Nachruf von Jutta Becker

Mit tiefer Trauer haben wir vom Tod des Priesters Father Ubald Rugaringoga aus Rwanda erfahren, der nach einer Corona-Infektion im November 2020 schwere Folgeschäden an Lunge und Herz hatte. Er kämpfte lange mit dem Leben. Um Weihnachten schien sich seine Gesundheit zu verbessern, doch am 8. Jänner verstarb er in der Nacht im Krankenhaus. Er war seit März 2020 für Exerzitien in den USA und konnte durch den Lockdown im April nicht in seine Heimat zurückkehren.

Pater Ubald wurde während seines Theologiestudiums am Großen  Priesterseminar St. Charles Borromeo in Nyakibanda, Diözese Butare, durch den Pfarrer  Karl Thaller und die Pfarrei Graz-Karlau über eine Priesterpatenschaft von Missio unterstützt. Nach seiner Priesterweihe am 22.07.1984 begann daraus eine Freundschaft zu wachsen, aus der ein großes Hilfswerk entstand.

Father Ubald Rugaringoga

Bis heute besteht eine Pfarrpartnerschaft zwischen der Pfarre Graz-Karlau und der damaligen Pfarrei von Father Ubald – Nyamasheke. Hier werden Häuser für Witwen errichtet, eine Lehrwerkstätte für Frauen und Männer seit Jahren immer weiter ausgebaut, Schulkinder unterstützt usw. Später kamen immer mehr Hilfsprojekte in der ganzen Diözese dazu, viele Kirchen und Pfarrhäuser wurden gebaut.

Mehr Infos gibt es unter http://www.rwandaspurderfreude.at/aktuell/unsere-partnerpfarre

Pfarrpartnerschaft mit der Pfarre Karlau Father Ubald

1994, als der furchtbare Genozid in Ruanda ausbrach, war auch Pater Ubald in Lebensgefahr. In seiner damaligen Pfarrei wurden über 8.000 Menschen ermordet. Mit der Hilfe des Diözesanbischofs konnte Pater Ubald über die Demokratische Republik Kongo fliehen. Als er bei seinen Freunden in Österreich ankam und dort erfuhr, dass seine ganze Familie bis auf einen Bruder und eine Schwester ermordet worden waren, sagte er damals zu Traude Schröttner, dass er nicht mehr Priester sein könne, weil er das „Vater Unser“ und besonders die Worte „wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ nicht mehr beten könne.

Christa Kübler, die damals den Arbeitskreis Weltkirche aufgebaut hat, hatte ihn daraufhin ermutigt nach Lourdes zu fahren. Traude Schröttner hat das Werk später übernommen. In Lourdes hatte er dann eine Gottesbegegnung. Als er den Kreuzweg betete, hört er bei der 2. Kreuzwegstation, wie Jesus ihm sagt: „Ubald nimm dein Kreuz an!“ Hier empfing er die Heilung für seine Wunden und erhielt die Gnade der Vergebung. Danach ist er sofort nach Ruanda zurückgekehrt.

Er begann in seiner Heimat über die Vergebung zu predigen und charismatische Heilungsgebete zu organisieren. Immer mehr Menschen strömten zu den Gebeten und Messen. Ein Familienvater aus Ruanda, der in Wien lebt erzählt: als ich ein Kind war, kamen die Menschen und wanderten tagelang, schliefen irgendwo auf der Straße, um zu den Gebeten von Pater Ubald zu gelangen. Er füllte ganze Stadien, die teilweise extra für diese Gebete aufgebaut wurden. Immer mehr Menschen berichteten von Heilungen. Pater Ubald ermutigt sie, Zeugnis davon zu geben. In seiner späteren Pfarrei Mushaka empfing er die Gabe der Heilung. Später sieht man ihn überall mit dem Allerheiligsten durch die Menschenmengen schreiten. Für Jesus ist alles möglich.

Pater Ubald gibt auch selbst Zeugnis: Bei einem Gebet im Gefängnis kommt ein Mann zu ihm, und sagt: „Weißt du eigentlich wer deine Mutter ermordet hat? Ich war es.“ Daraufhin fiel Pater Ubald auf die Knie und bat ihn: „Segne mich!“ Als der Mörder seiner Mutter  später freigelassen wurde, bat er Pater Ubald: „Ich möchte mit dir reisen und Zeugnis geben um die, die schuldig geworden sind ebenfalls zu ermutigen.“ Pater Ubald geht den Weg der Vergebung, begegnet nicht nur der Familie dieses Mannes, sondern nimmt die Kinder wie seine eigenen auf und unterstützt später ihre Schulbildung und das Studium.

2008 erzählt er der Besuchsdelegation der Pfarre Graz-Karlau von seinem Traum, ein Friedenszentrum am Kivu-See zu bauen, wo die Menschen die Liebe Gottes erfahren und den Ruf zur Umkehr und Versöhnung empfangen sollen. Zusammen mit der Pfarre und einigen seiner Großspender wird zuerst ein 28 Hektar großes Grundstück gekauft. Das Friedenszentrum liegt direkt am Kivu-See, ein See im Herzen von Zentralafrika auf der Grenze zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo. Tausende Menschen strömten auch aus den Nachbarländern nach Ruanda, um zu beten, den Messen beizuwohnen und Heilung zu erbitten. Beginnend mit einem Podium und einen Begegunszentrum bis zu 100.000 Personen soll das Zentrum wachsen und ca. 5.000 permanente sowie temporäre Wohnmöglichkeiten für 50.000 bis zu 100.000 Personen bereitstellen. In der zweiten Phase soll ein Krankenhaus für psychische Erkrankungen und in der 3. Phase eine Universität entstehen.

Der Traum von Pater Ubald wächst gerade noch, doch letztes Jahr wurde die große neue Kirche eingeweiht, ein langer Kreuzweg zieht sich über die Terrassen, die mit Gras und Blumen bepflanzt sind. An normalen Tagen findet man hier Ruhe mit dem traumhaften Blick auf den Kivu-See, bei Heilungsgebeten tummeln sich hier tausende von Menschen. Eine Treppe führt hinab zum See, wo die Menschen den Rosenkranz vor der Statue der Mutter Gottes von Kibeho beten und anschliessend auf Knien betend zum Barmherzigen Jesus auf dem Hügel pilgern. Mindestens einmal im Monat hören zahlreiche Priester nächtelang die Beichte.

Der Tod von Pater Ubald trifft auch seine Mitbrüder und den Bischof schwer: So viele Bekehrungen, so viele Menschen, die um Heilung beten und sich versöhnen – wie kann es weiter gehen? Doch dann kommt Hoffnung auf. Traude Schröttner, eine enge Freundin von Pater Ubald, und seinen Weg vor allem bei den vielen Gebeten hier in Österreich und auch nach Medujugorje begleitet hat, ist sicher, er ist schon jetzt ein großer Fürsprecher im Himmel. Sobald der Sarg aus Amerika überführt werden kann, ist geplant Pater Ubald hier im Friedenszentrum „Ibanga Amahoro“ zu begraben. So wie er es sich in seinem Testament gewünscht hat.

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