Mit Gott in die Arbeitswelt

Justina und Stefan sind fleißig und gerade dabei, ihre Lehre abzuschließen. Beide wollen in ihrem Alltag ihre christlichen Werte konkret leben und auf Gott vertrauen.

von LENA HALLWIRTH UND MARKUS ANDORF

allewelt März/April 2020

Mehr als nur Arbeit

Justina Mooja

LEHRLING

Alter: 20

Wohnort: Anisakhan, Myanmar

Justina Mooja

Plaudernd und lachend steht Justina Mooja inmitten einer Gruppe junger Frauen vor einem flachen, mintgrünen Haus. Sie tragen Flipflops, traditionelle Wickelröcke und warme Westen, denn langsam wird es kühl in den Bergen unweit der myanmarischen Stadt Mandalay. Immer mehr gesellen sich dazu, bis sich die Frauen schließlich im bronzefarbenen Licht der untergehenden Sonne in Bewegung setzen. Ruhig schreiten sie auf und ab. Der Rhythmus ihrer Schritte gleicht dem Rhythmus ihrer Worte. Langsam gleiten die kleinen bunten Perlen der Rosenkränze durch ihre Finger. Justina ist 20 Jahre alt, seit zwei Jahren lebt sie hier, im Berufsausbildungszentrum der Don-Bosco-Schwestern. Bald wird sie wieder zu ihren Eltern ziehen – mit einem Abschlusszeugnis in der Tasche.

Es ist ihr zweiter Versuch, ihr Hobby, die Schneiderei, zu ihrem Beruf zu machen. Als ihre Familie in finanzielle Schwierigkeiten geriet, musste sie zugunsten ihrer älteren Schwester zunächst die Schule und später auch ihre Ausbildung abbrechen, um zu arbeiten. „Damals habe ich erkannt, dass es im Leben nicht nur darum gehen kann zu schlafen, zu essen und zu arbeiten, auch unsere Seele ist wichtig“, sagt Justina und streicht sich die Stirnfransen aus dem Gesicht. Dank eines Stipendiums des Ordens konnte sie doch noch eine Lehre machen. Der Religionsunterricht bedeutet ihr dabei besonders viel. Für Andersgläubige ist er nicht verpflichtend, dennoch besuchen ihn alle Lehrlinge des Zentrums, unter denen auch einige Buddhistinnen sind. „Wir lernen viel über die Religion, was es heißt Verantwortung zu übernehmen und wie wir friedlich mit anderen zusammenleben können“, erzählt Justina. Die Lehrlinge, die im Zentrum ausgebildet werden, gehören vielen verschiedenen Volksgruppen an. „Und auch sonst sind wir alle so verschieden, das macht das Zusammenleben nicht immer einfach.“ Besonders im Streit versuche sie sich deshalb bewusst zu machen, dass Jesus auch in der anderen Person ist. Das helfe ihr, die Wut aufzugeben, sagt Justina. In Zukunft möchte sie umsetzen, was sie gelernt hat: Als Schneiderin will sie Kleider für ihre Kundschaft entwerfen, als Christin möchte sie auf Menschen zugehen und ihr Leben mit anderen teilen.

Jeden Tag mit Gott

Stefan Neureither

LEHRLING

Alter: 24 Jahre

Wohnort: Wien, Österreich

Mit stolz geschwellter Brust und einem sympathischen Lächeln im Gesicht geht Stefan Neureither durch die Gänge seiner Berufsschule im 13. Wiener Gemeindebezirk. Seine Mitschülerinnen, Mitschüler und er haben gerade Mittagspause. Sie plaudern miteinander, scherzen, genießen die Zeit zwischen dem Unterricht. Stefan ist älter als die anderen Lehrlinge in der Schule, aber das stört ihn nicht: „Ich merke oft, dass ich einfach anders als die anderen bin, weil ich fünf Jahre älter bin.“ Stefan freut sich schon sehr auf seine Lehrabschlussprüfung im Herbst und seine Zukunft. Er will Weiterbildungen zum Abteilungsleiter machen und in absehbarer Zeit selbst einen Sparmarkt leiten: „Ich übernehme gerne Verantwortung und bin in einer Gruppe immer um ein gutes Klima unter den Menschen bemüht.“

Vor zwei Jahren hat sich Stefan entschieden, sich firmen zu lassen. Immer wieder hat er mit der Kirche und dem Glauben davor zu tun gehabt, aber jetzt wollte er eine Antwort auf eine wichtige Frage: „Ist dieser Gott wirklich da und hat er eine Bedeutung in meinem Leben?“ Stefan ist dankbar, dass er diese Zuversicht geschenkt bekommen hat. „Ich nehme mir jeden Tag in der Früh die Zeit, Gott zu bitten, dass er mich begleitet. Am Abend bete ich für einen Freund, dem es gerade nicht so gut geht.“ Für den 24-Jährigen schickt der christliche Glaube eine wichtige Botschaft in die Gesellschaft: „Wir sind alle Menschen, gehören zusammen und so sollten wir auch miteinander umgehen. Ich erlebe oft, dass sich Menschen überhaupt nicht füreinander interessieren und die Ellbogen gegeneinander ausfahren.“

Für die Zukunft wünscht sich Stefan einen Job, der seine Existenz sichert und ihm Spaß macht, außerdem eine kleine, eigene Familie mit Kindern. Er hofft, dass ihn Gott auch dabei weiterhin begleitet. Wenn der Lehrling am Samstagnachmittag mit der Berufsschule oder der Arbeit fertig ist, geht er oft in die Abendmesse in seiner Heimatpfarre in Wien Floridsdorf. „Da kann ich ruhig werden und mich auf das wirklich Wichtige konzentrieren.“ Nach der Messe zündet er gerne noch eine Kerze an – für seine Großmutter und für seine Schwester, die er vor 12 Jahren verloren hat. Stefan hat großes Vertrauen, dass sie heute ganz bei Gott ist.

Stefan Neureither