Starke Frauen stärken Frauen

Sie stehen für sich selbst ein und geben nie auf: Alexandrine aus Burundi und Brigitte aus Österreich wissen, dass sie auf ihrem Lebensweg nicht alleine sind und machen so auch anderen Frauen Mut.

von Lena Hallwirth

allewelt September/Oktober 2019

Auf eigenen Beinen – mit Gott an der Seite

Alexandrine-Rachelle Nininahazwe

SCHNEIDERMEISTERIN

Wohnort: Ruyigi, Burundi

Alter: 49

Alexandrine-Rachelle Nininahazwe

Es war ein langer, anstrengender Tag – aber immerhin, das Geschäft läuft ausgezeichnet. Zahlreiche Kundinnen und Kunden haben neue Sonntagskleider, Anzüge, Hosen und Hemden in Auftrag gegeben. Alexandrine-Rachelle Nininahazwe wirkt gelassen. Die Schneiderin ist nicht leicht aus der Ruhe zu bringen. Seit neun Jahren ist sie alleine für ihre Kinder und das Schneidereigeschäft verantwortlich, das sie sich aufgebaut hat. Damals hat sich Alexandrine nach 17 Ehejahren von ihrem zweiten Mann getrennt. „Als wir einander kennengelernt haben, war er ein junger Lehrer und hat nicht viel verdient. Also habe ich unsere wachsende Familie versorgt“, erzählt Alexandrine mit ruhiger, klarer Stimme. Mit ihrer Nähmaschine – ein letztes Geschenk ihres viel zu früh verstorbenen ersten Ehemannes – hatte sich die junge Witwe bereits einen Namen gemacht. Ihr Erfolgsgeheimnis: mit harter Arbeit und Ehrlichkeit das Vertrauen der Kundschaft gewinnen. Vor großen Festen, wenn sich alle in den schönsten Kleidern zeigen wollen, arbeitet sie Tag und Nacht, um alle Aufträge rechtzeitig und zur Zufriedenheit ihrer Kundinnen zu erledigen. Ein Blick genügt und sie weiß die Maße einer Person, dafür ist sie bekannt.

Als ihre kleine Mietswohnung zu eng wurde, baute die Familie ein neues Haus. Das Geld dafür hatte sich Alexandrine über Jahre vom Mund abgespart. „Mit der Zeit hat sich mein Mann gar nicht mehr um uns gekümmert. Für mich war es ein täglicher Kampf, meine Kinder zu versorgen und ihnen eine gute Schulbildung zu ermöglichen“, sagt die sechsfache Mutter. Kurz nach der Geburt ihrer jüngsten Tochter wollte ihr Ehemann eine weitere Frau heiraten. Sie ließ ihn gehen. Alleine sei sie ohnehin schon lange gewesen – „ohne ihn bin ich freier.“

Heute gäbe es nur noch Gott an ihrer Seite. „Ich bin mir sicher, dass er immer bei mir war, bei allem was ich getan habe. Ihm vertraue ich“, sagt sie bestimmt. Ihre Geschichte ist kein Einzelfall, weiß Alexandrine, umso wichtiger sei es, dass Frauen finanziell unabhängig sind. In ihrer Werkstatt bildet sie deshalb alleinerziehende Frauen, deren Ehemänner sie im Stich gelassen haben, zu Schneiderinnen aus. Ihrer eigenen Tochter, die in Kürze heiraten wird, wünscht Alexandrine, dass sie nie auf fremde Hilfe angewiesen ist.

Alles geben, alles erwarten

Brigitte Maria Gruber

AKADEMIELEITERIN

Wohnort: Mondsee, Österreich

Alter: 58

Wenn Brigitte Maria Gruber eine Kirche betritt, dann bekommt sie manchmal dieses Gefühl, als hätte sie einmal hier gelebt. Das Bild einer Äbtissin – streng, fordernd und liebend – taucht in ihr auf. Würde sie tatsächlich einem Kloster vorstehen, dann wohl einem, in dem nach den Regeln des Heiligen Benedikt gelebt würde. Hoch über dem tiefen Blau des Mondsees, wo einst eines der ältesten Benediktinerklöster Europas war, gibt sie die Regeln des Heiligen heute noch weiter. „Führungskräfte brauchen Wegweiser, denn wenn sie sich nur daran orientieren, was die Aktionäre wollen, dann geht die Menschenwürde verloren“, ist die Oberösterreicherin überzeugt. Doch nicht nur Managerinnen lernen bei ihr, gelebte Spiritualität mit ihrem Arbeitsalltag zu verbinden. Sie möchte allen Frauen Mut machen. „Wir sind so sehr darauf fokussiert zu hinterfragen, ob wir etwas können, ob wir uns trauen sollen oder was die anderen sagen werden. Ich sag immer: Macht’s es einfach!“ Wer dabei Schiffbruch erleidet, der weiß zumindest, wie es nicht geht und kann einen neuen Weg suchen.

Sie selbst hat den Neuanfang mehrmals gewagt, wenn eine Aufgabe sie nicht mehr ganz erfüllt hat. Im Vertrauen auf Gott hat die frühere Hotelmanagerin und studierte Marketing- und Kommunikationsexpertin im Jahr 2005 die „Frauen:Fachakademie Schloss Mondsee“ gegründet. Die ersten Jahre waren hart. Der Glaube daran, dass hier etwas Gutes entsteht, habe sie getragen. „Ich hatte so ein Feuer und eine Zuversicht in mir, dass es funktionieren würde“, sagt Brigitte. Ihre Ansprüche an das Leben, sich selbst und andere Frauen sind hoch, besonders in einem privilegierten Land wie Österreich. „Da nehme ich schon wahr, dass Frauen manchmal auf der Komfortcouch sitzen und sich sagen, dass es ganz gut gehe, wenn der Mann das Geld verdient und sie bei den Kindern zu Hause bleiben. Aber was tust du, sollte die Ehe nicht halten, wenn nicht für dich vorgesorgt wurde?“, warnt sie vor Altersarmut, die Frauen deutlich häufiger betrifft. Gut vernetzt zu sein, hilft beruflich ich wie privat. Einmal im Jahr pilgern deshalb Absolventinnen der Akademie gemeinsam nach St. Wolfgang – für Brigitte eine gute Gelegenheit, Gott in der Natur und in der Begegnung mit anderen zu spüren.

Brigitte Maria Gruber