28.03.2017

Südsudan: Hunger und Krieg

Ökumenischer Hilferuf für das östliche Afrika: Zu Spenden für die Hungerregion rufen der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, gemeinsam auf. „Millionen Menschen am Horn von Afrika droht der Hungertod“, heißt es in einer gemeinsamen Presseaussendung.

Eine langanhaltende Dürreperiode in der gesamten Region und der Bürgerkrieg im Südsudan haben zu erheblichen Ernteausfällen geführt. „Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie Menschen an Entkräftung und Unterernährung sterben“, so die Repräsentanten der beiden großen Kirchen in Deutschland, die „die Gläubigen zum Gebet und zu konkreter Hilfe für die Notleidenden aufrufen“.

Fatale Lage im Südsudan: Krieg und Hungersnot

Allein im Südsudan droht aktuell einer Million Menschen der Hungertod, mindestens 270.000 Kinder leiden unter akuter Mangelernährung, wie Caritas Internationales und andere Hilfsorganisationen berichten. Bischof Erkolano Lodu Tombe ist Präsident der Caritas des Südsudan und Bischof von Yei. Die Welt dürfe ihre „Augen und Herzen nicht vor dem Leid der Menschen verschließen“, appelliert der Kirchenmann im Interview mit Radio Vatikan.

In Südsudan leiden die Menschen nicht zuletzt unter dem kruden Machtkampf der politischen Lager; Präsident Kiir bekämpft die Kräfte seinen ehemaligen Stellvertreters und jetzigen Feinde Machar. Dass jetzt „sogar die Regierung“ des Bürgerkriegslandes von „Hungersnot“ spricht, deutet für den Bischof zusätzlich auf den Ernst der Lage hin:

„Die Ursachen der Hungersnot sind menschengemacht, denn es gibt den Krieg, der zunächst im Juli 2013 in Juba ausbrach und der im vergangenen Juli zum zweiten Mal nach der Unabhängigkeit wieder aufgeflammt ist. Dieser Krieg hat sich schnell in weite Gebiete des Landes ausgebreitet – er ist die Ursache dieser Hungersnot. Die Regierung kämpft gegen Rebellen in verschiedenen Teilen des Landes, vor allem an der Grenze zu Kongo und Uganda. Der Krieg führt zu massiven Vertreibungen und der Zerstörung von Dörfern, zu Brandstiftungen, zu Zerstörung von Hütten; die Unsicherheit verbietet es den Menschen, Erntevorräte anzulegen. In dieser Region bauen die Leute normalerweise zwei Mal im Jahr an – durch den Krieg fielen diese beiden Anbauphasen weg, und heute herrscht Hunger.“

Über 100.000 Menschen sitzen in Yei fest

Der Bischof beschreibt die Kriegszustände rund um die Stadt Yei im Süden des Landes: „Die Leute können nicht zu uns und wir nicht zu den Leuten. Über 100.000 Menschen sitzen in der Stadt fest. Humanitäre Hilfe kommt, wenn überhaupt, auf dem Luftweg; doch so können kaum Menschen erreicht werden. Ob in der Stadt oder außerhalb, die Lage ist einfach katastrophal: Ganze Gemeinschaften haben keinen Zugang zu Medizin, keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, und die Kinder können nicht in die Schule gehen - es ist eine Kriegssituation.“

Es herrsche ein allgemeines Klima der Unsicherheit und Angst, denn die Regierung kämpfe nicht nur gegen die Rebellen, sondern lege auch Gewalt gegen Zivilisten an den Tag: „Die Regierungsarmee scheint die Menschen zu bekämpfen. Wenn Gruppen die Regierungstruppen angreifen und dann fliehen, ist die gewaltsame Antwort der Militärs der Regierung unproportional und richtet sich gegen Zivilisten. Menschen werden umgebracht, Dörfer niedergebrannt, und manchmal werden die Leichen in Hütten verbrannt.“

Mit Blick auf die internationale Gemeinschaft schrieb die südsudanesische Bischofskonferenz in ihrem jüngsten Hirtenbrief, über diesem Konflikt liege eine „betäubende Stille“. Allein die Ortskirche habe den notleidenden Menschen eine Stimme gegeben, klagt der Bischof von Yei, und zwar schon vor Monaten. Dank dieser Appelle und der Aufmerksamkeit des Papstes seien schließlich Hilfsorganisationen stärker auf das Drama aufmerksam geworden.
(rv)

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