Die doppelte Krise

Seit zwei Jahren kämpft die katholische Kirche gegen Unterdrückung und Verfolgung durch Präsident Ortega – und nun auch gegen seine Ignoranz.

allewelt Juli/August 2020

Eine Zeit lang zog Padre Edwin Román Calderón, wenn er schlafen ging, nur seine Schuhe aus. Denn es kam oft vor, dass er in der Nacht geweckt wurde – von Verletzten, die Hilfe brauchten, von Studenten, die Alarm schlugen, von Menschen, die in seiner Kirche Zuflucht suchten. Daran erinnert sich der Priester aus Nicaragua in einem „Zeit“-Interview.

Seit mittlerweile zwei Jahren kommt das zentralamerikanische Land nicht zur Ruhe. Proteste gegen Präsident Daniel Ortega, Repressionen seitens der Behörden gegen Oppositionelle und sogar Todesdrohungen gegen Kirchenvertreter gehören zum Alltag.

Ein autoritärer Präsident

„Das Volk ist wütend auf die Regierung, weil Arbeit fehlt, die Institutionen gleichgeschaltet sind, die Korruption groß ist. Ich war sechs Wochen in Managua untergetaucht, kam nur für die Messen nach Masaya. Heute ist es ein Verbrechen, Geistlicher in Nicaragua zu sein“, erzählt Padre Edwin weiter – und das in einem Land, in dem rund die Hälfte der 6,2 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner römisch-katholisch ist.

Ortega, der Präsident, um den sich alles dreht, war seinerzeit ein linker Guerilla-Kämpfer. Mittlerweile regiert er das Land seit elf Jahren im autoritären Stil. Seine Ehefrau Rosario Murillo kürte er zur Vizepräsidentin.

Bischof Rolando Alvarez

„Nicaragua erlebt eine doppelte Krise. Eine, die seit zwei Jahren andauert, und nun die Pandemie.”

Erzbischof Rolando Alvarez

Wie es so weit kam

Alles begann mit einem Aufstand gegen eine Rentenreform am 19. April 2018. Die Demonstrationen eskalierten und die Bilder von Polizisten, die im Auftrag der Regierung gewaltsam gegen Demonstranten vorgingen, verbreiteten sich rasant.

Mittlerweile ist auch Nicaraguas katholische Kirche massiv in die Krise verwickelt. Eigentlich wollte sie schlichten, geriet aber zwischen die Fronten. Sie kritisierte die Menschenrechtsverletzungen der Regierung und bot den Demonstrierenden Zuflucht in Kirchen, um sie vor Verhaftungen zu schützen. Seit die Bischöfe auch noch Neuwahlen fordern, werden sie von Ortega attackiert. So bezeichnete er sie als „Anführer der Aufstände“, sie würden eine „terroristische Mentalität“ zeigen.

Hoffnung auf Versöhnung

Mitten in den Konflikt stieß das Coronavirus. Offiziell gibt es in Nicaragua kaum Erkrankte. Ortega hatte beschlossen, die Gesundheitskrise zu ignorieren. Geschäfte hielten offen, Fußballspiele fanden statt. Zuletzt stoppte die Regierung ein von der Kirche geplantes Hilfecenter, das über die Gefahren des Coronavirus informiert.

Doch die Bischöfe geben die Hoffnung auf ein versöhntes Land nicht auf. „Nicaragua erlebt eine doppelte Krise. Eine, die seit zwei Jahren andauert, und nun die Pandemie. Aber der Herr der Barmherzigkeit wird den Stein von unserem Grab entfernen, um hinauszugehen und in Gerechtigkeit und Würde zu leben“, sagte Bischof Rolando Alvarez von Matagalpa kürzlich.

UNSERE ZAHL

Unsere Zahl bezieht sich auf die vielen Berufungen in Tansania.

2.000 Priester sind im ostafrikanischen Tansania tätig.

In vielen Ländern können die Verantwortlichen nur davon träumen. Die Kirche im ostafrikanischen Tansania wächst und wächst. Im Oktober wird bereits das sechste Priesterseminar geöffnet werden, weil die fünf bestehenden überfüllt sind. Seit 1917 die ersten einheimischen Priester geweiht wurden, hat die Zahl der Berufungen beständig zugenommen – wobei das Interesse am priesterlichen Dienst noch nie so hoch war wie heute. Mittlerweile sind 2.000 Geistliche und zusätzlich ausländische Missionare für die Seelsorge der 14 Millionen Gläubigen (einem Drittel der Gesamtbevölkerung) in dem Land zuständig. Der österreichische Priester Hans Humer, der ebenfalls in Tansania tätig ist, kennt den Grund für den Boom: „Die Leute sind offen und gläubig und schätzen die Arbeit der Priester, Katechisten und Laien. Die haben sehr gute Arbeit geleistet, die Menschen sind gestärkt in ihrem Glauben und Leben.“

Quelle: Vatican News

Wussten Sie schon, dass …

die Franziskaner auf Rhodos in der Coronakrise zu kreativen Methoden greifen?

Als die Oblaten auszugehen drohten, kam hier eine alte Hostienmaschine wieder zum Einsatz, die seit den 1990er-Jahren außer Betrieb war. Außerdem weiteten die Ordensbrüder auf der griechischen Insel den Gemüseanbau im Garten aus und bauten einen Hühnerstall, um Arme und Flüchtlinge zu versorgen.

sogar die Klagemauer in Jerusalem desinfiziert wurde?

In Vorbereitung auf das jüdische Pessachfest wurde heuer die Klagemauer ordentlich gereinigt, um die Corona-Ansteckungsgefahr zu verringern. Außerdem wurden tausende Gebetszettel entfernt, welche die Gläubigen in den vergangenen Monaten dort hinterlassen hatten. Dies geschieht zwei Mal im Jahr. Die Zettel werden dann nach jüdischer Tradition auf dem Ölberg beerdigt.

… ein prominenter buddhistischer Mönch viel Geld an den Corona-Hilfsfond des Papstes gespendet hat?

In Zeiten der Coronakrise kennt der Glaube keine Grenzen. Einer der prominentesten buddhistischen Mönche von Myanmar hat offenbar 10.000 US-Dollar (ca.  9.200 Euro) an den von Papst Franziskus eingerichteten Corona-Notfallfonds gespendet. Der Fonds wird von den Päpstlichen Missionswerken verwaltet und soll den ärmsten Ländern dieser Welt helfen. Missio Österreich unterstützt das Anliegen des Kirchenoberhauptes derzeit mit 350.000 Euro.