Nachhaltige Wege aus der Armut bahnen

Nachhaltigkeit: Die Unterstützung von Missio soll nicht nur eine kurzfristige Finanzspritze sein. Vielmehr ist es eine Starthilfe in ein selbstständiges Leben.

Fotos: ONG Vozama

Rasoanirina Jeanne d’Arc lebt in Madagaskar, einem der ärmsten Länder der Welt. Sie ist 38 Jahre alt, verheiratet und Mutter von fünf Kindern. Ihr Mann arbeitet auf dem Feld, das Einkommen war immer bescheiden. Doch dann nutzte sie die Chance und beteiligte sich am Projekt „Vozama“, das von Missio Österreich unterstützt wird – und ihr Leben und das ihrer Familie nahm eine neue Wendung.

„Ich habe von Vozama Hühner und eine Ausbildung in der Hühneraufzucht erhalten, mein Mann hat mich unterstützt und im Erdgeschoss des Hauses einen Hühnerstall gebaut“, erzählt Rasoanirina. Daraus wurde ein ertragreiches Geschäftsmodell: „Anfangs hatte ich vier Hühner. Im Juni 2017 verkaufte ich bereits 20 Hühner.“ Dafür erhielt Rasoanirina 260.000 Ariary (umgerechnet etwa 65 Euro). Diese investierte sie in zwei Schweine, die sie ein halbes Jahr später für 520.000 Ariary weiterverkaufte (umgerechnet etwa 129 Euro).

Das ist in Madagaskar viel Geld. „Mit diesem Geld, das ich mit meiner Arbeit verdient habe, haben mein Mann und ich beschlossen, ein eigenes Haus zu bauen“, erinnert sich Rasoanirina stolz. Zudem hatte sie nun genug Geld, um den Schulbesuch ihrer Kinder zahlen zu können.

BESTÄNDIGKEIT IM FOKUS

Hilfe zur Selbsthilfe: Missio Österreich legt bei der Förderung von Projekten viel Wert auf Nachhaltigkeit. Das heißt konkret: Es soll nicht nur vorübergehend geholfen werden, sondern langfristig. Ziel ist, dass die Projektpartner und ihre Vorhaben nicht von der finanziellen Hilfe aus dem Ausland abhängig bleiben, sondern sich diese eigenständig erhalten können. Dabei soll es vor allem zu einer anhaltenden Verbesserung der Lebenssituation der Menschen kommen. Das betrifft das eigene Erwirtschaften von Nahrung zum Leben, die Bereitstellung einer ausreichenden Gesundheitsversorgung, Bildung und genügend Arbeitsplätze. Da viele Länder Opfer des Klimawandels sind, spielt auch die ökologische Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle. Mit modernen Energieversorgungsmethoden wie Solaranlagen, neuen Anbaumethoden, Aufforstung oder mit nachhaltiger Wasserversorgung will man dieser Entwicklung gerecht werden.

Schritte in ein besseres Leben

Ohne die Hilfe von „Vozama“ hätte es Rasoanirina wohl nicht geschafft, die Lebenssituation ihrer Familie zu verbessern. „Vozama“ hilft aber nicht nur Erwachsenen, sondern auch den Jüngsten. „Einer der Hauptgründe der Armut in vielen Ländern ist der Mangel an Schulen. Darum springt die Kirche ein und gründet Schulen“, verdeutlicht Bruder Claude Fritz, der Leiter von „Vozama“. Kinder bekommen Vorschulunterricht und lernen schreiben, lesen und rechnen. Den Eltern werden bessere Anbautechniken näher gebracht, außerdem werden Umweltschutz und ein respektvollerer Umgang mit Ressourcen thematisiert.

Rasoanirina Jeanne d’Arc

„Mit diesem Geld, das ich mit meiner Arbeit verdient habe, haben mein Mann und ich beschlossen, ein eigenes Haus zu bauen.“

Rasoanirina Jeanne d’Arc

„Wir möchten junge Menschen befähigen, mitzudenken, mitzubestimmen und aktiv an der Entwicklung ihres Landes mitzuarbeiten, während sie gleichzeitig auch ihren Lebensunterhalt verdienen können.“

Jutta Becker, Head of International Projects
Madagaskar

„Ich fühle mit den Menschen mit. Sie leiden, aber sie sind nicht alleine mit ihrem Leid, ich bin bei ihnen.“

Bruder Claude Fritz aus Madagaskar

Nachhaltig helfen

„Vozama“ zeigt ganz deutlich, warum Missio bei der Auswahl der Projekte, viel Wert auf Nachhaltigkeit legt. „Die Förderung eines Projektes soll keine temporäre Angelegenheit werden. Uns ist wichtig dass eine geschaffene Infrastruktur, eine Bildungsmaßnahme, oder auch eine Nothilfe einen nachhaltigen positiven Einfluss auf das Leben der Menschen in dieser Region hat“, betont Jutta Becker, Head of International Projects bei Missio Österreich.

Zusätzlich unterstützt Missio auch immer wieder Projekte mit besonderen ökologischen Schwerpunkten. Dies geschieht vor allem in Ländern, die unter dem Klimawandel leiden. Was allen gemein ist: Missio berät und finanziert die Projekte, die Umsetzung erfolgt mit dem Netzwerk der Kirche vor Ort. Rasoanirina hat ihre Chance genutzt und die Hilfe von „Vozama“ dankbar angenommen.

„Ich freue mich über den Erfolg und die Tatsache, dass ich zu unserem Familienprojekt etwas beitragen konnte.“ Durch die Unterstützung aus Österreich kann „Vozama“ bestehen und vielen Menschen wie Rasoanirina in Madagaskar helfen, ihrem Leben eine Wendung zu geben – weg von der Armut.