Zwischen Hunger und Angst

Die Coronavirus-Pandemie grassiert, Not und Armut steigen

allewelt September/Oktober 2020

„Corona tötet, bleibt wachsam“ oder „Gott hilft Kenia. Kenianer lasst uns beten“ ist auf zwei der vielen Pappkartonschilder zu lesen, die am Fahrrad von Samson Waithaka befestigt sind. Damit radelt der Mann durch den Mathare-Slum, nordöstlich von Kenias Hauptstadt Nairobi, um an die Gefahren des Virus zu erinnern und zu warnen. In dem dicht besiedelten Armenviertel lebt rund eine halbe Million Menschen unter katastrophalsten hygienischen Bedingungen. Die Menschen wohnen Tür an Tür. 50 Haushalte teilen sich im Schnitt eine Toilette. Sich danach die Hände zu waschen, ist meist nicht möglich. Der ideale Nährboden für das Coronavirus.

Das nächste Epizentrum?

Doch noch zeigen die offiziellen Zahlen ein anderes Bild. Bisher hat sich das Virus in Kenia beziehungsweise in ganz Afrika relativ langsam verbreitet. Trotzdem warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unlängst, dass sich Afrika südlich der Sahara zum nächsten Epizentrum der Pandemie entwickeln könnte. In einer Modellrechnung fürchtet die WHO, dass es mindestens 300.000 Todesopfer geben könnte, 30 Millionen Menschen wären von extremer Armut bedroht. In Kenia ist die Lage noch stabil, aber: „Ja, die Menschen haben Angst vor dem Virus“, sagt Dominic Kimengich, Bischof von Eldoret in Kenia, im Interview mit „allewelt“: „Das Land verfügt nicht über die Kapazität, eine so große Zahl an infizierten Menschen zu versorgen. Unsere Gesundheitseinrichtungen sind nicht gut genug ausgestattet, um schwere Fälle zu behandeln.“

Bischof Kimengich

„Wir alle beten, dass das Coronavirus eingedämmt wird.“

Bischof Kimengich

Strenge Maßnahmen

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, hat die Regierung strenge Maßnahmen beschlossen – angefangen von nächtlichen Ausgangssperren. Das führte aber auch zu einem massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit, was wiederum zu mehr Armut und Hunger führte. Besonders dramatisch ist die Situation laut dem Bischof in den Slums von Nairobi: „Hier sind die Menschen verzweifelt vor Hunger. Es ist dringend notwendig, diesen Menschen zu helfen, sonst sterben sie.“

Hoffen und Bangen

„Viele Spitäler und Gesundheitszentren in Afrika werden von der Kirche getragen. Viele unserer Leute, vor allem Ordensfrauen, arbeiten an der Front, um das Virus zu bekämpfen“, erzählt Bischof Kimengich. „Wenn die Kirche in Afrika spricht, hören die Menschen zu.“ Diese moralische Autorität nutzt sie, um sich im Kampf gegen das Coronavirus zu engagieren, die Menschen zu mahnen und über das Virus aufzuklären. Wie sich die Pandemie in Kenia – und generell am afrikanischen Kontinent – weiterentwickeln wird, ist ungewiss. Eines steht allerdings fest: Es ist erst der Anfang. „Wir alle beten, dass das Coronavirus eingedämmt wird. Sollte es sich weiter ausbreiten, werden viele Leben verloren gehen – durch Krankheit und Hunger“, befürchtet Kimengich.

UNSERE ZAHL

zeigt, dass die Hoffnung auf freie Religionsausübung nie aufgegeben werden darf

30 JAHRE GLAUBENSFREIHEIT IN KAMBODSCHA

Die Kirche in Kambodscha hat einen langen Leidensweg hinter sich. 1975 kam das Land im Südosten Asiens unter die Herrschaft der kommunistischen Roten Khmer und ihres Machthabers Pol Pot. Jegliche Ausübung von Religion war verboten. Damals wurden fast alle Kirchen zerstört, viele Priester und Ordensleute hingerichtet. Die Roten Khmer richteten ihre Angriffe mit der Zeit auch gegen den Nachbarstaat Vietnam. Die Vietnamesen wehrten sich und nahmen 1978 Kambodscha ein. Es kam sogar zum Bürgerkrieg. Erst Ende der 1980er-Jahre konnte die Situation entschärft werden. Am 14. April 1990 wurde erstmals wieder ein öffentlicher Gottesdienst im Land gefeiert. Heute gibt es in Kambodscha etwa 24.000 Christinnen und Christen, sie machen 0,5 Prozent der Bevölkerung aus. Fast 98 Prozent der Kambodschanerinnen und Kambodschaner gehören dem Buddhismus an, der auch die Staatsreligion ist. Wie es den Gläubigen derzeit im Land geht, weiß Pater Franco Legnani. Der Priester des Päpstlichen Instituts für die auswärtigen Missionen (PIME) berichtete nach einem Besuch: Die kleine Kirche von Kambodscha sei „noch immer sehr jung, dynamisch, lebendig“.

Quelle: kircheninnot.at, vaticannews.va

Wussten Sie schon, dass …

… die norwegische Prälatur Trondheim nach elf Jahren wieder einen Bischof bekommt?
Trondheim bildet seit 1.000 Jahren das christliche Herz Norwegens. Umso erfreulicher ist die Nachricht, dass Abt Erik Varden am 3. Oktober zum Bischof geweiht wird. Dieser Termin wird auch aus einem weiteren Grund in die Geschichte eingehen: Es wird die erste katholische Bischofsweihe in der Grabeskirche des Heiligen Olav seit Reformationszeiten in Norwegen sein.

der jüngste Bischof der römisch-katholischen Kirche erst 38 Jahre alt ist?

Die Kirche hat dieses Jahr eine Verjüngungskur unternommen. Im Juni wurde der Rumäne Cristian Crisan in seiner Heimat zum Bischof geweiht – und ist nun der jüngste Bischof weltweit. Damit löste er den Ukrainer Stepan Sus ab, der nur vier Tage älter ist und im Januar geweiht wurde. Weltweit gibt es derzeit nur diese beiden katholische Bischöfe unter 40 Jahren.

… ein 15-Jähriger der neue „Patron des Internets“ werden könnte?
Er liebte Computer, half sozial Bedürftigen und ging jeden Tag in die Messe: Carlo Acutis war ein engagierter junger Mann, bis er 2006 an Leukämie starb. Sein größtes Projekt war ein Online-Verzeichnis eucharistischer Wunder. Nachdem der Vatikan ein auf die Fürsprache von Acutis bewirktes Wunder anerkannte, wird er im Oktober seliggesprochen. Für viele gilt der Teenager als möglicher neuer „Patron des Internets“.