Kenia

Ein beliebtes Reiseziel, bekannt für seine berühmten Safari-Nationalparks und seine weißen Strände – profitiert mit der großen Naturvielfalt seit Jahrzehnten vom Tourismus. Viele Kenianer haben in der Tourismusbranche einen guten Job gefunden, was zur Regionalentwicklung und zum Wohl der Bevölkerung beigetragen hat. Doch Kenia kämpft auch gegen die negativen Auswüchse dieser Entwicklung, den Sex-Tourismus und die Ausbreitung des Menschenhandels – die andere Seite der Medaille. 

Bevölkerungswachstum und Migration

Kenia steht heute vor großen Herausforderungen. Trotz positiver wirtschaftlicher Entwicklungen gibt es weiterhin extreme Ungleichheiten auf vielen Ebenen. 44 Prozent der Bevölkerung leben weiterhin unter der Armutsgrenze. In Nairobi reihen sich große Slums an Wolkenkratzer. Wie in vielen anderen afrikanischen Staaten wächst auch in Kenia die Bevölkerung rasant, was vor allem in der Hauptstadt und anderen größeren Städten zu Problemen führt. Die Einwohnerzahl von Nairobi hat sich in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt und liegt heute bei etwas über drei Millionen. 

Kenia ringt auch mit hunderttausenden Flüchtlingen, die seit Jahren aus dem Südsudan, Somalia und aus anderen afrikanischen Krisenstaaten hierher strömen. In Kakuma, einem Flüchtlingscamp im Nordwesten Kenias, fristen seit Anfang der 1990er Jahre Menschen aus dem Sudan und dem Südsudan ihr Dasein. Sie sind vor den kriegerischen Auseinandersetzungen des Sezessionskrieges in ihrem Land geflohen. 2013 ist in diesem jüngsten Staat Afrikas erneut ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Seither strömen wieder tausende Menschen nach Kakuma. Heute leben etwa 180.000 Menschen aus dem zerrütteten Nachbarland in diesem Lager. Weitere 400.000 Somalier bevölkern unweit der somalischen Grenze Dadaab, das größte Flüchtlingslager Afrikas. 

Die größte Dürre seit Jahrzehnten

Der Norden Kenias, der bereits durch das generell sehr trockene Klima und die Präsenz der vielen Flüchtlinge geschwächt ist, wird zur Zeit von der größten Dürrekatastrophe seit 70 Jahren heimgesucht. Das Ausmaß der Dürre hat auch mit den klimatischen Veränderungen zu tun. Die kenianische Regierung hat im Februar in 23 Verwaltungsbezirken den Notstand ausgerufen. In zehn von ihnen herrscht bereits eine Hungerkatastrophe, auch in der Turkana. Mehr als zwei Millionen Menschen, darunter 350.000 Kinder, sind von der Hungersnot betroffen. In der Turkana, wo 70 Prozent der Wasserquellen versiegt sind, koordiniert die lokale Caritas gemeinsam mit Priestern und Ordensleuten der Diözese Lodwar die Nothilfe vor Ort. 

Ein ethnisch gespaltenes Land
Neben all diesen Herausforderungen gibt es noch die internen ethnischen Konflikte. In Kenia leben mehr als 40 unterschiedliche Volksgruppen, die sich untereinander kaum verständigen können, weil jede Ethnie eine andere Sprache spricht. In der Schule lernen sie zwar die zwei offiziellen Nationalsprachen, Suaheli und Englisch, doch nicht alle haben Zugang zur Bildung. Die Analphabetenrate liegt in Kenia heute noch bei 24 Prozent. Unzureichende Bildung trägt auch dazu bei, dass vor allem Menschen in den ärmeren, ländlichen Regionen weiterhin in einem alten Stammesdenken verhaftet sind: Ein jeder kämpft für die Interessen seines eigenen Stammes und betrachtet die Mitglieder eines anderen Stammes als potentielle Feinde. 

Kleine Christliche Gemeinschaften engagieren sich für Friede und Versöhnung 
„Ich bin zuerst eine Christin, als zweites Kenianerin und als drittes eine Kikuyu,“ erklärte Djamila, eine Frau aus Nairobi, nachdem es im Jänner 2008 zu ethnischen Unruhen in einigen Teilen des Landes kam. Djamila ist eine engagierte Katholikin und Mitglied einer Kleinen Christlichen Gemeinschaft in der Pfarre St. Paul von Nairobi. In Kenia gibt es mehr als 35.000 Kleine Christliche Gemeinschaften (KCG), deren Mitglieder sich regelmäßig in privaten Häusern zum Gebet treffen. Gebetsgruppen von engagierten Laien wie jene von St. Paul haben in den vergangenen Jahren zur Überwindung der ethnischen Konflikte in Kenia beigetragen. 

Eine lebendige, junge Kirche
Für eine friedvolle und versöhnte Gesellschaft setzen sich vor allem auch die vielen Priester und Ordensleute in Kenia ein. Als Friedensstifter in den Konfliktgebieten sind sie oft die einzigen Vermittler zwischen den kämpfenden Ethnien. In der Öffentlichkeit haben ihre Worte Gewicht. Die Kirchen sind an den Sonntagen voll mit jungen Familien. Sie sind Kenias Hoffnung für eine bessere Zukunft. In den Familien wachsen auch neue Berufungen. In Kenia sind die Priesterseminare überfüllt. Es mangelt nicht an Priesterberufungen. Doch es fehlt an finanziellen Mitteln, durch die noch mehr Priester und Ordensleute ausgebildet wer- den könnten 

Fotos zu Kenia können Sie gerne per Mail an medien(at)missio.at anfragen!

 

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