Aktionstag für die Opfer von Menschenhandel

Freiwillige kleben sich den Mund zu und verketten sich miteinander: Auf der Linzer Landstraße machten am 8. Februar Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Missio Österreich und Solwodi auf eine erschreckende Statistik aufmerksam. Geschätzte 40 Millionen Menschen werden weltweit Opfer von Menschenhandel und „moderner Sklaverei“. Passanten sollten sensibilisiert und eingeladen werden, sich bei den Schautafeln zu informieren. Gleichzeitig luden Missio-Diözesandirektor Heinz Purrer und sein Team Menschen ein, für die Opfer von Menschenhandel in der Kamelitenkirche zu beten und für sie eine Kerze anzuzünden.

Internationalen Tag des Gebets und der Reflexion gegen Menschenhandel

Anlass für die Aktion war der sogenannten „Internationalen Tag des Gebets und der Reflexion gegen Menschenhandel“, den Papst Franziskus 2015 eingeführt hat. Am 8. Februar, dem Gedenktag der Heiligen Josephine Bakhita soll das weltweite Gebet für Opfer von Menschenhandel im Mittelpunkt stehen.

Die Aktion in der Linzer Innenstadt provozierte. Einer der Freiwilligen vor der Kirche sagte:

„Ich habe mich selbst erniedrigt, damit die Leute sehen, wie andere erniedrigt werden.“

Durch diese Aussage drückt sich eine zutiefst christliche Wahrheit aus, nämlich stellvertretend etwas zu erleiden und die Schmerzen unserer Schwestern und Brüder mitzutragen. Manche Passanten ließen sich von diesem Anblick anrühren, es entstanden gute Gespräche. Viele gingen vorüber und schauten aus Scham oder Angst weg.

Die Bakhita – Messe

Bei der feierlichen Heiligen Messe um 17:30 Uhr in der Karmelitenkirche mit ca. 300 Gläubigen führte die Gruppe „Sing & Pray“ unter der Leitung von Diözesandirektor Heinz Purrer zum ersten Mal die von ihm komponierte „Bakhita – Messe“ auf. Spürbar wurde eine tiefe Ergriffenheit über das Leid unzähliger Menschen, die versklavt, missbraucht, gehandelt, gedemütigt und aller Würde beraubt werden. Gemeinsam brachten die Menschen ihre Ohnmacht vor Gott.

Gleichzeitig zeigte sich die Hoffnung und Freude über den Reichtum unseres Glaubens und die Größe unseres Gottes. So meinte die Heilige Josephine Bakhita auf die Frage hin, wie sie ihren Peinigern, die sie misshandelt, verkauft und gedemütigt hatten, begegnen würde: „Ich würde ihnen die Hände küssen, denn ohne sie hätte ich nie den christlichen Glauben kennengelernt …“ Sie hätte also nie die Kraft der Vergebung, die Würde eines Gotteskindes und die Liebe Jesu zu uns erfahren und dafür war sie unendlich dankbar.

Beim anschließenden Konzert von Heinz Purrer mit selbstkomponierten Liedern, die Menschenwürde, Leid und Freude, Liebe und Angenommen-Sein zum Inhalt hatten, konnten die mehr als 100 Zuhörerinnen und Zuhörer erneut eintauchen in den Reichtum der Liebe Gottes zu uns Menschen und ihre Herzen berühren lassen. Bei der Weinverkostung des Weinviertler Weinbauern Erwin Pucher gab es noch die Möglichkeit zu Begegnung und intensivem Austausch. Insgesamt konnten rund 1.000 Euro für das Missio-Projekt der Organisation HAART in Kenia für die Opfer von Menschenhandel gesammelt werden.

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