Ein Leben für die Musik und den Glauben

Paul Badura-Skoda: Die Musik hatte ihn am Leben gehalten, trotz seiner schweren Erkrankung. Bis ins hohe Alter von 91 Jahren spielte der „Grandseigneur der Musik“ immer noch mit Leidenschaft Klavier. Am 25. September 2019 ist Paul Badura-Skoda gestorben. Kurz vor seinem Tod hat er „allewelt“ ein Interview gegeben – über die Musik, die für den österreichischen Pianisten das Streben nach Erkenntnis, die Suche nach der Schönheit und nach der Gotteserkenntnis widerspiegelte.

allewelt November/Dezember 2019

Porträt von einem alten Mann

„Eines meiner Leitmotive des Lebens ist: ‚Herr, ich glaube. Hilf meinem Unglauben!‘ (Mk 9, 22–28) Das ist für mich eine der tiefsten Stellen im Markusevangelium.“

„Die christliche Botschaft ist eine Provokation. Wer sagt: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der wird gerettet“, muss ein Verrückter sein. Aber ein Kind hat zu mir einmal gesagt: „Es ist doch ganz einfach: Wenn wir ein Stück Brot essen, dann wird es doch auch ein Teil unseres Körpers.“ Kinder verstehen solche Mysterien immer besser als wir Erwachsene.“

„Markus schildert die lebendigste und knappste Fassung der Passionsgeschichte. Sie liest sich wie ein Krimi und hat mich gerade zu Ostern wieder tief erschüttert. Jedes Mal entdecke ich etwas Neues in der Bibel. Alles, was ich erfahre, muss ich täglich neu einüben.“

PAUL BADURA-SKODA

wurde 1927 in Wien geboren, wo er auch seine Ausbildung zum Konzert-Pianisten erhielt. 1949 gab er bereits Konzerte in Wien unter den Dirigenten Karajan und Furtwängler. 1950 spielte er zum ersten Mal bei den Salzburger Festspielen und wurde sofort zum internationalen Star. Bis zu seinem Tod am 25. September 2019 führte ihn seine Karriere zu den berühmtesten Konzertsälen der Welt bis in die Sowjetunion, nach China und nach Tokio. Zu seinem 91. Geburtstag gab er noch im ausverkauften Wiener Musikverein einen viel umjubelten Solo-Klavierabend. Für seine Verdienste um Österreich hatte Badura-Skoda unter anderem das Große Silberne Ehrenzeichen der Republik erhalten.

„Es ist auch für den gläubigen Menschen alles andere als leicht, zu glauben. Da gibt es so viele Probleme. Aber immer wieder kommen wir zurück zu dem, was wir in den Evangelien finden und was uns die Kirche lehrt.“

„In einem Vortrag schlug ich eine Brücke zwischen Mozart und Mutter Teresa. Es ist die Liebe, die beide verbindet. Wie bei Mutter Teresa so ist auch die Musik von Mozart reine Liebe. Das ist der Grund, warum gerade Mozart so stark zu unseren Herzen spricht.“

„Die Bedeutung von Franz von Assisi, einem meiner Lieblingsheiligen, kann man rational gar nicht wirklich erklären. Er hat als Armer das Haus der Kirche wirklich radikal erneuert.“

„Auch bei der Liebe genügt es nicht zu sagen: Ich liebe diesen Menschen. Nein. Ich muss die Liebe jeden Tag erneuern. So ist es auch mit dem Glauben.“

Mann mit Auszeichnung