Zuge eines Volontariats bei Missio Österreich, viel Zeit in den entlegenen Dörfern, um Photovoltaikanlagen in Betrieb zu nehmen und zu warten.

Der beste Moment

„Zuerst war Dunkelheit und dann war Licht. Der beste Moment war immer der, wenn du das Licht angedreht hast und die Leute sich so gefreut haben“, erinnert sich Markus. Das hat ihn auch geerdet, denn: „Das Licht ist ja das erste, was man einschaltet, wenn man nach Hause kommt. Jetzt können sie das auch machen. Die Kinder können jetzt am Abend lesen oder ihre Hausaufgaben machen. Die Leute waren so dankbar, dass sie beim Abendessen einander sehen konnten statt in der Dunkelheit zu sitzen.“

Insgesamt haben Markus und ein Kollege 84 Einfamilienhäuser sowie zwei Kirchen mit Strom versorgt. Außerdem war es ihre Aufgabe, Fehler in bestehenden Anlagen zu finden, sodass diese wieder in Betrieb genommen werden konnten.

Die meisten Bewohner und Bewohnerinnen können nicht lesen und schreiben. Mit einer Bedienungsanleitung können sie nichts anfangen. Daher haben sie bei den Anlagen oft etwas verstellt. Ziel war es daher auch, die Menschen mit der Technik soweit vertraut zu machen, dass sie sie selbstständig bedienen können. Die Ausrüstung für die Arbeit war bescheiden: „Das Einzige, was wir mit dabei hatten, war ein Multimeter, damit wir wissen, ob wir Strom haben.“

„Der beste Moment war immer der, wenn du das Licht angedreht hast und die Leute sich so gefreut haben.“

Markus Reiter

Gemeinsamkeiten gefunden

Die Arbeitstage waren anstrengend, aber erfüllend, erinnert sich Markus. Geschlafen haben er und sein Kollege Walter, ebenfalls ein Volontär, in einer Hütte mit für die regionalen Gegebenheiten fast schon luxuriöser Ausstattung, denn „es gab einen Kühlschrank und einen Gasherd“.

Normalerweise nächtigt dort der hiesige Pfarrer, wenn er auf dem Weg zur Messe in die Bergdörfer eine Unterkunft braucht. Gegen 9.00 Uhr ging es dann mit dem Auto in die entlegenen Ortschaften, wo ein Haus nach dem anderem abgearbeitet wurde. „Unser Arbeitstag dauerte so lange, wie wir Licht hatten.“

Besonders spannend fand Markus, dass es doch so viele Gemeinsamkeiten zwischen den Österreichern und den Thailändern gibt, wie er sagt – obwohl tausende Kilometer dazwischenliegen. „Ich finde, der Lebensstil ist sehr ähnlich. Ich komme auch von den Bergen. Du sitzt am Abend mit deiner Familie zusammen, isst, trinkst und tratscht. Dann kommen noch Onkeln und Tanten oder andere Verwandte vorbei.“ Wobei ihm auch auffiel: „Die Menschen in Thailand sind noch bodenständiger. Man macht sich nicht über so viele Dinge Gedanken. Man ist dankbar für das, was man hat, man hofft für die Zukunft. Und man betet, dass die blöden Sachen besser werden.“

WAS ICH NIE VERGESSEN WERDE:

Durch die Reise werde ich mich immer an die Worte meines Vaters erinnern. Mein Vater sagte es oft, dass es schon fast seine Bedeutung verlor: „Ihr wisst doch gar nicht, wie es damals war, ohne elektrisches Licht aufzuwachsen!“ Durch meine Erfahrungen bei diesem Projekt kann ich nun besser verstehen, wie es für ihn war und wie es so vielen auf der Welt geht. Während der Reise fiel mir auf, was es mit den Worten Licht in der Dunkelheit auf sich hat. Und wie viel es wert ist, dann nach der Feldarbeit seinen Kindern wirklich noch in die Augen sehen zu können. Die Möglichkeit zu lernen, obwohl man als Kind nach der Schule noch am Feld arbeitet. Die Angst vor einem Brand zu verlieren, da offene Feuer nun verschwanden. Beeindruckend war, am Abend durch die Dörfer zu fahren und die vielen Lichter mit so vielen Möglichkeiten zu sehen.

Bewusste Entscheidung

Markus absolvierte das Volontariat im Rahmen von „Abenteuer Weltmission“ für Missio Österreich. Dabei können junge Menschen ab 18 Jahren mindestens vier Wochen helfen und sich aktiv an solidarischen Projekten in aller Welt beteiligen. Die Anreise und medizinische Versorgung wie Impfungen sind selber zu bezahlen. Verpflegung und Unterkunft werden zur Verfügung gestellt.

Belohnt wird man obendrein mit einzigartigen lebensprägenden Erfahrungen. Markus Reiter hat sich damals bewusst dafür entschieden, fast seinen gesamten Jahresurlaub in das Volontariat zu investieren, um „etwas Gutes zu machen“. Und es hat sich gelohnt – heute sagt der 25-jährige Salzburger: „Es ist sicher cool, in Dubai in einem 5-Sterne-Hotel zu sein, aber das beste Gefühl hat man, wenn man anderen helfen kann.“

Selfie von Markus Reiter

Markus Reiter

Der 25-jährige Salzburger wohnt in Taxbach im Pinzgau. Er ist Kommunikationstechniker für Nachrichtentechnik und errichtet Leitstellen für Rettung und Feuerwehr. Im November 2019 absolvierte er ein Volontariat in Thailand, wo er in entlegenen Bergdörfern Photovoltaikanlagen in Betrieb nahm und wartete.