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Sr Elisabeth Schwarzl

Schwester Elisabeth Schwarzl – Mission als Heilung

Schwester Elisabeth wurde am 21. Jänner 1953 in Lichtenegg, Gemeinde Krumegg, Graz-Umgebung, geboren. Sie wuchs mit drei Brüdern in einer Arbeiterfamilie auf. Die Eltern bewirtschafteten auch eine kleine Landwirtschaft. Als Kind arbeitete sie am Bauernhof der Familie mit, bis sie am 5. Juli 1971 in die Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul in Graz eintrat. Am 15.8.1976 legte sie ihre Gelübde ab. Schon damals war es ihr Traum, in die Mission zu gehen und sich um die Menschen, besonders die Frauen, zu kümmern.

Nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester und zur Hebamme sowie einer Zusatzausbildung in Tropenmedizin, arbeitete sie zuerst in verschiedenen Krankenhäusern in Österreich (Landeskrankenhaus Graz, St. Pölten und Oberwart), bevor sich ihr Wunsch, in die Mission zu gehen, im Jahr 1979 endlich erfüllte. Fast 30 Jahre lang war Sr. Elisabeth Schwarzl mit großem Engagement in Madagaskar tätig: In der Leprastation d`Ampasy bei Fort-Dauphin, im Militärspital in Antananarivo, in der Leprastation Ambatoabo in Farafangana, in d`Ampasy (Besuche in den Dörfern für Katechismus-Unterricht und Gesundheitsvorsorge), in der Gesundheitsstation in Ranotsara-Nord bei Ihosy, in Jangany (Aufbau eines Gesundheitszentrums). Ihr Engagement in der Leprahilfe war international beachtet. Durch die Errichtung einer Leprastation und die Aufklärung rund um diese Krankheit wagen sich viele Patienten schon im Anfangsstadium zur Gesundheitsstation. Daher konnte ihnen auch geholfen werden.

Eine kleine Missionsstation im Dorf Ranotsara

Im Süden Madagaskars, im Gebiet des halbnomadischen Hirtenvolks der Bara, wurde von den Barmherzigen Schwestern im Dorf Ranotsara eine kleine Missionsstation, bestehend aus einer Gesundheitsstation, einem Kindergarten und einer Schule, errichtet. Schwester Elisabeth arbeitete in der Gesundheitsstation. Für viele ist sie die einzige Alternative zu den traditionellen Heilerinnen oder den unerschwinglichen Ärzten. Bei Schwester Schwarzl wussten die Patienten stets, dass nicht die Bezahlung im Vordergrund steht.

Mission ist für Schwester Schwarzl geprägt von der Sorge um die Kranken: Sie ist Ort der Heilung.

„Ich kann nicht auf einen Menschen einreden, sondern in einer Begegnung mit Menschen muss ich zuerst auf ihn hören und schauen und sehen, wo hat er Wunden, wo geht es ihm schlecht. Dort braucht er zuerst Hilfe und das ist immer im Bereich Gesundheit oder Krankheit und im Nichtwissen. Deshalb ist Gesundheitsvorsorge und Gesundheitssorge, also Krankendienst, sowie auch Schule wesentlich und vielleicht die ersten Schritte in der Mission.“

Sie betonte immer wieder, dass wir, wenn wir den Menschen den barmherzigen und liebenden Gott nahe bringen wollen, erst ihre grundlegenden Bedürfnisse, wie etwa die nach Nahrung und Gesundheit, decken müssen. „Erst wenn die Lebensgrundlage eines Menschen geschaffen ist, ist er offen für Gott und wenn wir den Menschen helfen, erkennen sie in uns die Sendung Gottes.“ Es war Schwester Schwarzls feste Überzeugung, dass Evangelisierung in der Verkündigung durch das eigene Leben, durch das eigne Lebenszeugnis, geschieht:

„Ich brauche nicht zu reden, sondern viel wichtiger ist, das, was ich lebe und wie ich es lebe. Das ist genau das, was Jesus getan hat – er hat geheilt. Sie haben Kranke und Blinde zu ihm gebracht und er hat sie geheilt. Was war die Reaktion dieser Menschen? Sie sind ihm nachgegangen. So ähnlich passiert das auch in der Mission. Dort, wo Menschen diese Hilfe erfahren, dort kommen sie zu uns und wollen mit uns gehen. Solange es keine medizinische Versorgung gibt, bleibt die Verkündigung irgendwo in der Luft hängen.“

Die drei Personen im Stamm der Bara

Schwester Schwarzl verdeutlicht dies anhand der Schöpfungsgeschichte des Stammes der Bara in Madagaskar. Im Glauben der Bara gibt es einen Schöpfer, welcher die Menschen geschaffen hat und auch die Gesellschaft grundgelegt hat. Es gibt außerdem drei sehr wichtige Personen. Die erste Person ist der Priester, der durch Opfer die Menschen mit Gott versöhnt. Die zweite Person ist der Medizinmann. Dieser ist vom Schöpfer gesandt und dazu bestimmt, für die Menschen zu sorgen. Also genau das, was die Schwestern für die Armen vor Ort tun. Die dritte Person ist der Totengräber. Er ist dafür zuständig, die Toten ordnungsgemäß zu bestatten, damit diese auf die „andere Seite“ gelangen können. Die Bara sehen also in den Schwestern das, was das Amt des Medizinmannes ausmacht. So wird auch verständlich, warum die Menschen die Schwestern als Gesandte des Schöpfers begreifen können.

Auch Bildung der Menschen vor Ort war für Schwester Schwarzl unabdingbar, denn ohne Bildung gibt es keine gelingende Mission. Ihre ganzheitliche Sicht von Mission verdeutlicht sie auch an folgendem Beispiel: In den 1970er Jahren beschloss der damalige Präsident Madagaskars, die Schulbildung zu verstaatlichen und alle kirchlichen Schulen schließen zu lassen. Der Staat sollte das Soziale übernehmen und die Kirche solle sich rein auf die Verkündigung des Evangeliums konzentrieren.  Das Ergebnis war: die staatlichen Schulen bestanden nur ein paar Jahre und auch die Kirchen wurden immer leerer. Als die Schwestern gut 20 Jahre später im Dorf Ranotsara ankamen und die Situation bemerkten, beschlossen sie, wieder eine Schule und eine Krankenstation zu bauen. Auf einmal war die Kirche wieder voll und die Gemeinden wuchsen stetig an.

„Dort, wo die Grundbedürfnisse des Menschen befriedigt sind, kann er sich auch entfalten und dort hat er Sehnsucht nach mehr.“

Die Kleinsten werden zu Lehrern

Das Wissen, welches sich die Kinder in der Schule von Ranotsara aneignen, tragen sie in ihre Dörfer. So können die Kleinsten zu den Lehrern der Großen werden. Oft übernehmen sie so auch in der Dorfgemeinschaft wesentliche Aufgaben: sie können als einzige  öffentliche Verlautbarungen lesen, Dinge prüfen und richtig stellen und das ganze Dorf beispielsweise vor korrupten Polizisten schützen, die oft fingierte Abgaben einheben. Darüber hinaus wurden die Gottesdienste in der Missionsstation ausschließlich von Kindern vorbereitet. Die Kinder wollten auch, dass ihre Eltern in die Kirche mitkommen und mit ihnen zu Hause beten. So wurden sie zu Missionaren ihrer Eltern.

Aber nicht nur die Schule für die Kinder, sondern auch Erwachsenenbildung war für Sr. Schwarzl ganz wichtig. So wurden neben Elternversammlungen an der Schule, bei denen auch für die Eltern Fortbildungen angeboten werden, Mütterberatungen organisiert. Sr. Schwarzl besorgte Soja vom Hochland. Dies wurde von Müttern geröstet und in Getreidemühlen gemahlen. Soja dient als Eiweißersatz, da die Mütter oft nichts für ihre Kleinkinder haben. So wurde auch Reis zu Babybrei verarbeitet. Beim Kampf gegen Malaria besorgte sie Moskitonetze im Großhandel. Diese konnten so bei den Mütterberatungen weiterverkauft bzw. weiterverschenkt werden. Zuerst musste den Frauen jedoch die  Wichtigkeit solcher Netze bewusst gemacht werden. Ebenso wurde das Wasser aufbereitet, bzw. den Einwohner die Wichtigkeit des Abkochens erklärt werden. So konnte die Durchfallquote in der Regenzeit auf Null herabgesenkt werden.

Eigene Weiterbildung wichtig

Obwohl verschiedene Tropenerkrankungen an der Gesundheit von Sr. Elisabeth zehrten, und ihr Wirken unterbrachen, schonte sie sich nicht. Für die Bewältigung der verschiedenen Aufgaben war ihr die eigene Weiterbildung sehr wichtig. Sie versuchte, dieses Wissen auch an die einheimischen Schwestern weiterzugeben. Während ihrer Heimatbesuche knüpfte und pflegte sie viele Kontakte und erhielt dadurch vielfältige finanzielle Unterstützung für die Missionsarbeit in Madagaskar.

Für ihre Tätigkeit wurde Schwester Elisabeth Schwarzl 2005 mit dem Menschenrechtspreis des Landes Steiermark ausgezeichnet.

Mit den Päpstlichen Missionswerken in Österreich war Schwester Elisabeth Schwarzl über lange Jahre verbunden. Im Jahr 2006 war Madagaskar sogar das Missio-Beispielland und Schwester Schwarzl war, auf Einladung von Missio, rund um den Weltmissionssonntag in Schulen, Pfarren und bei diversen Veranstaltungen mit dabei.

Da sich ihr Gesundheitszustand verschlechterte, kehrte sie im März 2009 schweren Herzens endgültig in ihre Heimatprovinz nach Graz zurück. Nach einer längeren Erholungszeit arbeitete sie im Pflegetrakt der Schwestern und übernahm auch dessen Leitung, solange es ihre Kräfte erlaubten.  Schwester Elisabeth starb am 31. Jänner 2012 im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Graz im Alter von 60 Jahren, im 41. des heiligen Berufes.

Quellen:

Missio-Archiv: Interview von Missio-Diözesandirektor Wolfgang Schwarz mit Sr. Elisabeth Schwarzl, 2008.
Kinder sind der Motor“: Eva Seifried, Werkmappe Weltkirche 140/2006.

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