Ich lasse mich nicht verbiegen

Mijou Kovacs: Sie wuchs nicht nur zweisprachig, sondern zwischen zwei Welten auf. Ihre doppelte Herkunft prägte die Schauspielerin Mijou Kovacs auch in der Auswahl ihrer Rollen. Am Höhepunkt ihrer internationalen Karriere war sie trotz ihres Erfolges innerlich ausgebrannt. Der Glaube an Gott holte sie wieder ein, als sie ihren emotionalen Tiefpunkt erreicht hatte.

allewelt November/Dezember 2020

Mijou Kovacs vor einer Berglandschaft

„Meine Mutter hat mich vor allem mir ihrem starken Glauben geprägt: Als ich ein Kind war, sang sie jeden Abend bei meinem Bett das ‚Salve Regina‘, ‚Ave Maris Stella‘ und das ‚Nunc dimittis‘ des heiligen Simeon. Bis heute singe ich diese lateinischen Kirchenlieder abends.

„Ich war nach Dreharbeiten ausgebrannt. In der Sieveringer Kirche saß ich dann einmal alleine und sah im Dunkeln das Ewige Licht brennen. Plötzlich spürte ich, wie ganz zart von unten etwas Helles in mir heraufkam. Es war eine Welle, die mich mit unglaublicher Zärtlichkeit überkam und meine schwarz-düsteren Gedanken auf einmal weggespült hat. Dann ging ich, innerlich tanzend, hinaus und wusste auf einmal: Gott existiert!“

„Ich habe gelernt: Wenn man zuvor bei den Proben alles gegeben hat und dann alles abgibt, spielt der Heilige Geist durch dich. Wenn du nicht genug geübt hast und Fehler machst, dann wird es der Heilige Geist nicht ausgleichen und die Verantwortung fällt auf dich zurück.“

MIJOU KOVACS

gab bereits in ihrem zweiten Studienjahr am Max-Reinhardt-Seminar ihr Debüt am Theater in der Josefstadt in Shakespeares „Wie es euch gefällt“ in der Regie ihres Mentors Klaus Maria Brandauer. Ihr Durchbruch gelang ihr an der Seite von Curd Jürgens im Stück „Berggasse 19“ über Sigmund Freud in der Rolle der Elisabeth Ritter. Kurz danach begann sie, in vielen Fernsehproduktionen mitzuwirken, wie unter anderem in der erfolgreichen ORF-Serie „Ringstraßenpalais“. Auch durch internationale TV- und Theater-Produktionen in englischer, französischer und italienischer Sprache wurde sie einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Vor einigen Jahren begann sie selbst Regie zu führen. Ihre erste Dokumentation „Engel im Meer“ über den Mont-Saint- Michel wurde ein großer Erfolg. Vor drei Jahren erschien ihre zweite Dokumentation über den Rockerpriester Guy Gilbert.

„Nach dieser Gottesbegegnung fühlte ich mich auf einmal so leicht und war wie verliebt. Ich wusste, die Tiefe dieses inneren Erlebnisses kann mir niemand rauben. Dieses Gefühl begleitet mich bis heute. Es ging alles so schnell. Bei Gott spielt Zeit und Raum keine Rolle. Ich war so erstaunt und konnte auf einmal an Gott glauben. Zugleich war ich total überfordert damit und wusste nicht, wohin mit dieser Gewissheit.“

„Unglaublich, was Gott mit uns alles durchmachen muss wegen unserer Irrtümer! Endlich war ich offen für Ihn, weil ich nach langen Dreharbeiten innerlich ausgebrannt war. Da habe ich verstanden: Er ist mein Retter und Erlöser!“

„Die Gefahr der Verführung im Beruf eines Schauspielers ist groß, da die dunkle Seite dieses Metiers dich immer wieder an sich ziehen möchte. Deshalb ist keine große Rolle harmlos. Alles färbt auf deine Seele ab. Du kannst mit einer Rolle wachsen, aber eine Rolle kann dich auch zerstören.“

lachende Mijou Kovacs