Ein Liebesbrief für dich

Das Sakrament der Ehe ist nicht bloß ein Versprechen vor einem Priester. Es ist ein tägliches Ja zueinander, auch wenn das im Alltag nicht immer leicht ist. Dabei möchte die Initiative Paare unterstützen und auch Ordensleuten und Priestern helfen, ihre Beziehungen zu vertiefen.

allewelt Juli/August 2020

Zehn Minuten nimmt sich Laura Zeit, dann überreicht sie Daniel ihren Liebesbrief wie ein Geschenk. Auch Daniel hat Laura einen Liebesbrief geschrieben. Dazu haben sich die beiden gefragt: Wie fühle ich mich, wenn ich an einen besonderen Augenblick in unserer Beziehung denke und dir davon erzähle? Zehn Minuten sind kurz. Wer länger Zeit hat, komme schnell ins Erklären und Rechtfertigen. Ziel dieser Übung ist es aber, seine eigenen Gefühle zu erkunden, sie mit dem Partner oder der Partnerin zu teilen und einander so beim anschließenden Austausch nahezukommen. Danach geht es an diesem Marriage Encounter- Wochenende zurück in die Gruppe zum nächsten Impuls. Ein Priester und drei Paare mit viel Erfahrung darin, sich füreinander zu öffnen, sprechen dabei ganz persönlich über ihre Beziehungen – die schönen, wie die schmerzhaften Seiten und wie sie Stolpersteine überwinden.

Marriage Encounter

MARRIAGE ENCOUNTER

Paare:  4.300 Paare haben Marriage Encounter in Österreich bereits kennengelernt

Gründung: 1969 in den USA

Verbreitung: in rund 100 Ländern

Leitgedanke: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“

So begleiten sie Paare, die sich auf die Ehe vorbereiten, die ihre Beziehung nach vielen gemeinsamen Jahren neu beleben wollen, und Paare, denen ein achtsames, liebevolles Miteinander wichtig ist. Auch Priester und Ordensleute sind eingeladen, ihre Beziehungen zu reflektieren und zu vertiefen. Für Familien gibt es spezielle Angebote mit Kinderbetreuung. Im Alltag täglich aufs Neue bewusst Ja zueinander zu sagen, ist nicht immer leicht. Gerade jetzt belastet die Coronakrise viele Paare durch Arbeitslosigkeit oder Homeoffice, Heimunterricht und die eingeschränkte Freiheit sehr. In Seminaren, Austauschgruppen und auch online will Marriage Encounter sie dabei unterstützen, wertschätzend aufeinander zu schauen und zueinander zu stehen – an guten und weniger guten Tagen. Ein Liebesbrief kann dabei das größte Geschenk sein.

Marriage Encounter

Kinder wünschen sich nichts sehnlicher, als dass ihre Eltern gemeinsam glücklich sind. Leidet die Beziehung, leiden Kinder besonders darunter. Das erkannte der Jesuitenpater Chuck Gallagher bei seiner Arbeit als Familienseelsorger und entwickelte Seminare, um Paare dabei zu unterstützen, ihr gegenseitiges Vertrauen und die Freude aneinander zu stärken. Heute ist die Initiative, die in der katholischen Kirche beheimatet und für alle Menschen offen ist, von Haiti bis Russland und von Norwegen bis Kenia aktiv. In Einführungsseminaren lernen Paare alltagstaugliche Methoden, um einander nahe zu kommen und offen zu kommunizieren. In weiterführenden Seminaren und Gesprächsgruppen entdecken sie immer wieder neue Seiten aneinander.

Drei Fragen …

an Heidi Stari, eine der drei Österreichverantwortlichen von Marriage Encounter

Heidi Stari

1 | Was bedeutet Mission für dich?

Menschen das lebendige Evangelium nahezubringen und sie anzustecken, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Man muss nicht immer Einzelkämpfer sein und sich durchsetzen. Es lohnt sich, hinzuschauen, was man wirklich leben möchte. Wenn mir bewusst ist, dass ich einmalig und ein von Gott geliebtes Wesen bin, dann schenkt das Mut und Kraft – das ist für mich das lebendige Evangelium.

2 | Was motiviert dich in deinem ehrenamtlichen Engagement?

Die Erfahrungen! Ich bin ganz fest davon überzeugt, dass wir die Welt verändern können, wenn wir einander in bedingungsloser Liebe begegnen. Begegnen wir einander wertschätzend und achtsam, kommt das sofort zurück und trifft direkt ins Herz. Zu entdecken, wie ein Mensch dann aufblüht, ist einfach schön. Das kann man nicht mit Schmuck oder Geld ersetzen.

3 | Was ist deine Mission für Österreich und darüber hinaus?

Stell dir vor, was die Liebe bewirken kann, wenn wir versuchen, statt Macht, Rechthaberei und guten Argumenten, das Gegenüber als wirklich gleichwertig, das heißt als Mensch zu sehen! Wir träumen davon, dass viele Menschen das leben. Auch wenn sie sich von der Kirche entfernt haben, haben viele Menschen Sehnsucht nach dem Glauben. Diese Sehnsucht wollen wir wecken und stärken.

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Philipp Langmann

PHILIPP LANGMANN

allewelt-Redakteur Print und Online

Mission heißt für mich …

Räume zu schaffen, für die beste Begegnung und die größte Geschichte im Leben. Warum kann die Kirche heute nicht so sein wie meine Pfarre in meiner Kindheit und Jugend? Sicher, schon damals war sie kein populäres Mehrheitsprogramm mehr. Aber war nicht vieles besser, als das, was man heute erlebt? Ich denke an eine liebgewonnene Sonntagsliturgie, einen spannenden Ministrantendienst und (zumindest an den Feiertagen) eine übervolle Kirche, in der die Gemeinde den Gottesdienst mit einem kräftig gesungenen „Te Deum“ beschließt. Heute dagegen feiert ein versprengtes Häuflein den Sonntag und die Mini-Stunde konkurriert mit der schulischen Nachmittagsbetreuung. Ich bin dankbar, dass ich Jesus Christus und den Glauben durch meine Familie und meine Pfarre kennenlernen durfte.

Aber „Mission“ war etwas, das Profis in den „Entwicklungsländern“ machen. Es hat gedauert, bis ich erkannt habe, dass Mission nicht etwas ist, das man zusätzlich zu anderen Aktionen durchführt. Die größte Geschichte ist weltverändernd und will weitergegeben werden! So ist Mission nicht nur ein Auftrag für andere auf anderen Kontinenten, sondern wird tief verwoben mit dem eigenen Glaubensleben. Bei Missio sehe ich es mit eigenen Augen: Wo das verstanden und gelebt wird, da blüht die Kirche. Wenn wir heute beginnen, uns missionarisch auszurichten, kehrt zwar die Vergangenheit nicht wieder, dann steht uns aber das Beste erst bevor.