Das Land der goldenen Pagoden

Das „Land der goldenen Pagoden“, so wird die ehemalige britische Kolonie in Südostasien oft genannt. Myanmar, das ehemalige Burma, ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Einst gehörte Myanmar zu den wohlhabendsten Ländern Asiens, heute ist es eines der ärmsten dieser Welt.

Myanmar ist etwa acht Mal so groß wie Österreich (678.528 km²). Im Land leben 135 verschiedene Volksgruppen. Die größte Ethnie sind die Birmanen. Neben der Amtssprache Birmanisch sprechen die Menschen viele weitere Sprachen und Dialekte.

Seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1948 kam es immer wieder zu gewaltsamen Konflikten zwischen der Zentralregierung und den ethnischen Minderheiten, die für mehr Rechte kämpfen. Aufgrund bürgerkriegsähnlicher Zustände kam es 1962 zu einem Militärputsch. Zwei aufeinanderfolgende Militärregimes führten das Land in die totale Isolation und in den wirtschaftlichen Ruin.

Prächtige Pagoden neben Wolkenkratzern aus Glas und Stahl

Seit seiner Öffnung im Jahre 2011 verändert sich vieles rasant. Waren Smartphones mit Internetzugang vor kurzem noch verboten und danach nicht leistbar, gehören sie in Yangon, der größten Stadt Myanmars, mittlerweile zum Stadtbild. Jugendliche schreiten in traditionellen Wickelröcken durch die Straßen, ihre Augen auf die Displays gerichtet. Auch in den Innenhöfen der goldenen Pagoden sitzen meditierende Mönche in orangefarbenen Gewändern neben Jugendlichen, die auf ihren Smartphones spielen.

Nur wenige Kilometer außerhalb der Millionenstadt sieht die Welt jedoch ganz anders aus. 70 Prozent der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft. Unter der britischen Herrschaft war Myanmar der weltweit größte Reisexporteur. Doch das Militärregime zerstörte die Wirtschaft des Landes und brachte es an den Rand einer Hungersnot. Seit dem Regimewechsel in 2011 bessert sich die wirtschaftliche Lage.

Leider nimmt die brutale Verfolgung religiöser und ethnischer Minderheiten kein Ende. Im Jahr 2016 brannte das Militär die ersten Dörfer von Rohingya nieder. Laut den Vereinten Nationen (UNO) mussten seither fast eine Millionen Angehörige dieser muslimischen Volksgruppe in das benachbarte Bangladesch flüchten. Mindestens 10.000 Menschen wurden getötet. Hasspredigende buddhistische Mönche hetzen die Bevölkerung gegen sie auf. Die Regierung tut nichts, um sie zu schützen. Auch die mehrheitlich christliche ethnische Minderheit der Karen leidet unter der Verfolgung durch das Militär. Ende der 1990er Jahre wurden sie systematisch vergewaltigt, ermordet und aus ihrer Heimat vertrieben. Zehntausende wurden zu Flüchtlingen im eigenen Land oder leben seit Jahren in Flüchtlingslagern an der Grenze zu Thailand.

DIE KIRCHE IN MYANMAR: EINE MINDERHEITENKIRCHE

Ganz Myanmar ist von einer tiefen Religiosität geprägt. Während 88 Prozent der Bevölkerung sich zum Buddhismus bekennen, umfasst die katholische Kirche in Myanmar gerade einmal einen Prozent der Gesamtbevölkerung. Als eigentliches Gründungsjahr der katholischen Kirche gilt 1722. Damals wurden zwei italienische Missionare aus dem Orden der Barnabiter in die heutigen Gebiete der Shan und der Mon gesandt. Heute hat Myanmar 3 Erzdiözesen und 13 Bistümer. Während des kommunistischen Militärregimes wurden alle kirchlichen Schulen und Krankenstationen zwangsenteignet und verstaatlicht. Wenig später wurden alle ausländischen Missionare, die den Großteil der Priester vor Ort stellten, des Landes verwiesen, sofern sie nicht schon vor der Unabhängigkeit eingereist waren. Neue Gotteshäuser durften fortan nicht mehr gebaut werden, die öffentliche Glaubensverkündigung war ebenfalls verboten. Die Militärregierung rechnete mit einem baldigen Verschwinden der Kirche. Doch aller Diskriminierung zum Trotz nahm die Anzahl der Gläubigen gerade unter den ethnischen Minderheiten zu. Unter dem starken Druck eines buddhistisch geprägten Regimes war der katholische Glaube identitätsstiftend. Auch heute spielt die katholische Kirche eine wichtige Rolle im Leben vieler Menschen in Not. Unabhängig von Religion und Volksgruppe helfen Ordensfrauen und -männer, Priester und Laien, wo ihre Hilfe gebraucht wird. Sie klären die Menschen über die Gefahren des Menschenhandels auf und bieten Mädchen die Möglichkeit, eine Ausbildung zur Schneiderin zu machen. So können sie Geld verdienen und sind nicht gezwungen im Ausland nach Arbeit zu suchen.

Menschenhandel: Verkaufte Körper

Tausende flüchten vor Armut und Verfolgung aus Myanmar. Oft geraten besonders junge Frauen und Männer in die Fänge von Menschenhändlern. Sie müssen sich prostituieren, als moderne Sklaven auf thailändischen Fischkuttern arbeiten oder werden als Haushaltshilfen ausgebeutet.

Die Versprechungen sind verlockend: Ein Job mit guter Bezahlung, dazu ein kleines Zimmer und genug Geld, durch das es auch der Familie in der Heimat gut geht. Mit Angeboten wie diesem locken Menschenhändler Jugendliche aus Myanmar nach Thailand. Sie wissen, dass viele Mädchen und Burschen keine Zukunft für sich in ihrer Heimat sehen. An der Grenze zu Thailand leben viele, die vor der Verfolgung durch das Militärregime oder durch radikale Buddhisten flüchten mussten. Sie haben keine Rechte und keine Arbeit. Um ihre Familien zu unterstützen, überqueren die Jugendlichen den Grenzfluss, der Myanmar im Süden von Thailand trennt. Ohne Aufenthaltsgenehmigung und Sprachkenntnisse sind sie den Menschenhändler in dem für sie fremden Thailand schutzlos ausgeliefert.

Sklavenarbeit auf Fischkuttern

Thailand ist auf die vielen Arbeiterinnen und Arbeiter aus Myanmar angewiesen. Von hier aus werden Fisch und Meeresfrüchte in die ganze Welt exportiert. Oft dürfen Burschen und Männer aus Myanmar die Fischkutter, auf denen sie arbeiten, monatelang nicht verlassen. Tag und Nacht fangen sie für Großkonzerne wie Nestlé Fisch und andere Meerestiere. Geld bekommen viele erst nach einem Jahr. Um die Männer an der Flucht zu hindern, behalten die Manager der Fangschiffe ihre Ausweispapiere. Immer wieder berichten Medien von Menschen, die einfach über Bord geworfen werden, wenn sie krank sind und nicht mehr arbeiten können. Auch Mädchen und Frauen aus Myanmar müssen in Thailands Fischereiindustrie arbeiten. Für einen Hungerlohn nehmen sie tagtäglich Fische aus und schälen Shrimps für den Export. Oder sie werden als Haushaltshilfen von wohlhabenden thailändischen Familien ausgebeutet, wo sie pausenlos arbeiten müssen, geschlagen und ihrer Freiheit beraubt werden. Manche bekommen das Angebot, in einem Hotel oder einer Bar als Kellnerin zu arbeiten. Dahinter verbirgt sich aber oft etwas Anderes: Viele Mädchen sehen keinen anderen Ausweg, als sich zu prostituieren.

Tödliche Folgen

Der Gefahr, die diese Arbeit mit sich bringt, sind sich die Mädchen oft nicht bewusst. Wenn sie zu ihren Familien nach Myanmar zurückkehren, sind sexuell übertragbare Krankheiten wie Aids häufig bereits ausgebrochen. Werden sie nicht behandelt, ist das für viele bereits das Todesurteil. HIV ist in Myanmar ein Tabu-Thema. Betroffene werden von Nachbarn und sogar ihren eigenen Familien gemieden. Viele wissen sehr wenig über die Krankheit und haben Angst, sich anzustecken. Trotz der hohen Zahl HIV-positiver Menschen in Myanmars Grenzstädten lassen sich viele aus Angst davor, ausgegrenzt zu werden, nicht testen. Unbemerkt geben sie so den Virus an ihre Kinder weiter. Dabei können HIV-positive Menschen heute mithilfe von Medikamenten verhindern, dass die Krankheit Aids ausbricht. Die Medikamente verringern auch das Risiko, andere mit dem Virus anzustecken. In zahlreichen kirchlichen und nichtkirchlichen Einrichtungen können sich Menschen testen lassen. Hier werden auch kostenlose HIV-Medikamente ausgegeben und Menschen im Umgang mit der Krankheit beraten.

Mit Nadelstichen gegen Menschenhandel

Menschenhandel Myanmar

“Manche Menschen, die Opfer des Menschenhandels wurden, wollen nicht mehr leben, denn sie werden ausgegrenzt. Wir kümmern uns um sie und versuchen, dieses Verbrechen zu verhindern.”

Schwester Jucie Thein Shwe
Menschenhandel Myanmar

“Ich habe befüchtet, dass andere Leute im Dorf herausfinden könnten, dass ich HIV-positiv bin. Vor allem wollte ich nicht, dass es meine Mutter erfährt, denn ich möchte, dass sie glücklich ist und sich keine Sorgen macht.”

Ma Naing Naing Maw

Um der Armut zu entfliehen, zieht es viele junge Menschen aus Myanmar ins benachbarte Thailand, wo sie leicht zu Opfern von Menschenhändlern werden. Katholische Ordensschwestern wollen junge Frauen vor diesem Schicksal bewahren.

Schwester Jucie versucht zu verhindern, dass Mädchen und junge Frauen in der Hoffnung auf Arbeit in die Fänge der Menschenhändler geraten. Die Ordensfrauen bieten ihnen eine Alternative und werden dabei von Missio Österreich unterstützt. In der Werkstatt der Schwestern können sie eine Ausbildung zur Schneiderin machen. Durch den Verkauf von selbstgenähten Taschen oder Schuluniformen verdienen die Frauen ihr eigenes Geld und können so ihre Familien versorgen. Während der Nähkurse werden sie über die Folgen des Menschenhandels aufgeklärt. „Zum Abschluss schenken wir jedem Mädchen eine Nähmaschine, damit können sie selbstständig arbeiten“, erzählt Schwester Jucie. Um sich voll auf ihre Arbeit konzentrieren zu können, werden auch die Kinder der Schneiderinne im Kindergarten der Schwestern versorgt.

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