Project Description

Dr. Anna Dengel

Dr. Anna Dengel – Ärztin im Ordenskleid

Dr. Anna Dengel wurde am 16. März 1892 in Steeg im Lechtal in Tirol geboren. Sie und ihre drei jüngeren Geschwister wuchsen nach dem frühen Tod ihrer Mutter – Anna war zu dem Zeitpunkt erst neun Jahre alt – beim Vater auf. Dieser heiratete wieder und sie bekam noch vier weitere Geschwister. Der frühe Verlust ihrer Mutter war für Anna Dengel sehr prägend und sollte ihre spätere Tätigkeit, die Sorge für die Frauen und Mütter, beeinflussen.

Anna stammte aus einer wohlhabenden Familie

Der Vater legte großen Wert auf die Ausbildung seiner Kinder. Nach Abschluss ihrer Schulausbildung in Hall/Tirol und Innsbruck arbeitete sie mit siebzehn Jahren als Aushilfslehrerin in Lyon und unterrichtete Deutsch.  Dort erfuhr sie auch von einer Schule, die Frauen zu Krankenschwestern ausbildete. Diese Schule besuchte sie zwar nie, jedoch war sie mit ein Grund, warum sie Dr. Agnes McLaren, eine der ersten Frauen, die den Arztberuf ausgeübt hat, kennenlernte. Das große Anliegen von Dr. McLaren war es, Frauen in Indien ärztliche Hilfe zu bringen. Am meisten litten die muslimischen Frauen, die aufgrund religiöser Gesetze keine Chance auf medizinische Hilfe hatten, denn kein männlicher Arzt durfte sie besuchen und behandeln. Dr. McLaren fuhr deshalb noch im hohen Alter von 72 Jahren mit dem Segen von Papst Pius X. nach Indien und gründete 1910 das St.Catherine’s Hospital für Frauen und Kinder. Zuerst versuchte die Ärztin Ordensgemeinschaften für die medizinische Hilfe in den Missionsgebieten zu gewinnen. Das scheiterte aber daran, dass zu dieser Zeit noch ein aus dem 12. Jahrhundert stammendes kirchliches Verbot bestand, das den Ordensfrauen das Studium der Medizin und die Ausübung ärztlicher Tätigkeiten untersagte. Dr. McLaren suchte deshalb nach jungen Frauen, in Europa und den USA, die eine Ausbildung zur Ärztin machen wollten um nach Indien in die Mission zu gehen.  Diesen Aufruf vernahm auch die zwanzigjährige Anna Dengel. Sie fand sich sofort in der Idee wieder und schrieb an Dr. McLaren: „Das ist die Antwort auf meinen größten Wunsch und meine tiefste Sehnsucht: eine Missionarin zu sein mit einem bestimmten Ziel im Auge, eine dringend notwendige Aufgabe zu übernehmen, die nur Frauen erfüllen können. Es ist der Traum meiner Kindheit.“

Der Kontakt zwischen Anna und Dr. McLaren gestaltete sich als schwierig, da die Ärztin kein Deutsch und Dengel kein Englisch konnte. McLaren motivierte die junge Tirolerin zum Studium der Medizin in Cork (Irland), da ein Abschluss in englischer Sprache für den Dienst in Indien, das damals noch Englische Kolonie war, notwendig war.  Zu einem persönlichen Zusammentreffen der beiden Frauen kam es leider nie, da Dr. McLaren im Jahr 1913 starb.

1919 konnte Dengel ihr Medizinstudium in Cork abschließen. Im Dezember des gleichen Jahres kam sie bereits in Rawalpindi (im heutigen Pakistan) an, wo die frischgebackene Ärztin die Leitung des St. Catherine‘s Hospital übernahm.  Der Alltag zwischen Krankenhausarbeit, Sprachstudien, Hausbesuchen und den Schwierigkeiten des Alltags  forderte ihren vollen Einsatz.  Täglich kamen bis zu 150 Patientinnen, die bei ihr Hilfe und Heilung suchten. Nach drei oder vier Jahren erlebte sie eine innere Dunkelheit. Zu dieser Zeit begann sich, so beschreibt sie es selbst, ihr zukünftiger Weg abzuzeichnen.

Der Eintritt in den Missionsorden

Ein Priester erkannte ihre Berufung und riet ihr, in einen Missionsorden einzutreten. Doch nun stand Anna Dengel vor demselben Problem wie ihr großes Vorbild Dr. McLaren. Mit dem Eintritt in einen Orden hätte sie ihr ärztliches Wirken aufgeben müssen.  1924 übergab Dr. Anna Dengel einer indischen Ärztin die Klinik und zog sich zu Exerzitien nach Innsbruck zurück. Dort reifte in ihr der Wunsch, unterstützt von dem Leiter ihrer Exerzitien,  einen Orden von Ärzte-Schwestern zu gründen. Sie begab sich für sechs Monate in die USA, um Gleichgesinnte zu finden und Spenden für ihr Vorhaben zu sammeln. Bald schlossen sich ihr eine Ärztin sowie zwei Krankenschwestern an. Am 30.September 1925 wurden in Washington die „Medical Mission Sisters“ („Missionsärztliche Schwestern“) gegründet. Da das Verbot zur medizinischen Tätigkeit von Ordensfrauen weiter bestand, wurde die Gemeinschaft als  „pia societas“ (Fromme Gemeinschaft) ohne öffentliche Gelübde gegründet.  Von da an startete die junge Gemeinschaft das „heilige Experiment“.

Verbot der Ausübung medizinischer Tätigkeiten von Ordensfrauen

Anna Dengel bemühte sich jahrelang um eine Änderung des Kirchenrechtes in Bezug auf das Verbot der Ausübung medizinischer Tätigkeiten von Ordensfrauen. 1936 veröffentlichte Papst Pius XI. das Dekret „Constans ac sedula“, das die Einschränkung aufhob. 1941 war es schließlich soweit, dass die Missionsärztlichen Schwestern eine religiöse Kongregation mit Gelübden wurden, und 1959 erhielten sie das Dekret des Heiligen Stuhles, das sie zu einer Kongregation Päpstlichen Rechts machte.

Aus den ursprünglich vier Schwestern sind bis heute über 500 Schwestern geworden, die in Afrika, Asien, Europa und Amerika wirken. Viele der ursprünglich gegründeten Krankenhäuser wurden seither von Einheimischen übernommen, so wie es sich die Gründerinnen gewünscht hatten. Heute steht bei den Schwestern nicht mehr die medizinisch/chirurgische Tätigkeit im Mittelpunkt, sondern die Sorge um das ganzheitliche Heil des Menschen. Eine der wichtigsten Aufgaben der Schwestern war und ist die Ausbildung von jungen Frauen zum medizinischen Dienst.

Heilige Mutter Teresa

Die wohl bekannteste Schülerin von Dr. Anna Dengels Missionsärztlichen Schwestern ist die Heilige Mutter Teresa. Bevor Mutter Teresa ihren Dienst in Kalkutta begann, machte sie einen Kurs als Krankenpflegerin in einem der ersten „Holy Family“-Krankenhäuser in Patna (Indien).  Die beiden Frauen, Dr. Dengel und Mutter Teresa, standen in sporadischem Kontakt.  aber erst gegen Lebensende von Anna Dengel kam es zum ersten persönlichen Treffen. Einmal kam es sogar dazu, dass Dr. Anna Dengel Mutter Teresa in einem Brief „zurechtwies“ und sie aufforderte, sich um eine bessere Versorgung ihrer Schwestern zu kümmern, denn diese bekamen oft nur sehr schmale Kost. Mutter Teresa fügte sich dem Rat ihrer „Lehrerin!“. Auch wenn diese beiden großen Frauenpersönlichkeiten sich nicht immer einig waren, verband sie der Einsatz und die Liebe für die Pflege der Ärmsten. Beide Frauen gründeten Gemeinschaften und veränderten mit ihrem unerschütterlichen Eifer schließlich Kirche und Welt.

1973 übergab Dr. Anna Dengel  die Leitung der „Missionsärztlichen Schwestern“ an die nächste Generation mit den Worten:

„Die Zukunft gehört Euch, ihr wisst um die Nöte eurer Zeit so wie ich um die Nöte meiner Zeit wusste.“

Die letzten Tage von Dr. Anna Dengel

Im Frühjahr 1976 erlitt sie einen Schlaganfall und war danach teilweise gelähmt. Noch als sie im Krankenhaus in Rom lag, besuchte sie Mutter Teresa. Dr. Dengel erkannte ihre alte Bekannte und bat diese, ihr wie in Indien üblich, die Hände aufzulegen, als Zeichen des geistlichen Vermächtnisses. Am 17. April 1980 starb Dr. Anna Dengel in Rom und wurde am Campo Santo Teutonico begraben. Sie brachte die Medizin in die Kirche und  hinterließ eine bis heute wachsende Gemeinschaft.

Verein „Freunde Anna Dengel“

In Österreich gibt es den Verein „Freunde Anna Dengel“,  der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Bekanntheit der Tirolerin in ihrer Heimat zu stärken und ihr spirituelles Erbe zu bewahren. Eine junge Künstlerin fertigte 2013 sogar eine Statue der Missionarin aus Zirbenholz.  Außerdem unterstützt der Verein die Schwestern in den Missionen.

Linktipps:

Zentralseite des Ordens

„Freunde Anna Dengel„ in Österreich

Quellen:

Domradio.de

Religion ORF

Zurück
DOWNLOAD PDF