Ein Botschafter der Zuversicht

Altpfarrer Franz Lang von der Pfarre Asten St. Jakob ist mit seinen 99 Jahren der älteste Pfarrer Oberösterreichs. Gottvertrauen hat ihn durch die schwierigen Momente seines Lebens getragen. In seinem Wirken hat er die Weltkirche immer fest im Blick.

allewelt Mai/Juni 2021

Wenn man eines von Altpfarrer Franz Lang lernen kann, dann ist es Lebensfreude – und die Erfahrung, dass man mit Gottvertrauen selbst in den schwierigsten Momenten und Situationen getragen wird. Und davon gab es im Leben von Lang sehr viele: Mit seinen 99 Jahren ist der Augustiner-Chorherr der älteste Priester Oberösterreichs. Als junger Soldat hatte im Zweiten Weltkrieg eine Pistolenkugel seinen Kopf durchschlagen und ihm beim Austreten aus dem Schädel ein Ohr abgetrennt. Während ihn seine Kameraden tot geglaubt liegen ließen und in seinem Heimatort bereits ein Grabstein für ihn errichtet wurde, überlebte er schreckliche Jahre in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Als er nach Hause zurückkehrte, war das für die Menschen ein Wunder.

Ebenso das, was 2014 passiert ist. Damals wurde Lang am Zebrastreifen von einem Auto angefahren und er ist mit dem Hinterkopf schwer auf dem Boden aufgeschlagen. Für die Herbeieilenden sah es nach einem tödlichen Unfall aus: „Doch als ich ihm am Boden liegend das Sakrament der Krankensalbung spenden wollte, schlug er plötzlich die Augen auf und sagte zu mir, dass das nicht nötig sei, weil es der liebe Gott schon richten würde“, erzählt Franz Spaller, der Lang in der Pfarre Asten St. Jakob als Pfarrer nachgefolgt ist und mit ihm viel Zeit verbringt. Vier Tage später, am Christtag, feierte Lang damals übrigens mit einem dicken Kopfverband mit den Gläubigen bereits wieder die Messe.

Porträt von Franz Lang

„Meine wichtigsten Beschäftigungen sind nach wie vor Gebet, Lesen der Heiligen Schrift und die tägliche Messe.“

Pfarrer Franz Lang

Unbändiger Lebenswille

Wenn man Lang persönlich auf diesen unbändigen Überlebenswillen anspricht, dann antwortet er: „Letztlich ist das Grundvertrauen auf die Liebe Gottes und das christliche Gebetsleben, das durch alle Probleme hilft. Und damals im Krieg und in der schwierigen Gefangenschaft war es ein Rosenkranz, den ich dabei hatte und mit dem ich gebetet habe. Das hat mich durchgetragen.“

Heute, mit 99 Jahren, ist der Geist von Pfarrer Lang immer noch hellwach und seine Lebensfreude ungebrochen: „Meine wichtigsten Beschäftigungen sind nach wie vor das Gebet, Lesen der Heiligen Schrift und die tägliche Messe. Die Hoffnung auf gute Familien, in denen Kinder geborgen aufwachsen können, ist mir ein großes Gebetsanliegen. Und natürlich auch briefliche und telefonische Kontakte mit älteren und kranken Pfarrbewohnern.“

„Weltkirchlich gesehen gibt es viele Hoffnungen, vor allem in Afrika und Asien. Der selbstlose Einsatz für die Armen und ein vorbildliches gläubiges Leben wird die Menschen immer überzeugen und nachfragen lassen“, weitet Lang den Blick über Österreich hinaus. Ihm ist die Weltkirche Zeit seines Lebens ein Anliegen, das er durch Privatspenden und Sammlungen tatkräftig unterstützt. Auch hat er als großer Freund des Magazins „allewelt“ diese in seiner Pfarre stark vertrieben und verbreitet. Ebenso prägte ihn die Freundschaft zu einem nigerianischen Priester, der jährlich zu Besuch nach Asten kam. Dadurch wurde Langs Blick geschärft und er sagt mit Überzeugung, dass „die Kirche definitiv nicht vor den Türen der eigenen Pfarre oder in Oberösterreich endet.“

„Die Hoffnung auf gute Familien, in denen Kinder geborgen aufwachsen können, ist mir ein großes Gebetsanliegen.“

Pfarrer Franz Lang

Auf Gott ist Verlass

Als Lebenswerk von Franz Lang bezeichnen die Menschen in seinem Umfeld das Pfarrzentrum in Asten. Dieses wurde zwischen 1981 bis 1982 auf Anordnung des damaligen Diözesanbischofs errichtet. Dort, im Neubaugebiet am südöstlichen Rand von Linz, entwickelte sich unter seiner Begleitung ein florierendes geistiges Leben. Zahlreiche Initiativen, Alphakurse und missionarische Aktivitäten wirken weit in das Land hinaus und auch viele junge Menschen beteiligen sich aktiv: „Nicht immer bleibt uns im Leben das Kreuz erspart, aber auf Gott ist Verlass!“, sagt Lang voller Überzeugung: „Wichtig ist auch ein gesunder Hausverstand, der nicht auf jede neue Ideologie hineinfällt, sondern alles prüft und das Gute bewahrt.“

Drei Fragen:

1 | Was half Ihnen im Leben dabei, positiv zu bleiben?

Bei mir war es im Krieg der Rosenkranz, auch in der schwierigen Gefangenschaft. Das hat mich durchgetragen. Und gute Menschen, die einem Halt geben.

2 | Wie würde die Kirche in einer perfekten Welt aussehen?

Eine perfekte Welt wird es nach dem Evangelium (vgl. Apokalypse) nie geben. „Arme habt ihr immer unter Euch“, sagt Jesus. Erst durch die Wiederkunft Christi in Herrlichkeit wird die Welt wieder in ein Paradies verwandelt.

3 | Was kann man also tun?

Der selbstlose Einsatz für die Armen und ein vorbildliches gläubiges Leben wird immer die Menschen überzeugen und nachfragen lassen. Den guten Samen auszusäen ist unsere Aufgabe, Gott aber gibt das Wachstum.

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