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Luis Gutheinz SJ

Pater Luis Gutheinz SJ – Zu Hause in Tirol und in Taipeh

Luis Gutheinz SJ wurde am 12.November 1933 in Tannheim, dem Hauptort des gleichnamigen Tals, im Bundesland Tirol geboren. Schon als kleiner Bub ist er begeistert von den Missionszeitschriften seiner Mutter. Er wächst während des zweiten Weltkrieges auf. Aufgrund der unsicheren Zeiten während des NS-Regimes ist es nicht sicher, wann Bischof Rusch wieder kommen kann. Deshalb wird Luis Gutheinz kurz nach seiner Erstkommunion mit sechs Jahren schon gefirmt.

„Luis, du kannst das!“

„Luis, du kannst das!“  ist der prägendste Satz für sein ganzes Leben. Kurz nach dem Krieg war er mit seinem Vater unterwegs nach Bayern, um Lebensmittel zu kaufen. Sie kamen mit ihrem Pferdewagen an eine enge Bergstraße, die sie hinauf mussten. Der kleine Luis hätte nie gewagt, seinen Vater zu fragen, ob er den Wagen fahren dürfe. Doch sein Vater gab dem Jungen die Zügel und sagte: „Luis, ich gehe jetzt zu Fuß die Abkürzung hinauf und auf der ‚Kanzel‘ oben warte ich auf Dich, du kannst das!“ Diese Grunderfahrung des Vertrauens begleitete Pater Gutheinz von da an sein Leben lang und der Satz „Luis, du kannst das“ dringt an wichtigen Momenten immer wieder an sein inneres Ohr.

Einige Wochen nach diesem Erlebnis kam die nächste lebensverändernde Begegnung. Während der Arbeit kommt der Ortspfarrer vorbei und stellt Vater Gutheinz eine Frage, die das Leben der Familie verändern wird: „Herr Gutheinz, haben Sie daran gedacht, den Luis zum Studieren zu schicken? Das Bischöfliche Gymnasium Paulinum in Schwarz, Tirol, öffnet wieder seine Tore nach sechs Jahren des Weltkriegs.“ Der Vater stammelt nur: „Ja, meinen Sie? Meinen Sie?“ Die Eltern überlassen ihrem Sohn die Entscheidung, ob er das Paulinum besuchen möchte oder nicht. Am nächsten Morgen soll er sagen, wofür er sich entschieden hat. Gleich als er auf der Wiese ankommt, fragt ihn seine Mutter: „Na und, wie steht’s? – „Mama, ich probiere es, wenn es nicht klappt, darf ich wieder zurückkommen?“  – „Na sicherlich, Luis!“ –  „Mama, dann gehe ich zum Studieren!“

Das Leben im Paulinum

Es folgen acht Jahre der Ausbildung im Paulinum in Schwarz. Am Anfang sieht sich der junge Luis einer ganz neuen Umgebung gegenüber, doch durch die Freundschaften wird es eine für ihn sehr schöne Zeit. Das Leben im Paulinum ist auch durch eine lebendige religiöse Atmosphäre geprägt. Einmal im  Jahr gibt es dreitägige Exerzitien, meist von Jesuiten gehalten, und jeden Morgen wird die Heilige Messe gefeiert. Immer mehr wächst in den ersten Jahren seine Berufung zum Priestertum, doch besonders im dritten Jahr der Oberstufe kämpft er sehr damit. Zwei Monate lang schleicht er sich um Mitternacht in die Kapelle, um zu beten. Zu seinen Berufswünschen zählt auch, zu den Wiener Philharmonikern zu gehen und Waldhorn zu spielen, oder Chirurg zu werden. Außerdem gibt es ein junges Mädchen, Zita, in das er verliebt ist. Doch es kommt anders.  Nach zwei Monaten sagt er ein klares Ja zum Priestertum. Doch das sollte nicht seine letzte Berufung sein. Ein Jahr später, am Missionssonntag 1952, betet er mit seinen Mitbrüdern in der Kapelle. Als der Vorbeter für die verfolgte Kirche in China betet, erlebt Luis Gutheinz erneut den Ruf Gottes: „Luis, du gehst nach China!“

Eintritt in den Jesuitenorden

Nach der Matura tritt Luis Gutheinz in den Jesuitenorden ein. Es folgen zwei Jahre der Vertiefung der Gottesbeziehung im Noviziat in St.Andrä im Lavanttal. Schon in seinem Bewerbungsbrief an den Pater General schreibt er, dass er nach China möchte. Nach dem Noviziat folgen drei Jahre Philosophiestudium im Berchmanskolleg in Pullach bei München. Hier lernt er die westliche Kultur- und Religionswelt aus dem Blickwinkel der Philosophie kennen.

Bevor es jedoch ins lang ersehnte China geht, arbeitet Luis Gutheinz drei Jahre als Präfekt am Jesuitenkolleg „Aloisianum“ in Linz. Er ist dort Musiklehrer und sammelt erste pastorale Erfahrungen. Am 28. Juli 1981, kurz nach seinen Exerzitien bei Karl Rahner, ereilt ihn die Nachricht, dass seine Mutter gestorben ist.  Das erschüttert ihn zutiefst. Seine Mutter wird für ihn zu einer „Missionspatronin“. Am 10. August desselben Jahres tritt der achtundzwanzigjährige Luis Gutheinz die fünfwöchige Schifffahrt nach Taiwan an. Am 23. September 1961 kommt er in Keelung an. Überwältigt von der ganz anderen Kultur und der anderen Sprache begibt er sich zwei Tage später nach Xinzhu zur Sprachschule um Mandarin zu lernen.  Jeder neue Schüler bekommt hier einen neuen Namen. Luis Gutheinz‘ Name lautet Gu(das Tal, Thalheim, Nachname Gutheinz)Han(Winter, Zeit des Schifahrens) Song(die Tanne, Tannheim) – Die Wintertanne im Wald: Gu Han Song.

Leben in Taiwan

In den ersten Jahren in Taiwan spürt Luis Gutheinz, wie wichtig Inkulturation ist und begreift, dass es in der chinesischen Kultur- und Religionswelt vor allem auf die Praxis, weniger auf die Theorie ankommt.

1963 beginnt er sein Theologiestudium in Baguio auf den Philipinen. Die ersten beiden Jahre seines Studiums sind geprägt von den Veränderungen, die das zweite vatikanische Konzil mit sich bringt. Im dritten Jahr seiner theologischen Studien bereitet er sich intensiv auf die Priesterweihe vor. In Xinzhu, Taiwan wird er am 1.Mai 1966 zum Priester geweiht. Nach seinem letzten Studienjahr absolviert er sein Tertiat und nimmt an 30-tägigen Exerzitien in Manila teil. Dort erlebt er eine tiefe Erfahrung des Heiligen Geistes, den er in einer inkulturierten Weise als „Qi“ beschreibt.

1968 beschließt die taiwanesische Bischofskonferenz, dass die Theologischen Vorlesungen fortan auf Mandarin gehalten werden sollen. Im Zuge dessen wird auch P.Gutheinz beauftragt, an der Fu-Jen Theologischen Fakultät in Taipeh zu unterrichten. Kurze Zeit später geht er nach Rom und studiert dort am Päpstlichen Bibelinstitut und macht danach sein Doktorat an der Päpstlichen Universität Gregoriana. Wie lässt sich die Theorie des christlichen Glaubens mit dem praktischen christlichen Leben verbinden? Das Thema seiner Doktorarbeit „Die Funktion der Praxis in der Methode der Systematischen Theologie“ sollte zum Thema seines Lebens werden.  Er versucht, in seinen Vorlesungen die Begriffe der westlichen Theologie mit Bildern der östlichen Geisteswelt zu erklären und findet damit großen Anklang bei seinen Studenten.

Die Frage nach der Heimat

Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2005 lehrt Pater Gutheinz Systematische Theologie an der Fu Jen-Universität und leitet viele Jahre die Graduate School of Theology. In diesen Jahren beschäftigt ihn immer mehr die Frage nach der wahren Heimat. Ist es Österreich oder China/Taiwan- Ost oder West? Doch es dauert noch einige Jahre, bis er eine Antwort auf diese Frage findet.

In diese Zeit fällt auch seine – wie er sagt – dritte Berufung. 1975 nimmt er an einer Eucharistiefeier im Leprosarium „Lesheng“ (Frohes Leben) Teil. Als er zum ersten Mal die von Lepra und Geisteskrankheit gezeichneten Menschen sieht, durchfährt ihn ein innerliches Beben. Er erfindet eine Ausrede, um sich zu entschuldigen, und geht auf schnellstem Weg in die Kapelle, wo er eine halbe Stunde weint. In dieser Situation hört er wieder die Stimme Gottes in sich: „Luis, tue für die Leprakranken, was du tun kannst, für den Rest sorge ich, denn ich bin der Herr!“ Von da an organisiert er Feste für die Kranken und nimmt an öffentlichen Diskussionen teil, um die Lebensqualität der Leprakranken zu verbessern und die Leprahilfe auf das Festland China auszuweiten.

1985 erfährt er die Antwort auf die Frage nach seiner wahren Heimat, die ihn so lange beschäftigt hat. Nach einer anstrengenden Zeit beschließt er, Exerzitien auf Bali zu machen. An einem Nachmittag unternimmt er in den Hügeln einen Spaziergang. An einer Kurve erkennt er in einem Bild der Natur, dass für ihn die östliche und westliche Welt zusammenfließen wie zwei Flüsse, die in einer Heimat, im dreifaltigen Gott münden. Beide Welten behalten dabei ihr je eigenes Antlitz. So hat er das genau gleiche Heimatgefühl, egal ob er in Europa oder in Asien ist. Es ist die eine Heimat mitzweifachem Antlitz. Genau diese Erfahrung half ihm auch im theologischen Unterricht – in aller Bescheidenheit und im Bewusstsein der Analogie – das Geheimnis Jesu Christi etwas deutlicher und existentieller zu erklären: Im einen Jesus Christus sind zwei Naturen, die göttliche und die menschliche, „unvermischt, unverändert, ungetrennt und unzertrennbar“ vereint.

Brückenbauer zwischen dem christlichen Glauben und der chinesischen Kultur

Pater Gutheinz‘ Aufgabe als Brückenbauer zwischen dem christlichen Glauben und der chinesischen Kultur kommt in zahlreichen wissenschaftlichen Werken zum Ausdruck. Seit Ende der 1970er-Jahre versammeln sich einige Professoren, Priester und Laien, zum sogenannten Dan-shui-Kreis, in dem an jedem ersten Sonntag im Monat in freundschaftlicher Stimmung harte Denkarbeit geleistet wird. Viele Gedanken des Dan-shui-Kreises fließen in die Publikation der Trilogie „Himmel, Erde, Mensch“ (Tian, Di, Ren) ein. Über die Jahre wurden eine Reihe von Standardwerken in chinesischer Sprache veröffentlicht: die Synopse der ersten drei Evangelien mit Beifügung der Johannes-Parallelen, das „Vocabulaire de Théologie Biblique“, das „Theological Dictionary“, das „Lexicon of Terms and Persons“, das Denzinger-Hünermann-Enchiridion. Die Publikation einer katholischen Bibel-Enzyklopädie in einem Band ist in Vorbereitung.

Von den insgesamt 42 Missionaren aus der österreichischen Jesuitenprovinz seit der Ankunft von P. Alois Schwarz SJ am 9. September 1904 in Xianxian, Nordchina, ist P. Gutheinz als Nummer 42 der letzte noch lebende Chinamissionar Österreichs.

Quellen:

www.stimmen-der-zeit.de

https://vimeo.com/98475869

Linktipps:

www.jesuitenmission.at

jesuiten.at/project/gutheinz

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