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Pauline Marie Jaricot – Gründerin der Päpstlichen Missionswerke

Pauline Marie Jaricot wurde unmittelbar nach der Französischen Revolution, am 22. Juli 1799, in eine gläubige, katholische Familie geboren. Sie war die siebte und letzte Tochter von Antoine und Jeanne Jaricot, die Seidenhändler in Lyon, Frankreich, waren, einer Stadt, deren christliche Wurzeln auf das zweite Jahrhundert zurückgehen und die sich rühmt, den Kirchenvater Irenäus als zweiten Bischof zu haben.

Pauline wurde am Tag ihrer Geburt getauft. Ihre Eltern hatten einen dem papsttreuen Priester gebeten, ihre jüngste Tochter im Familienhaus zu taufen, weil ihr Pfarrer von St. Nizier den von der Revolutionsregierung geforderten Eid geleistet hatte, der die Autorität der Kirche in Frankreich untergrub. Zweifellos lebte Pauline in einer Zeit gesellschaftlicher Instabilität und tiefgreifenden sozialen Wandels und leistete eine Arbeit, die für die Aktivität der Evangelisierung entscheidend wurde.

Wechselhafte Jugend

Aus allen Berichten ihres Lebens geht hervor, dass sie ein fröhliches und lebhaftes Mädchen war, sehr entschlossen und auch starrköpfig. In ihrer Autobiographie – die mit Vorsicht gelesen werden sollte, da Pauline sehr streng mit sich selbst umgegangen war – schrieb sie: „Ich wurde mit einer glühenden Fantasie, einer oberflächlichen Haltung und einem gewalttätigen und faulen Charakter geboren. Ich wäre mit anderen Dingen total beschäftigt gewesen….. Aber Gott gab mir ein treues Herz, das sich leicht der Frömmigkeit hingab.“

Sie hatte eine innige Beziehung zu ihrem Bruder Phileas, der zwei Jahre vor ihr geboren wurde und entschlossen war, Missionar in China zu werden. Als Phileas seine Absicht bekannt gab, sagte Pauline sofort, dass sie mit ihm gehen wolle, um für die Armen und Kranken zu sorgen und die Blumen in der Kirche zu arrangieren.

Während ihrer Pubertät und ihres frühen Erwachsenseins war sie in ihrer Hingabe unbeständig. Sie schwankte zwischen Momenten intensiven Gebets, die in ihr den Wunsch entwickelten, lange Zeit in der Kirche vor dem Allerheiligsten Sakrament zu verbringen und auf die Fürsprache der Jungfrau Maria zu beten. Bei anderen Gelegenheiten war sie begierig darauf an gesellschaftlichen Veranstaltungen teilzunehmen, bei denen sie elegante Kleidung trug und von jungen Männern bewundert und umworben wurde, während sie über die Möglichkeit einer idyllischen Ehe fantasierte.

Am 16. April 1812, im Alter von dreizehn Jahren, empfing sie nach einer sorgfältigen und ehrfürchtigen Vorbereitung ihre Erstkommunion mit großer Hingabe.

Einschneidende Veränderungen

Paulines Leben änderte sich jedoch im Alter von fünfzehn Jahren drastisch, nachdem sie während eines Hausputzes von einem Hocker fiel und dabei heftig auf den Boden aufschlug. Der Sturz hat ihr Nervensystem schwer beschädigt und bewirkte, dass sie ihre Gliedmaßen nicht richtig bewegen und normal sprechen konnte. Obwohl die Ärzte verschiedene Therapien ausprobierten, wurden sie skeptisch gegenüber der Heilungschancen. Ihre Mutter sorgte sich so sehr um die Gesundheit ihrer Tochter, dass auch sie krank wurde. Diese Krankheit verschlimmerte sich durch den unerwarteten Tod ihres ältesten Sohnes Narcisse im Alter von 21 Jahren. Antoine Jaricot beschloss, seine Tochter in ein kleines Dorf außerhalb von Lyon zu bringen, in der Hoffnung, dass die Trennung von Mutter und Tochter beiden helfen könnte, schneller zu genesen. Leider starb Jeanne Jaricot jedoch am 29. November 1814. Aus Angst vor einer weiteren Verschlechterung von Paulines Gesundheitszustand, entschied sich ihre Familie, sie nicht über den Tod ihrer Mutter zu informieren.

Der örtliche Pfarrer lud Pauline ein, ihre Glaubenspraxis wieder aufzunehmen. Sie entschied sich freiwillig, um das Sakrament der Versöhnung zu bitten und die Eucharistie zu empfangen. Diese Erfahrung der Vergebung und der spirituellen Nahrung hatte eine tiefe Auswirkung auf sie. Von diesem Moment an begann sie, ihre Gliedmaßen wieder zu bewegen. Nachdem ihr schließlich vom Tod ihrer Mutter erzählt wurde, gab sie zu, dass sie es bereits vermutet hatte. Als sie es schaffte wieder zu gehen, bat sie darum, in die Basilika von Notre-Dame von Fourvière in Lyon gebracht zu werden, damit sie vor der prächtigen Statue der Madonna beten konnte, die das Kind Jesus der Welt vorstellt.

Von da an beschloss Pauline, ihr Leben ausschließlich dem Dienst an den Armen und Kranken zu widmen, jeden Tag Krankenhäuser und Sterbende zu besuchen, Verbände auf ihre Wunden zu legen und Worte des Trostes zu spenden. Ihr Dienst an den Bedürftigen wurde von einem Leben des intensiven Gebets begleitet. Sie empfing täglich die Eucharistie und betete für die Bekehrung der Sünder und für die Evangelisierung der Welt. In ihr wuchs die Hingabe an das Heiligste Herz. Sie wurde Teil der Gesellschaft der Heiligen Herzen Jesu und Mariens. Dies führte dazu, dass sie eine neue Gesellschaft mit dem Namen Sühnewerk gründete. Pauline lud viele Frauen in Lyon ein, von denen einige fast wie Sklaven in den Seidenfabriken der Stadt arbeiteten, sich ihr anzuschließen. Ihre Meditationen vor dem Tabernakel inspirierten sie, das Buch Unendliche Liebe in der göttlichen Eucharistie zu schreiben und zu veröffentlichen, eine Quelle des Trostes und der geistlichen Nahrung für viele.

Eine Gesellschaft zur Verbreitung des Glaubens

Zu dieser Zeit studierte ihr Bruder Phileas am Seminar in Paris. Er informierte Pauline, dass die Pariser Gesellschaft für Auslandsmissionen Priester nach Asien schicken wolle. Er bat sie, einen Weg zu finden, um genügend Mittel aufzubringen, die den Erfolg des Unternehmens sicherten. In diesem Moment hatte Pauline eine Idee, die die Geschichte verändern würde: Sie beschloss, jedes Mitglied ihres Sühnewerkes einzuladen, zehn neue Mitglieder zu finden, die beten und einen Penny pro Woche für die Evangelisierung der Welt spenden würden, oder, wie es zu Paulines Zeiten hieß, für die Verbreitung des Glaubens.

Gruppen von zehn Mitgliedern wurden von einem dizenaire angeführt, Gruppen von hundert Mitgliedern von einem centenaire und Gruppen von tausend Mitgliedern von einem millenaire.  Die Idee war einfach: persönlich beten und Geld sammeln, um ein Netzwerk persönlicher Beziehungen zu schaffen. Der Gruppenleiter der Zehn traf sich mit seinen Mitgliedern und sammelte jede Woche die Pennys ein. Der Leiter der Hundert traf sich und sammelte das Geld von den Leitern der Zehn und schließlich der Gruppenleiter der Tausend von den Leitern der Hundert. Diese beträchtlichen Summen wurden aufgeteilt und in die ganze Welt geschickt. Die Idee breitete sich aus und die Gesellschaft zur Verbreitung des Glaubens wurde gegründet. Schon bald wurde ihre Arbeit über Frankreich hinaus ausgedehnt und wurde zu einem weltweiten Phänomen. Am 22. Mai 1922 wurde sie durch eine Entscheidung von Papst Pius XI. zur Päpstlichen Gesellschaft für die Verbreitung des Glaubens. Auf diese Weise wollte der Heilige Vater seine väterliche Sorge um die aus der missionarischen Tätigkeit hervorgegangenen Ortskirchen zum Ausdruck bringen.

Paulines Ruf als hingebungsvolle und entschlossene Frau im Glauben erwarb ihr großen Respekt des Heiligen Vaters, der Kardinäle, der Bischöfe und zeitgenössischer Heiliger, von denen einige sie um Hilfe und Rat baten.  Der Gründer der Gesellschaft für Heilige Kindheit (heute bekannt als die Päpstliche Gesellschaft für Missionskinder oder Heilige Kindheit) hat sich mit ihr beraten, um den besten Weg zu finden, um Spenden für Kinder in den Missionen verschiedener Länder zu sammeln.  Später, als sich ihr Gesundheitszustand zu verschlechtern begann, beschloss Pauline, eine Pilgerreise nach Rom zu machen. Dort wurde sie krank. Sie war in einem Kloster in der Nähe der Kirche Trinità dei Monti, am oberen Ende der Spanische Treppe, an ein Bett gefesselt. In dieser Zeit besuchte sie der Heilige Vater, um sie zu ermutigen und ihr seinen Segen zu geben.

Trotz all dieser enormen geistlichen und missionarischen Erfolge war Paulines Leben voller körperlicher, emotionaler und geistlicher Leiden.

Pauline hatte eine Berufung zum Ordensleben nie in Betracht gezogen. Sie war überzeugt, dass sie von Gott als Laienfrau berufen worden war, ihr demütiges Dasein der Unterstützung der Armen und der Missionen zu widmen.  Als sie in einen Zustand der Armut geriet, war sie gezwungen, sich in die Liste der Armen von Lyon einzutragen, um etwas zu essen zu bekommen. Ihre Liebe zu Gott, zur Muttergottes und zu den Missionen schwankte nie.

Sie starb am 9. Januar 1862 in Frieden und wurde später von Papst Johannes XXIII. zur Ehrwürdigen erklärt.

Ihre Seligsprechungsfrage wird von der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse geprüft, und wir beten, dass sie bald als Selige anerkannt wird.

Lebendiger Rosenkranz

Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass Pauline eine weitere wichtige missionarische Gebetsinitiative hatte. 1826, ermutigt durch den Erfolg ihres persönlichen Ansatzes in der Organisation der Missionsgesellschaft durch die Bildung von Kleingruppen, benutzte Pauline den gleichen Ansatz, um einen lebendigen Rosenkranz zu gründen. Sie begann, ihre Freunde und Mitarbeiter in Gruppen von fünfzehn Personen zu organisieren, basierend auf der Anzahl der Geheimnisse des Rosenkranzes. Sie bat jedes Mitglied, sich zu verpflichten, täglich ein Gesätz des Rosenkranzes zu beten und einen ganzen Monat lang jeden Tag ein Geheimnis zu meditieren. Auf diese Weise wurde täglich der ganze Rosenkranz gebetet und alle fünfzehn Geheimnisse von jeder Gruppe betrachtet.

Zu Beginn des Monats verteilte der Verantwortliche der Gruppe die Geheimnisse persönlich unter den Mitgliedern und schaute darauf, dass jeder ein anderes Geheimnis erhielt, das er während des Rosenkranzgebets in den vier folgenden Wochen meditieren würde. Jeden Monat wurde so das ganze Leben Christi von der Gruppe betrachtet.

Auf die Fürsprache der Jungfrau Maria wurde Gottes Hilfe erbeten, indem das Rosenkranzgebet zu einer „lebendigen“ Realität in der Unterstützung der Sendung der Kirche wurde, insbesondere in der Verkündigung des Evangeliums an diejenigen, die es noch nicht empfangen hatten. Paulines Traum vom Lebendigen Rosenkranz wurde bald zu einem weltweit verbreiteten Phänomen. Im Jahr 1831 schrieb sie: „Die Gruppen von fünfzehn Personen vervielfachen sich weiterhin mit unglaublicher Geschwindigkeit in Italien, der Schweiz, Belgien, England und in verschiedenen Teilen Amerikas. Der Rosenkranz hat seine Wurzeln ausgebreitet nach Indien und vor allem nach Kanada.“ Pauline hoffte, dass der lebendige Rosenkranz die Menschen, die über die ganze Welt verstreut waren, im Gebet für die Sendung der Kirche vereinen würde.

Die Initiative des Lebendigen Rosenkranzes war so erfolgreich, dass es nach dem Tod von Pauline 1862 mehr als 150.000 Gruppen gab, mit allein 2.250.000 Mitglieder in Frankreich! Heute wird der lebendige Rosenkranz noch in vielen Teilen der Welt praktiziert, und die Gruppen von fünfzehn Personen haben sich zu Gruppen von zwanzig Personen erweitert, um die neuen lichtreichen Geheimnisse einzuschließen, die von Papst Johannes Paul II. eingeführt wurden.