Naschen für den guten Zweck

Der Herbst ist wieder ganz im Zeichen der Nächstenliebe und sozial engagierter Jugendlicher gestanden.

allewelt November/Dezember 2019

Francisca ist 17 Jahre alt. Ihre Familie ist sehr arm und hat kein Geld. Deswegen zieht sie nach Kawthaung, einer Stadt am südlichsten Zipfel Myanmars, um in einem Hotel zu arbeiten. Doch bevor es so weit ist, trifft sie zufällig Schwester Jucie Thein Shwe vom Orden Unserer Lieben Frau der Mission. Diese warnt sie: „Es ist nicht sicher, in einem Hotel zu arbeiten. Komm doch mit mir und mach bei unserem Schneidereiprojekt mit.“ Francisca willigt ein – ihr Leben nimmt eine entscheidende Wende, denn es hätte auch anders kommen können.

Myanmar zählt zu einem der ärmsten Länder der Welt. Tausende flüchten vor Armut und Verfolgung in Richtung Thailand. Dabei geraten besonders junge Frauen wie Francisca, aber auch Männer immer wieder in die Fänge von Menschenhändlern. Diese locken mit falschen Versprechungen nach Thailand. Dort müssen sie für wenig Geld hart arbeiten, etwa als Haushaltshilfen oder auf Fischkuttern. In der Regel wird ihnen nach einiger Zeit angeboten, für mehr Geld in Hotels oder Bars zu arbeiten. In ihrer Notsituation willigen die meisten Betroffenen ein. Sie werden dann als Prostituierte ausgebeutet und oft mit HIV oder mit anderen Krankheiten infiziert.

JUGENDAKTION 2019

Jugendliche engagieren sich für Jugendliche in armen Ländern und zeigen soziale Verantwortung:  Jedes Jahr steht der Oktober ganz im Zeichen der Weltmission. In Österreich gibt es dazu eine besondere Initiative, die Jugendaktion. Diese wurde vor mehr als 40 Jahren von Missio Österreich ins Leben gerufen. Dabei verkaufen Jugendliche einen Monat lang FAIRTRADE-Schokoladepralinen und faire Bio-Fruchtgummitierchen an Schulen und in Pfarren für den guten Zweck. Der Reinerlös fließt in Kinder- und Jugendprojekte. Heuer werden damit Programme in Myanmar und Kenia (Kampf gegen Menschenhandel), in Indien (Finanzierung einer Gehörlosen-Schule) und in Burundi (Hilfe für Jugendliche im Gefängnis) sowie ein Bildungsprojekt der Katholischen Jugend in Österreich unterstützt.

Ausbildung gegen Ausbeutung

Und genau das zu verhindern, ist das Ziel von Jucie Thein Shwe und ihren Mitschwestern. „Mit unserem Schneidereiprojekt wollen wir verhindern, dass junge Frauen nach Thailand gehen. Denn dort ist es gefährlich für sie. Wir ermöglichen ihnen in Myanmar eine Ausbildung und sie können hier auch arbeiten“, erklärt die Ordensfrau. Neben den Auszubildenden arbeiten derzeit elf Frauen in der Werkstatt der Schwestern und stellen monatlich etwa 400 Taschen in verschiedenen Größen her. Zusätzlich geben die Ordensfrauen armen Kindern Nachhilfeunterricht und bieten HIV-Infizierten Beratungen an.

Mit Süßem helfen

Dieses Programm gegen Menschenhandel ist eines von fünf Hilfsprojekten, die in diesem Herbst im Rahmen der Jugendaktion von Missio Österreich und der Katholischen Jugend besonders unterstützt werden. Dabei verkaufen engagierte Jugendliche an Schulen und Pfarren Süßigkeiten für den guten Zweck. „Die Jugendaktion setzt ein starkes, missionarisches und nachhaltiges Zeichen. Sie macht unsere christliche Nächstenliebe und unsere soziale Verantwortung konkret erfahrbar“, erklärt Missio-Nationaldirektor Pater Karl Wallner. Die Zahlen sprechen dabei für sich: Allein im Vorjahr haben sich 400 Schulen und 1.000 Pfarren beteiligt. Es wurden dabei 280.000 Packungen Pralinen und 58.000 Packungen Fruchtgummi verkauft.

„Mit unserem Schneidereiprojekt wollen wir verhindern, dass junge Frauen nach Thailand gehen. Denn dort ist es gefährlich für sie.”

Schwester Jucie Thein Shwe, Orden Unserer Lieben Frau der Mission

„Die Jugendaktion setzt ein starkes, missionarisches Zeichen. Sie macht unsere christliche Nächstenliebe und unsere soziale Verantwortung konkret erfahrbar.”

Pater Karl Wallner, Nationaldirektor von Missio Österreich

Mitmachen leicht gemacht

Die süßen Naschereien sind natürlich auch online bestellbar. Auch heuer stehen wieder Päckchen mit Fair-Trade-Schokoladepralinen oder mit Bio-Fruchtgummitierchen zur Verfügung. Dass die Jugendaktion ein Erfolg ist, hat sich auch über Österreichs Grenzen hinaus herumgesprochen. Papst Franziskus empfing im Vorjahr eine Delegation von Missio Österreich. Er lobte das Engagement der Jugendlichen und sagte auf Deutsch: „Oh, Schokolade – das ist gut.“ Wie wichtig die Jugendaktion ist, zeigt auch die Geschichte von Francisca. Denn ohne das durch Spenden finanzierte Schneidereiprojekt hätte ihr Leben einen ganz anderen Verlauf genommen.

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