Eine Brücke zwischen Kulturen

Liebe, Glaube und Musik haben sie in ihrem Leben am meisten geprägt. Die in Österreich lebende indische Pianistin Marialena Fernandes ist eine Brücke zwischen Kulturen. Vor allem dann, wenn sie einmal im Jahr in Indien mit jungen Musikerinnen und Musikern aus Europa und Südindien Musik macht.

allewelt Juli/August 2020

Marialena Fernandes

„Das Kreuz ist für mich ein starkes Symbol. Es hat auch mein Leben in zwei so unterschiedlichen Kulturen inspiriert und ‚durchkreuzt‘. Ich empfinde es als meinen kulturellen Auftrag, eine Brücke der Verständigung zu schlagen zwischen Europa und Indien.“

„Gott ist für mich da. Er hat immer wieder eine Antwort bereit, gerade auch in schweren Zeiten. Sogar in Krisensituationen spüre ich seine Inspiration. Ich zweifle an vielen Dingen im Leben, aber was meinen Glauben betrifft, da war ich immer überzeugt.“

„Mein ganzes Leben in Bombay war geprägt vom christlichen Glauben. Als Kind habe ich meine Eltern fast täglich in die Kirche begleitet und an manchen Sonntagen, als ich älter war, sogar auf der Orgel improvisiert, während meine Mutter gesungen hat.“

MARIALENA FERNANDES

wurde in Bombay/Mumbai in eine indische Musikerfamilie mit tiefen christlichen Wurzeln geboren. Die Leidenschaft für Musik prägte sie seit ihrer Kindheit. Neben ihrem Psychologiestudium an der University of Bombay absolvierte sie das Royal Trinity College of Music. 1971 kam sie mit einem Stipendium nach Wien, um an der damaligen Akademie (nun Universität) für Musik und darstellende Kunst Klavier als Konzertfach weiter zu studieren. Internationale Preise verhalfen ihr zu einer weltweiten Konzerttätigkeit. Seit 2015 reist sie jedes Jahr mit jungen Musikerinnen und Musikern aus Wien nach Südindien, um mit interessierten Einheimischen in Dialog und Interaktion zu treten. Auf diese Weise wird die Liebe zur Musik für alle zum Bestandteil des Lebens.

„Geistig bin ich in meinem Gedankengut stark von der indischen Kultur beeinflusst. Spirituell gesehen hat mich der katholische Glaube geprägt, den meine Vorfahren in Goa schon vor ca. 450 Jahren von den Portugiesen übernommen haben.“

„Meine Mutter fragte uns einmal, warum wir nur von der Furcht Gottes reden; Es ist eigentlich die Liebe Gottes, die viel mehr wert ist und Wert hat. Wir brauchen keine Angst vor Ihm zu haben.“

„Meine Mutter hat viel gegeben, um anderen Menschen zu helfen. Ich versuche jetzt wie sie ein Beispiel für andere zu sein und möchte meinen Studierenden vieles weitergeben, was ich durch die Erziehung bekommen habe.“

„Wir haben als Kinder gelernt zu teilen, weil meine Eltern immer den Armen geholfen haben. Ich bin dankbar für die Geborgenheit und Liebe, die ich in meiner Familie erfahren durfte.“

MusikerInnen bei einem Konzert in einer Kirche