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Die große kleine  Heilige – Thérèse  von Lisieux

Thérèse Martin wurde am 2. Januar 1873 in Alençon, Frankreich dem Ehepaar Louis Martin und Zélie Guérin, die 2015 zusammen heiliggesprochen wurden, geboren. Nach dem Tod ihrer Mutter am 28. August 1877 zog Thérèse mit ihrer Familie in die Stadt Lisieux.  Einige außergewöhnliche Gnaden begleitete die menschliche und spirituelle Entwicklung von Thérèse und erlaubten ihr in ihrem Bewusstsein für die unendliche Barmherzigkeit Gottes zu wachsen, die jedem Menschen zu Teil wird. Am Pfingsttag 1883 hatte sie die einzigartige Gnade, von einer schweren Krankheit geheilt zu werden; durch die Fürsprache Unserer Lieben Frau vom Siege. 1884 empfing sie die Erstkommunion und erlebte zu dieser Zeit die Gnade der innigen Vereinigung mit Christus.

Thérèse hatte den großen Wunsch, ihren Schwestern Pauline und Marie in den Karmel von Lisieux zu folgen, um ein kontemplatives Leben zu führen. Auf einer Pilgerreise nach Italien, während einer Audienz, die Papst Leo XIII. den Gläubigen der Diözese Lisieux gewährte, flehte sie den Heiligen Vater mutig um Erlaubnis an, im Alter von fünfzehn Jahren in den Karmel eintreten zu dürfen.  Nachdem er seine Erlaubnis erteilt hatte, trat Thérèse 1888 das Kloster ein und legte am 8. September 1890 ihre Gelübde ab.

Ein gut dokumentiertes Leben

Ihr Weg der Heiligkeit wurde durch das Vertrauen auf Gott in Momenten großer Prüfung gestärkt, von denen sie in ihren Schriften, Briefen und Gebeten Zeugnis ablegte. Ihre Lehre zeigt sich auch in Gedichten und kleinen Theateraufführungen, die zur Erholung mit den Schwestern geschrieben wurden. Als Mitarbeiterin in der Ausbildung von Novizen unternahm sie die Übertragung ihrer spirituellen Erfahrungen, die sie in Der Kleine Weg der spirituellen Kindheit zusammenfasste. Sie erhielt auch die Aufgabe, zwei „Missionsbrüder“ durch ihr Opfer und Gebet zu begleiten, eine Gelegenheit, ihre apostolische und missionarische Berufung zu leben, die sie dazu brachte, so vielen Menschen wie möglich eine Begegnung mit dem Herrn zu ermöglichen, der so sehr nach Seelen dürstet.

Am 3. April 1896, in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag, erlebte Thérèse erste Zeichen der Krankheit, die schließlich zu ihrem Tod führen würde. Während dieser Zeit konzentrierte sie sich endgültig auf ihre Berufung, ein schlagendes Herz in der Kirche zu sein, das geliebt wird, liebt und Liebe hervorbringt. Als sich ihr Gesundheitszustand verschlechterte, wurde sie auf die Krankenstation verlegt. Zuvor, in dunklen Nacht ihres Glaubens, bekräftigte sie: „Ich sterbe nicht, sondern gehe ins Leben.“ Am 30. September 1897, im zarten Alter von 24 Jahren, starb sie mit den Worten: „Meine Gott…. Ich liebe dich.“

Am 17. Mai 1925 von Pius XI. heiliggesprochen, wurde sie zwei Jahre später zusammen mit dem Heiligen Franz Xaver zur Patronin der Missionen ernannt. Am 19. Oktober 1997 erklärte der heilige Johannes Paul II. sie zur Kirchenlehrerin. Ihr liturgisches Fest wird am 1. Oktober gefeiert.

Thérèse Spiritualität

Im autobiografischem Werk der heiligen Thérèse, Die Geschichte einer Seele: Manuskript C, beschreibt sie die Kraft, mit der Gott sie in den Wirbel der Vereinigung mit ihm selbst gezogen hat: „Ich verstehe, Herr, dass, wenn sich eine Seele vom Geruch deiner Salben gefangen nehmen lässt, sie nicht allein laufen kann, alle Seelen, die sie liebt, folgen in ihrem Zug; dies geschieht ohne Einschränkung, ohne Anstrengung, es ist eine natürliche Folge ihrer Anziehungskraft auf Dich. Wie ein Wildbach, der sich ungestüm in den Ozean stürzt, zieht er alles, was ihm an seinem Lauf begegnet, mit sich, so wie die Seele, O Jesus, die in den unendlichen Ozean Deiner Liebe eintaucht, all die Schätzen, die sie besitzt, mit sich zieht. Herr, du weißt, ich habe keine anderen Schätze als die Seelen, die du mit der meinen zu vereinen gewillt warst.“ (Geschichte eines Seele: Manuskript C, 334-335).

Die Begeisterung der hl. Thérèse für das Kind Jesus und das Heilige Gesicht wurde durch ein Leben in Vereinigung mit ihrem Herrn durch unaufhörliches Gebet, Meditation über sein Wort, das sakramentale Leben und die Gemeinschaft ihrer Schwestern im Kloster, erleuchtet und genährt.

Kontemplation war ein Weg, um eine tiefere Wahrnehmung für alle Realitäten zu entwickeln. Diejenigen, die sich zum vollkommenen Eigentum Gottes machen, werden auch zu Gottes Geschenk an alle, und ihre Existenz, die gänzlich und frei dem Dienst des göttlichen Lobpreises überlassen wird, verkündet und verbreitet den Vorrang Gottes und die Transzendenz der menschlichen Person, die nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen wurde.

Missionarin im Kloster

Die Begeisterung dieser großen kleinen Heiligen drückt sich durch ihr vollkommenes Vertrauen in Gott und ihren Wunsch, ihre Erfahrung von der Begegnung mit Gott mit allen anderen zu teilen, in einer universellen Umarmung der Gemeinschaft aus.

Sie sah, dass das Vertrauen in Gott ein starkes Mittel der Bekehrung war; sie wollte leben, um auf Jesu Wunsch nach Liebe zu antworten, sie wollte ihn lieben und ihn lieben lassen, um ihm die Liebe für Liebe anzubieten. Thérèses größter Wunsch, die Heiligkeit, ist untrennbar mit ihrem Wunsch nach der Erlösung aller Menschen verbunden, wobei den Ärmsten besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Das besondere Apostolat, das eine kontemplative Person in den vier Mauern ihres Klosters lebt, bezeichnet einen Raum, der ausschließlich dem Herrn vorbehalten ist und mit dem Herzen des mystischen Leibes Christi verbunden ist. Einem Herzen, das die Liebe liebt und überträgt und jedem erlaubt, sein spezifisches Charisma, seine Mission, seine Identität im Dienste des Reiches Gottes  zu leben. Ein Leben, das Gott in Verbindung mit dem Opfer von Golgatha angeboten wird, erhält die Gnade, Ihm mit Treue, Kreativität und Energie dienen zu können, die für alle angewendet werden – das ist die Grundwahrheit, in der die Seelsorge und Missionsarbeit verwurzelt sind. Es ist eine Verschmelzung von aktivem und kontemplativem Leben, das im Herzen desjenigen stattfindet, der auf den Ruf des Herrn antwortet und sich im mystischen Leib Christi entwickelt, in dem die verschiedenen Glieder ihre spezifische Mission harmonisieren, indem sie sich gegenseitig unterstützen und bereichern. So wird auch ein Ort, der ausschließlich dem Lob des Herrn vorbehalten ist, ein weltabgeschiedenes Kloster, für die Missionsarbeit geeignet, als Ort der Fürbitte und der geistlichen und brüderlichen Mitwirkung an missionarischen Tätigkeiten.

Thérèse opfert sich für die Mission auf

„Ich würde das Evangelium auf allen fünf Kontinenten gleichzeitig und sogar auf den entlegensten Inseln predigen wollen. Ich wäre eine Missionarin, nicht nur für ein paar Jahre, sondern vom Beginn der Schöpfung bis zur Vollendung aller Zeiten. Aber vor allem, o mein geliebter Erlöser, würde ich mein Blut für Dich vergießen, bis zum letzten Tropfen…. Der Märtyrertod war der Traum meiner Jugend  […], aber ich kann mich nicht darauf beschränken, mich nach einer Art von Martyrium zu sehnen. Um mich zufrieden zu stellen, brauche ich alle […] Jesus, wenn ich alle meine Wünsche schreiben wollte, ich müsste mir Dein Buch des Lebens leihen, denn darin wird sind alle Handlungen aller Heiligen verzeichnet, und ich würde alle von ihnen erfüllen für Dich“ (Geschichte einer Seele: Manuskript B, 251-252).

Thérèse bot bereitwillig ihre Leiden an, um die Berufungen und die Arbeit der Missionare zu unterstützen, und sie gab Erklärungen an ihre Schwestern, die ihre Bemühungen beobachteten, ohne die starken Motivationen zu verstehen, die sie zu ihnen führten. Thérèse erschöpfte sich im Leben, aber ihr großer Eifer veranlasste sie, den Wunsch zu äußern, auch nach dem Tod nicht zu ruhen. Sie wollte ihre Mission, ihren Brüdern und Schwestern zu helfen und sie zur Liebe zu führen, mit noch größerer Entschlossenheit weiter leben, nachdem ihre Seele mit ihrem Herrn vereint werden würde.

Im Briefwechsel mit ihren geistlichen Missionsbrüdern unterstrich sie, wie die ihnen vom Herrn Jesus geschenkten apostolischen Waffen durch das Gebet und die Liebe, die ihnen von ihr zur Verfügung gestellt wurden, leichter eingesetzt werden können. Sie bestand auf der Schönheit des Kleinen Weges und war gereist, um zum Herzen des Herrn zu gelangen und brachte alle ihr anvertrauten Missionare und Seelen mit. In einem Gebet, das besonders reich an biblischen Bezügen war, wandte sich Thérèse an Gott:

„O mein Jesus! Ich danke dir, dass du einen meiner größten Wünsche erfüllt hast, nämlich den einen Bruder, einen Priester, einen Apostel zu haben [….] Du weißt, Herr, dass mein einziger Ehrgeiz darin besteht, dich bekannt und geliebt zu machen.  Jetzt wird sich mein Wunsch erfüllen. Ich kann nur beten und leiden, aber die Seele, mit der du mich durch die süßen Bande der Liebe vereinst, wird in der Ebene gehen und kämpfen, um Herzen für dich zu gewinnen, während ich auf dem Berg Karmel beten werde, dass du ihm den Sieg bringst. Göttlicher Jesus, höre das Gebet, das ich dir anbiete, für den, der dein Missionar sein will. Beschütze ihn inmitten der Gefahren der Welt. Lasse ihn zunehmend das Nichts und die Eitelkeit der vergänglichen Dinge fühlen und das Glück, sie für deine Liebe verachten zu können. Möge er sein erhabenes Apostolat mit den Menschen um ihn herum durchführen. Möge er ein Apostel sein, der deines Heiligen Herzens würdig ist“ (Gebet von 1895).