Projekt Beschreibung

WAS SIND DALITS?

Im Hinduismus ist die Gesellschaft in viele verschiedene Gruppen unterteilt, in die man hineingeboren wird. Die Zugehörigkeit zu einer dieser Gruppen kann zum Beispiel darüber entscheiden, wie angesehen jemand ist und welchen Beruf er oder sie ausüben kann. Die Gruppen heißen Kasten. Hindus unterscheiden vier Hauptkasten: Die höchste Kaste ist die der hinduistischen Priester oder Gelehrten. Dann folgt die Kaste der Krieger und hohen Beamten. Darunter kommen die Bauern und Händler. Die niedrigste ist die Kaste der Knechte und Diener. Es gibt auch Menschen in Indien, die zu keiner Kaste gehören: die Paria oder Dalits. Sie sind oft sehr arm und verrichten die schmutzigsten Arbeiten. Als Nachfahren der dunkelhäutigen Ureinwohner gelten sie nach den heiligen Schriften im Hinduismus als unrein und wurden früher „Unberührbare“ genannt. Sie werden stark diskriminiert, sozial ausgeschlossen und von allen verachtet. Während man im Kastensystem aufsteigen kann, kann ein Dalit
seinen Status nie verändern. Nach o ziellen Angaben gibt es in Indien 201 Millionen Dalits, in Bangladesch sind es 5,5 Millionen
Dalits, in Nepal 3,5 Millionen Dalits.

Sie arbeiten auf den Feldern, kehren Straßen, entsorgen Müll. In der streng hierarchischen indischen Kastengesellschaft stehen die Dalits ganz unten. Täglich sind sie Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt.

Die 15-jährige Radhika ist ein Opfer dieser traurigen Realität. Sie wurde als Dalit in einem kleinen Dorf in Amaravathi geboren, einer sehr armen Region im südlichen Indien. „Uns fehlt oft das Notwendigste zum Leben. Ich musste die Schule schon als kleines Mädchen abbrechen, um mit meinen Eltern auf den Feldern der Großgrundbesitzer zu arbeiten“, erzählt Radhika. Träume und Vorstellungen für die Zukunft hat sie keine.

In Indien gibt es viele Mädchen wie Radhika. Ohne die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen oder eine Ausbildung zu machen, bleiben sie in der Spirale von Armut und Gewalt gefangen. Die Good Shepherd Sisters wollen in ihrem Ausbildungszentrum dagegen etwas tun und den Mädchen helfen. Hier lernen sie Englisch, den Umgang mit Computern, werden über ihre Rechte aufgeklärt und bestärkt, für ihre Träume zu kämpfen. Durch die liebevolle Beratung und Betreuung stärken die Schwestern das Selbstbewusstsein der jungen Mädchen – die meisten von ihnen verlassen das Ausbildungszentrum mit einer guten Jobperspektive.

Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ethnischer Herkunft, Kultur oder Religion zu diskriminieren und zu verachten, ist eines der größten Verbrechen unserer Zeit. Es ist unendlich wichtig, uns mit diesem Problem vertraut zu machen und Schritte für eine gerechtere Welt zu setzen.“

Marcel Urban, Young Missio