Jung, modern und voll katholisch

Bunte Scheinwerfer setzen barocke Kirchenmauern in Szene. Statt in Liederbüchern stehen Liedtexte auf Flachbildschirmen. Die Lobpreisband spielt rockige Klänge in der heiligen Messe. Auch so kann die katholische Kirche aussehen und das nicht nur bei Jugendfestivals.

allewelt März/April 2020

Der erste Akkord ertönt im ehrwürdigen Salzburger Dom. Die Band beginnt den Lobpreis. Tausende Menschen, Jugendliche und Junggebliebene, heben ihre Hände zum Gebet – manche noch zögerlich, andere voller Leidenschaft. Rund 8.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 28 verschiedenen Ländern kamen im letzten Jahr zum Pfingstkongress. Doch sie kommen nicht nur wegen der rockig-poppigen Lobpreismusik. Es ist die lebendige Gemeinschaft von jungen Christinnen und Christen, Priestern und Ordensleuten, die sie anzieht.

Loretto beim Salzburger Dom

Loretto Gemeinschaft

Mitglieder: 700 Laien und Priester

Gründung: 1987 in Medjugorje (Wallfahrtsort in Bosnien-Herzegowina)

Vision: Räume schaffen, in denen Gott erfahrbar wird

Status: Laiengemeinschaft, approbiert durch die Österreichische Bischofskonferenz

Lebendige Kirche

Seit 21 Jahren organisiert die Loretto Gemeinschaft zu Pfingsten dieses Fest der Jugend, das mittlerweile das größte katholische Jugendtreffen in Mitteleuropa ist. Das Festival wird auch per Livestream im Internet übertragen. Rund eine Million Menschen haben so das Programm im vergangenen Jahr mitverfolgt – Tendenz steigend. Neben dem Lobpreis, den Messen mit verschiedenen katholischen Würdenträgern und den Workshops sind ein eigenes von Jugendlichen produziertes Musical und der Abend der Barmherzigkeit zwei der großen Highlights des Festivals.

130 Priester hören an diesem Abend die Beichte – im Dom und auf dem Domplatz neben den vorbeiziehenden Touristenströmen. Stundenlang stehen die Jugendlichen bei den Priestern Schlange. Verwunderte Passantinnen und Passanten staunen über eine katholische Kirche voller Leben und jugendlicher Freude.

Großen Anteil an dieser besonderen Atmosphäre haben die rund 400 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die teilweise schon Wochen und Monate vorher unermüdlich arbeiten. Am Pfingstwochenende sind die Frauen und Männer, die zum Großteil zur Loretto Gemeinschaft gehören, als Musiker, Kameraleute, Gebetsteams, Ordner, Putztrupps und in vielen anderen Bereichen rund um die Uhr im Einsatz. Warum? Damit Jesus Christus erfahrbar wird.

Die Loretto Gemeinschaft

Drei Jugendliche, der Rosenkranz und Wurstsemmeln: Das war der erste Gebetskreis der Loretto Gemeinschaft. Mittlerweile gibt es 45 Gebetskreise in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Italien und Ungarn, wo junge Menschen Gott und die Kirche kennenlernen können. Daneben organisiert Loretto verschiedene Festivals, wie das Pfingstfestival in Salzburg oder die Herbsttage in Wien. Gebetsräume, in denen jeden Tag 24 Stunden lang eucharistisch angebetet wird und Lobpreislieder erklingen, gehören zu den fixen Pfeilern der Gemeinschaft, genauso wie Glaubenskurse, professionelle Medienarbeit und vielfältige Angebote für Familien. Loretto ist als geistliche, marianische Bewegung in der katholischen Kirche verwurzelt, gleichzeitig auch ökumenisch und am Puls der Zeit.

Drei Fragen …

an Georg Mayr-Melnhof, Gründer der Loretto Gemeinschaft

Was bedeutet Mission für dich?

Für mich heißt Mission, die Botschaft Jesu zu den Menschen zu bringen – auf kreative und überzeugende Weise. Im Idealfall führe ich die Menschen zu Jesus, um sie dann in weiterer Folge zu begleiten, hinein in ein Leben der Nachfolge. Für gelungene Mission braucht es Kühnheit und gute, verrückte Ideen.

Was sind die größten Herausforderungen für die Kirche heute?

Sie muss die richtige Verpackung für den besten Inhalt finden. Der Inhalt ist top. Etwas Besseres gibt es nicht. Viele kaufen im Supermarkt das Produkt, das am ansprechendsten verpackt ist. Kirchliche Verpackung ist leider oft wirklich sehr langweilig. Das ist die spannende Herausforderung dieser Tage, ganz besonders in der Jugendarbeit. Ich träume von exzellent verpacktem Inhalt in ganz vielen Bereichen unserer Kirche. 

Was ist deine Mission für Österreich und darüber hinaus?

Eine neue Generation an jungen Menschen für Jesus zu formen, das ist meine Mission: Leidenschaftliche, brennende Youngsters. Ansteckend coole und gleichzeitig im Heiligen Geist gesalbte junge Männer und Frauen, die sich voll und ganz im Reich Gottes einsetzen. Sie sind neue Missionarinnen und Missionare für unser Land und darüber hinaus.

Johannes Laichner

Johannes Laichner

Missio-Diözesandirektor

Diözese Innsbruck

Mission heißt für mich …

… mit Freude von Jesus Christus zu erzählen – denn eine Wahrheit, die dein Herz erfüllt, kannst du nicht auf Dauer nur für dich behalten! Das zentrale Wort lautet FÜR, nur diese drei Buchstaben: FÜR – FÜR ANDERE und damit FÜR JESUS! Mission heißt für mich daher, ein Liebender zu werden und dadurch letztlich Gott nachzuahmen, einzutreten in die Grundbewegung Gottes selbst.

Schon im Religionsunterricht erfuhr ich durch das Magazin der Päpstlichen Missionswerke „allewelt“ von einer jungen und dynamischen Weltkirche! Es war ein wohltuender und motivierender Blick über die Pfarrgrenzen hinaus. In meiner neuen Aufgabe als Diözesandirektor werde ich mich bemühen, unsere Pfarren und die Herzen der Tirolerinnen und Tiroler für die Weltmission zu begeistern. Missio ist keine NGO unter vielen. Sie möchte die Liebe Gottes zu den Menschen aufleuchten lassen. Das bezeugen auch große Gestalten der Nächstenliebe: eine Heilige Mutter Teresa von Kalkutta, ein Heiliger Josef Freinademetz, die Tiroler Missionsärztin Anna Dengel aus Steeg im Lechtal – sie alle sind als Missionarinnen und Missionare in ferne Länder aufgebrochen und haben ihren selbstlosen Dienst in der Liebe zu Gott begründet. Mit ihrer unerschütterlichen Liebe zum Herrn haben sie Kirche und Welt verändert!

Wir können eigentlich gar nicht anders, es liegt in unserer DNA als Christen. So verstanden sind wir alle Missio, haben wir alle eine Sendung in die Welt! FÜR CHRISTUS und FÜR ANDERE!