Mit eigenen Augen sehen

Tansania: Der angehende Priester Dominik Johannes Wagner aus der Steiermark suchte Eindrücke und lernte „ungenierte Spiritualität“ kennen.

allewelt November/Dezember 2019

Der Tag ist eigentlich viel zu kurz für Dominik Johannes Wagner. Der Diakon und angehende Priester ist ein Mann mit Tatendrang. Projekte, Seminare, Ausbildung, Vorträge und Kontakte pflegen – sein Terminkalender ist immer voll. Doch das hält ihn nicht davon ab, vor seinem Start ins Diakonatsjahr im Pfarrverband Vordernbergertal für ein sechswöchiges Praktikum nach Tansania zu reisen.

„Die Menschen bekennen sich zu ihrem persönlichen Glauben. Bei uns ist man zurückhaltend bis peinlich berührt, wenn das Gespräch auf den Glauben kommt.”

Dominik Johannes Wagner

Suche nach Eindrücken

Das Auslandspraktikum absolviert der Steirer hauptsächlich aus beruflicher Motivation heraus: „In Hinblick auf meine Diakonweihe wollte ich Erfahrungen bei Sozialprojekten sammeln und sehen, wie die Kirche in anderen Ländern wirkt und lebt“, erzählt der 26-Jährige. Während er „allewelt“ dieses Interview gibt, befindet er sich gerade auf einer Fußwallfahrt von Bad Waltersdorf nach Maria Weinberg.

Dominiks Ziel ist es, in Tansania Eindrücke und Inspiration zu sammeln. Denn auch er möchte als Priester und Diakon sozial tätig sein und Spenden für Hilfsprojekte sammeln. Daher ist es ihm wichtig, zu sehen, ob die Hilfe in den fernen Ländern auch tatsächlich so ankommt, wie dafür hier in Österreich geworben wird. „Ich wollte ein Gespür dafür bekommen, wie das funktioniert.“

Gleich nach dem Abschluss des Studiums im Juni geht es für den Steirer in die Stadt Moshi, am Südhang des Kilimanjaro. „Die Diözese ist sehr jung, die ersten Missionare sind 1890 in diese Region gekommen. Dadurch ist dort eine andere Stimmung als bei uns. Die Kirche macht sehr viel Gutes und das wird hier anerkannt.“ Dominik wohnt in einem Pfarrhof, gemeinsam mit dem hiesigen Pfarrer, zwei Kaplänen und einem Seminaristen. Einen „typischen Alltag“ gibt es für den angehenden Geistlichen nicht: „Ich bin sehr viel herumgekommen, um mir Sozialprojekte und Schulen anzusehen oder die Seelsorge vor Ort zu erleben.“

WAS ICH NIE VERGESSEN WERDE:

Die Zeit in Tansania verbrachte ich fast nur mit Einheimischen. Verschiedene Gastgeber empfingen mich: als Mitbewohner im Pfarrhof, als Tagesgast im Waisenhaus, über das Wochenende in einer Pfarre, als Beobachter eines Agrarprojektes, bei Hausbesuchen in einer Familie, als interessierter Gesprächspartner beim Klimaspezialisten, als kritischer Projektpartner beim Schulleiter, als Zeitgenosse bei einer Party. Meist bewegte ich mich im pastoralen oder sozialen Kontext. Alles in allem überraschte mich die herzliche Selbstverständlichkeit, mit der ich aufgenommen und herumgeführt wurde. Im Blick auf die Verpflichtungen so mancher Gastgeber wurde oft klar, dass diese Gastfreundschaft alles andere als selbstverständlich ist. Es wurde mir teils so viel Aufmerksamkeit geschenkt, dass es mich beschämte. Was bleibt, ist der Vorsatz, dieser Großzügigkeit nachzueifern.

Ungenierter Glaube

Und noch eine spannende Erfahrung macht Dominik in der Ferne: Die „ungenierte Spiritualität“ gehört in Tansania zum Leben. „Die Menschen bekennen sich zu ihrem persönlichen Glauben. Bei uns ist man zurückhaltend oder gar peinlich berührt, wenn das Gespräch auf den Glauben kommt. Ich denke, da können wir wirklich etwas lernen.“

Dominik absolvierte das Volontariat im Rahmen des Programms „Abenteuer Weltmission“ von Missio Österreich. Dabei können junge Menschen ab 18 Jahren mindestens vier Wochen helfen und sich aktiv an solidarischen Projekten in aller Welt beteiligen. Die Anreise und medizinische Versorgung wie Impfungen sind selber zu bezahlen. Verpflegung und Unterkunft werden zur Verfügung gestellt.

Der Steirer bereut jedenfalls keine Sekunde, nach Tansania gefahren zu sein. Nicht nur wegen der wertvollen Erfahrungen wird ihn der Aufenthalt noch lange begleiten: „Ich habe einige Projekte aus Tansania mitgenommen.“ So sammelt er Spenden für zwei geplante Schulen in der Region und hält zu diesem Zweck Vorträge. Zudem bemüht er sich um Kooperationen für ein Agrarcollege.

Dominik Johannes Wagner

Der 26-jährige Steirer gehört seit 2015 zum Grazer Priesterseminar. Sein Theologiestudium absolvierte er größtenteils an der Hochschule Heiligenkreuz. Nach seinem Abschluss im Juni reiste er nach Tansania, um zu lernen, wie Hilfsprojekte funktionieren und umgesetzt werden. Seit einigen Wochen wohnt der junge Mann in Trofaiach, wo er im Pfarrverband Vordernbergertal als Pastoralpraktikant lebt und wirkt. Seine Diakonweihe findet am 15. Dezember statt.