Glaubensrichtungen gehen Hand in Hand

Für Schwester Mariangela Mayer ist der Senegal seit mehr als dreißig Jahren eine zweite Heimat. Die gebürtige Oberösterreicherin erlebt täglich, wie friedvolles Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen funktionieren kann.

allewelt Juli/August 2019

„Christen und Muslime begegnen einander sehr respektvoll und deshalb funktioniert auch das Zusammenleben so gut“, sagt Schwester Mariangela Mayer. Über 90 Prozent der Bevölkerung des Senegal bekennen sich zum Islam, die Christen bilden eine Minderheit. 1987 kam die studierte Mathematikerin und Religionspädagogin nach Senegal. Seitdem hat der Orden der Ursulinen viel aufgebaut.

„Katholische Einrichtungen werden hoch geschätzt, die Menschen haben Vertrauen zu den Schwestern“, beschreibt Schwester Mariangela ihre Erfahrungen. Deshalb besuchen Senegalesinnen und Senegalesen unterschiedlicher Religionen gerne die katholischen Schulen oder Gesundheitseinrichtungen.

Schwester Mariangela Mayer mit einem senegalischem Kind

Schwester Mariangela Mayer 

aus der Diözese Thiès

Kommt aus: Andorf in Oberösterreich

Missionarin in: seit 1987 im Senegal

Orden: Ursulinen (OSU). Dem ersten weiblichen Schulorden gehören weltweit über 10.000 Schwestern an. Innerhalb des Ordens gibt es unterschiedliche Kongregationen. 

Hauptaufgabengebiet: Verwaltung und Buchhaltung im Orden und in der Volksschule; Religionsunterricht in den Pfarren

Zusammenhalt in Krisenzeiten

In den dreißig Jahren, in denen ich schon im Senegal bin, habe ich noch nie so eine extreme Dürre erlebt wie im letzten Jahr. Es herrscht Wassermangel, die gesamte Ernte ist ausgefallen. In solchen schwierigen Situationen faszinieren mich die Menschen hier noch mehr: Sie geben die Hoffnung nicht auf.

Der Ausdruck „Gott ist groß“ bleibt dann keine Floskel, sie vertrauen darauf, dass der Herr ihnen im nächsten Jahr wieder eine bessere Ernte schenken wird. Und auch die Solidarität der Menschen ist beeindruckend. Wenn jemand etwas hat, dann wird das geteilt, bis zum letzten Reiskorn.

Staatliche Hilfe erreicht die Menschen in den ländlichen Regionen nur selten und das ist oft sehr entmutigend. Dann aber diesen Zusammenhalt unter den Familien zu sehen, bestärkt mich in meiner Arbeit.

Gottes Segen!

Mariangela Mayer

Ich versuche, den Kindern christliche Werte wie Vergebung, Respekt oder Solidarität zu vermitteln.

Schwester Mariangela, Diözese Thiès

Qualitätvolle Bildung für eine bessere Zukunft

Seit ein paar Jahren sind die Ursulinen auch in Sandiara, einem Dorf etwa 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Dakar, tätig. Schwester Mariangela ist für die Verwaltung des lokalen Kindergartens und der Grundschule mit jeweils rund 85 Kindern zuständig. „Die Eltern entscheiden sich vermehrt für unsere Privatschule, weil wir eine qualitativ höhere Ausbildung bieten als die öffentlichen Schulen“, so die Oberösterreicherin: „Das liegt an der niedrigeren Schüleranzahl pro Klasse, der extrem hohen Erfolgsquote bei den Abschlussprüfungen sowie den engagierten Lehrkräften.“

Das größte Hindernis für viele Familien ist das Schulgeld. Obwohl die Schwestern die Gebühren extrem senken, können es sich viele nicht leisten. „Um möglichst viele Kinder unterrichten zu können, wird ein Großteil unserer Kosten durch Patenschaften abgedeckt“, sagt Schwester Mariangela.

Pater Karl Wallner

Schwester Mariangela beeindruckt mich: Sie gibt Menschen unterschiedlicher Religionen ein authentisches Zeugnis der Liebe Jesu Christi.

Pater Karl Wallner

Drei Fragen…

Was bedeutet Mission für Sie?

Gemeinsam mit meinen Mitschwestern für Jesus da zu sein und ihn zu bezeugen durch das, was wir tun, aber zu allererst durch das, was wir sind. In dieser Fülle des Lebens, die der Herr geschenkt hat und schenken will, ganz einfach tagtäglich zu leben und sie mit den Menschen zu teilen, denen ich täglich begegne.

Wieso sind Sie Missionarin geworden?

Ich war immer schon engagiert in der Kirche und hatte eine starke Beziehung zu Jesus, aber bis zu meinem Studium der Mathematik und Religionspädagogik hatte ich mir immer eine eher klassische, geordnete Zukunft mit Familie und Eigenheim vorgestellt. Eine Begegnung mit Ursulinen aus Salzburg hat dieses Bild verändert und mich dann nach Afrika in die Mission geführt.

Was waren anfangs Ihre größten Herausforderungen? 

Das sind Faktoren wie das Klima, die Hitze oder ungewohnte Lebensumstände. Wenn ich auf Heimaturlauben in Österreich bin, merke ich, was mir im Senegal besonders fehlt. Das sind so Kleinigkeiten wie österreichisches Brot oder das angenehme Klima. 

Katharina Breiner mit einem Kind

Katharina Breiner

Redakteurin PR & Communications Missio Österreich

Mission heißt für mich…

…den anderen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und meinen Glauben authentisch zu leben. Für mich hatte der Begriff „Mission“ lange Zeit einen negativen Beigeschmack. Deshalb fühlte ich mich auch nicht als Missionarin, als ich vor einem Jahr als Volontärin nach Bolivien ging. Ich hatte mir vorgenommen, den Menschen dort zu begegnen, ohne sofort ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen oder sie von oben herab belehren zu wollen.

Denn Mission bedeutet für mich, sich auf die andere Person einzulassen, auf ihre Kultur, ihre Sprache und ihre persönliche Einstellung. Ihr zuhören, damit ich erkennen kann, wo sie meinen Zuspruch oder einen Rat braucht. Genau dort kann ich mit der Hilfe des Heiligen Geistes missionarisch wirken. In Bolivien habe ich erfahren, dass ich als „Missionarin“ oft viel mehr lerne, als ich den Menschen vor Ort weitergeben kann. Man könnte fast sagen, ich wurde selber missioniert.

Diese Erfahrung der Mission, die aus einem gegenseitigen Schenken und Beschenktwerden besteht, versuche ich auch in meinen Alltag einzubauen. Das geschieht häufig durch unscheinbare Dinge, zum Beispiel wenn ich zuhöre oder kleine Dienste in der Familie, in der Pfarre oder in der Arbeit bei Missio übernehme. Indem ich meinen Weg mit Gott authentisch gehe, gebe ich Zeugnis von seinem Wirken und kann Missionarin sein für andere.