Gemeinsam auf dem Weg in die Zukunft

Pater Leopoldwill für ein neues Missionsbewusstsein unter den Katholiken in Kasachstan sorgen: In die Zukunft gehe es für die Kirche nur, wenn sie den Kontakt zu den Menschen sucht.

Sie sind muslimisch, orthodox und katholisch: Im Sommer treffen sich Kinder rund um die Pfarre St. Lorenz in Korneewka zu Kinder- und Jugendlagern. „Die Kinder freuen sich schon viele Monate davor auf die gemeinsame Zeit“, erzählt Pater Leopold Kropfreiter. Ganz bewusst veranstaltet der 38-Jährige die Treffen im kirchlichen Rahmen: „Am Vormittag halten wir immer eine Katechese. Die Eltern wissen das und vertrauen uns durch die Zusammenarbeit in der Schule.“

Pater Leopold mit Papst Franziskus

STECKBRIEF PATER LEOPOLD

KOMMT AUS: Arbesbach im Waldviertel (NÖ)

MISSIONAR IN: seit 2008 in Kasachstan

ORDEN: Diener Jesu und Mariens (SJM), leben nach der Regel der Jesuiten, besonders in der pastoralen Begleitung von Pfadfindergruppen tätig

HAUPTAUFGABENGEBIET: Jugendarbeit, Missio-Nationaldirektor in Kasachstan

KOMMUNIKATION IST ALLES

Für Pater Leopold braucht es in Kasachstan ein „neues Missionsbewusstsein“ unter den Katholiken: „Wir müssen als Kirche aktiv auf die Menschen zugehen, auch auf Muslime. Dann kann viel Neues entstehen.“ Gerade das Erlernen der einheimischen Sprache ist wichtig, um mit den Menschen auch über sehr Persönliches reden zu können, sagt der Ordensmann: „Es ist berührend, zu sehen, wie dankbar die Menschen sind, wenn ich ein paar Brocken kasachisch herausbringe.“

JUGENDLICHEN EINE ZUKUNFT SCHENKEN

Pater Leopold will als Missionar mit den Menschen ihr Leben teilen und vor allem jungen Menschen eine neue Perspektive geben: „Viele Jugendliche suchen Arbeit im Ausland, damit sie ihre Familie und sich ernähren können.“ In der Schule St. Lorenz beschäfigt Pater Leopold 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Missionar glaubt an eine Zukunft der jungen Kasachen. Bildung ist der erste Schritt dorthin.

WUNDER SIND MÖGLICH

Als Missionar sehne ich mich danach, den Menschen die Schönheit des Glaubens zu zeigen, aber auch konkret Familien aus der sozialen Not herauszuholen. Ich habe zum Beispiel eine Familie vor Augen: Die Kinder werden ständig krank, weil es im Haus furchtbar kalt ist. Das Dach ist undicht, der Boden nicht isoliert. Es ist schön, dass wir gemeinsam mit Missio Österreich dieser und vielen anderen Familien konkret helfen können. Die Familien in meinen Pfarren sind in diesen schwierigen Situationen dankbar, gemeinsam Feste im Kirchenjahr zu feiern. Vor einigen Jahren bin ich am Weihnachtstag in einen Schneesturm geraten und nicht mehr weitergekommen, weil die Straße so stark verweht war. Aber die Menschen wollten unbedingt die Weihnachtsmesse feiern und haben den Chef der örtlichen Kolchose so lange genervt, bis er riesige Traktoren hinausfahren ließ, um den Weg freizumachen. Das war für mich ein kleines Weihnachtswunder!

Pater Karl Wallner

„Es beeindruckt mich, wie Pater Leopold unter diesen schwierigen Bedingungen seiner Berufung folgt und als Missionar wirkt.“

Pater Karl Wallner
Pater Leopold aus der Diözese Astana

„Wir müssen als Kirche aktiv auf die Menschen zugehen.“

Pater Leopold, aus der Erzdiözese Astana
Familien in Kasachstan unterstützen

3 FRAGEN

1 | Wieso sind Sie Missionar geworden?

Nach dem Gymnasium bin ich in unsere Gemeinschaft eingetreten und habe mich auf das Priestertum vorbereitet. Kurz vor der Weihe bekam ich von meinem Oberen die Frage: Kannst du nach Kasachstan gehen? Meine Antwort: Ich kann schon. Und damit war die Entscheidung gefallen – ich ließ mich senden und wurde Missionar.

2 | Was waren anfangs Ihre größten Herausforderungen?

Ich war von Beginn an offen, das war wichtig für mich. Diese Offenheit wurde allerdings schnell auf die Probe gestellt. Ich kam von Wien direkt in die Stadt Timertau, eine Industriestadt mit riesigen Fabriken, großer Kriminalität, Alkoholismus und Drogenproblemen. Dort hat mich die Arbeit mit den Armen auf der Straße geprägt.

3 | Was bedeutet Mission für Sie?

Kasachstan ist ein Schmelztiegel aus verschiedenen Kulturen, Ein üssen und Nationen. Mission heißt für mich, auf andere Menschen zuzugehen, mit ihnen zu leben. Dabei ist natürlich die Sprache wichtig, aber auch der Mut, mit Menschen aus anderen Lebens- und Glaubenssituationen wirklich in Kontakt treten zu wollen.