Mit einem Volontariat Gutes tun

Thailand: Marie Wilczek nahm sich nach der Matura ein Jahr Auszeit und meldete sich für ein Auslandsvolontariat. Vier Wochen half sie in einem Waisenhaus und wird die Kinder nie wieder vergessen.

allewelt Juli/August 2019

Während Sie diesen Artikel lesen, ist Marie Wilczek gerade aus Asien zurückgekehrt – reich an Erfahrungen, von denen sie ihr Leben lang zehren wird. Vier Wochen lang hat sie in einem Waisenhaus in Mae Sot in Thailand mitgeholfen, das von Schwestern des Dominikaner-Ordens betrieben wird. „Wir haben dort mehr von den Kindern gelernt, als die Kinder von uns“, erzählt Marie beeindruckt. „Jedes Kind hat eine Geschichte, die dramatisch ist. Wie die Kinder mit ihrer Situation umgehen, hat uns so beeindruckt. Sie versuchen das Beste daraus zu machen und wirken dabei glücklich.“ Marie ist 19 Jahre alt, lebt in Seebarn in Niederösterreich und hat im vergangenen Jahr die Matura absolviert. Danach nahm sie eine Auszeit, um die Welt zu entdecken, Sprachen zu lernen und Gutes zu tun, wie sie sagt. Aus diesem Grund hat sie sich für ein Volontariat bei Missio Österreich entschlossen.

Marie Wilczek

Die 19-jährige Niederösterreicherin aus Seebarn will Kindergartenpädagogin werden. Im vergangenen Jahr absolvierte sie die Matura, danach nahm sie sich eine Auszeit – die sie auch nach Thailand führte, wo sie in diesem März gemeinsam mit einer Freundin ein Volontariat in einem Waisenhaus machte.

Die Arbeit im Waisenhaus

Vor ein paar Jahren hätte die junge Niederösterreicherin nie damit gerechnet, dass sie einmal in einem Waisenhaus in Thailand mithelfen wird. Aber sie ist fest davon überzeugt, dass Gott sie führt und sie dorthin geschickt hat. „Als Volontärin kann ich die Welt sicher nicht im Alleingang verändern“, weiß Marie, „aber es ist trotzdem eine superschöne Sache und man kann dabei Menschen, die ein hartes Leben haben, Gutes tun.“ Ihre Aufgabe bestand darin, die fünf Ordensschwestern, die das Waisenhaus betreiben, bei der täglichen Arbeit zu unterstützen. Einer Schwester half sie beim Fertigen von Stofftaschen, die auf Märkten verkauft wurden.

Außerdem strich Marie gemeinsam mit ihrer Freundin Elena, die sich auch für ein Volontariat entschieden hat, alle Betten des Waisenhauses neu. „Die waren schon sehr heruntergekommen.“ Und das waren nicht wenige, sagt sie schmunzelnd, denn: In dem Heim leben 30 Kinder, hauptsächlich Mädchen zwischen fünf und 15 Jahren. Es sind allesamt Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder von ihren Eltern ins Heim geschickt wurden, weil sie nicht genug Geld haben, um sie zu ernähren und zur Schule zu schicken. Und mit einer Sache werden Marie und Elena den Ordensschwestern und Kindern im Heim ganz besonders in Erinnerung bleiben: Die beiden haben während ihres Volontariates einen riesengroßen Jesus im Eingangsbereich an die Hauswand gemalt.

Gott ist immer da

Der Glaube an Gott spielt im Kinderheim eine bedeutende Rolle – er gibt den Kindern Hoffnung und Kraft, um über ihre Schicksalsschläge hinwegzukommen. So hörte Marie, wie einige Kinder zur Betreuerin sagten: „Wir haben ja einen Vater, den lieben Gott.“ Und ein anderes Mal: „Viele Kinder haben eine Mutter, ich habe zwei: Die Mutter Maria und dich.“ Marie kann sich für die vom Schicksal gebeutelten Kinder keinen besseren Platz vorstellen, als bei den Ordensschwestern in Mae Sot, sagt sie überzeugt. Die Ordensfrauen geben den Kindern ganz viel Liebe und Geborgenheit: „Es gibt keine Menschen, die besser für so etwas geeignet wären, als die Schwestern. Sie sind konzentriert auf Gott und haben so viel Platz im Herzen für die Kinder.“ Für Marie war es ein unbeschreibliches Erlebnis, die Schwestern und Kinder miteinander zu erleben.

Marie Wilczek

„Jedes Kind hat eine Geschichte, die dramatisch ist. Wie die Kinder mit ihrer Situation umgehen, hat uns so beeindruckt.“

Marie Wilczek

Erfahrungen fürs Leben

Diese prägenden Erfahrungen in Thailand machte Marie im Zuge des Volontariates „Abenteuer Weltmission“ für Missio Österreich. Dabei können junge Menschen ab 18 Jahren mindestens vier Wochen helfen und sich aktiv an solidarischen Projekten in aller Welt beteiligen. Für Marie ist das Abenteuer noch nicht zu Ende. Sie ist zwar gerade erst nach Österreich zurückgekehrt, aber sie weiß schon jetzt: Es wird nicht ihr letztes Volontariat gewesen sein. „Es ist die perfekte Chance, neue Kulturen und sich selbst besser kennenzulernen.“ Und nach einer kurzen Nachdenkpause fügt sie hinzu: „Es ist ganz einfach eine unglaublich schöne Erfahrung.“ 

Was ich nie vergessen werde:

Der Schulweg war für mich jeden Tag aufs Neue ein besonderes Erlebnis. Schon an unserem ersten „Arbeitstag” wollten die Kinder, dass wir sie zur Schule begleiten. Sie haben sich wahnsinnig über unsere Gesellschaft gefreut. Sogar die Kinder, die eigentlich in eine andere Schule gingen, aber schon Ferien hatten, wollten einfach nur mitgehen: den 20-minütigen Schulweg über Felder und durch ein armes Dorf. So konnten sie den anderen Schulkindern zeigen, dass sie auch jemanden haben, der sich um sie kümmert und sie sogar zur Schule bringt. Jeder hat um eine unserer Hände gekämpft, es hat sich angefühlt als hätte man 30 Kinder am Arm. Man hat einfach so sehr diese Freude an unserer Begleitung und diesen Mangel an elterlicher Liebe und Zuneigung gespürt, die wir den Kindern für eine kurze Zeit geben konnten. 

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