Amazonien-Synode als Weckruf

Mehr Aufmerksamkeit und Bewusstsein für jene Menschen, die seit Jahrhunderten unterdrückt, verfolgt und ausgebeutet werden: Das fordert Missio-Nationaldirektor Pater Karl Wallner zum Welttag der indigenen Bevölkerungen der Welt im August. Gleichzeitig wirft Wallner einen Blick auf die Amazonien-Synode, die im Oktober im Vatikan stattfinden wird. Die Anliegen der indigenen Völker zählen zu den zentralen Themen der Sondersynode.

Amazonas

Unterdrückung, Ausbeutung, Diskriminierung – Indigene Völker auf der ganzen Welt erleben diese Dinge jeden Tag. Laut Schätzungen gehören rund 370 Millionen Menschen weltweit einem der 5.000 indigenen Völker an. Das sind nur mehr rund fünf Prozent der Weltbevölkerung. „Es bräuchte viel mehr mediale Aufmerksamkeit, um diese stark schrumpfenden Völker zu schützen. Wir hören leider nur dann von ihnen, wenn ihr Lebensraum zerstört wurde oder Verbrechen gegen ihre Rechte begangen werden“, analysiert Missio-Nationaldirektor Pater Karl Wallner die aktuelle Situation.

Papst Franziskus beruft Sondersynode

Papst Franziskus lenkt die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit durch die Amazonien-Synode im Oktober im Besonderen auf die 450 verschiedenen indigenen Völker des ökologisch so sensiblen Amazonasgebietes, die immer stärker von Politik, Wirtschaft und Umweltzerstörung bedroht werden. Seit Jänner 2019 spitzt sich ihre Situation besonders in Brasilien, auf dessen Staatsgebiet der größte Teil Amazoniens liegt, immer dramatischer zu: Der neue Staatspräsident Jair Messias Bolsonaro verweigert und entzieht den Indigenen ihre Rechte und gesetzlichen Ansprüche. Er will ihre Siedlungsgebiete für die Landwirtschaft nutzen.

„Die Sorge für die indigenen Völker, im Speziellen jetzt in Amazonien, ist eine Sorge von höchster Dringlichkeit. Es ist nicht fünf vor 12 sondern schon eins vor 12“, warnt Missio-Nationaldirektor Pater Karl Wallner. Neben den großen Themen Umwelt und Ökologie stehen vor allem die vielen indigenen Völker Amazoniens im Fokus der Synode im Oktober.

Auch in der Amazonas-Region bilden die Indigenen nur noch fünf Prozent der Gesamtbevölkerung. Politiker, Unternehmen und  Farmer gehen brutal gegen die Ureinwohner vor, um ihre wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen. Drohungen, Überfälle oder Morde sind keine Seltenheit.

Ökologische Schatzkiste

Mit einer Fläche von über 7,9 Quadratkilometern ist die Amazonas-Region doppelt so groß wie ganz Europa. Das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet unserer Erde gehört zu den artenreichsten Landschaften des Planeten. In diesem riesigen Naturparadies leben seit tausenden Jahren indigene Völker. Sie haben ihre eigenen Sprachen und Kulturen. Doch eines ist ihnen gemeinsam: die große Verbundenheit mit der Flora und Fauna des Waldes. Diese Völker leben im Einklang mit der Schöpfung und bewahren dieses für die ganze Welt wertvolle Gebiet.

Erst im Juli wurden neue Daten zur Abholzung des Amazonas-Regenwaldes in Brasilien bekannt. Laut diesen Angaben ist die Zerstörung des Regenwaldes zugunsten von Landwirtschaft und Rohstoffabbau seit August 2018 um 15 Prozent gestiegen. Das hat nicht nur gravierende Auswirkungen auf das Leben der indigenen Bewohnerinnen und Bewohner Amazoniens, sondern auch auf uns hier in Europa: Die Wälder Amazoniens sind ein unverzichtbarer Baustein für das Klima unseres Planeten.

Was tut die katholische Kirche?

Im Amazonasgebiet wird das Evangelium seit 500 Jahren verkündet. Die katholischen Christinnen und Christen leben zum überwiegenden Teil in Städten, wo es geordnete kirchliche Strukturen gibt. In den ländlichen Gebieten des Amazonasraumes steht die Kirche jedoch vor großen Herausforderungen: Zum einen kämpft sie für die Erhaltung der riesigen Regenwaldflächen und der indigenen Siedlungsgebiete und setzt sich für ein ökologisches Bewusstsein ein. „Gleichzeitig muss die Kirche neue pastorale Wege suchen, denn in Amazonien herrscht großer Priestermangel. Vielerorts können die Menschen nur einmal im Jahr eine Heilige Messe besuchen“, betont Wallner: „Es ist der Wunsch von Papst Franziskus, dass der christliche Glaube und der christliche Kult die lokalen Gegebenheiten wahrnehmen und die Substanz des Christlichen in die Kultur der Indigenen übersetzt wird.“

„In Bezug auf die Inkulturation hat die Kirche heute zwar eine hohe Sensibilität und großen Respekt vor dem Ursprünglichen dieser Völker entwickelt. Zugleich aber wird das indigene Brauchtum und Erbe von anderer Seite mit erschreckender Geschwindigkeit zerstört: durch die Globalisierung von Technik und Medien.“ sagt Pater Karl Wallner.

Von der Synode erwartet sich der Missio-Nationaldirektor „neue Hoffnung“ für die Menschen im Amazonas-Gebiet. „Vor allem aber müssen konkrete Wege und Lösungen gefunden werden, um der Bevölkerung durch Verkündigung und Sakramente nahe zu sein und gleichzeitig ihre Ursprünglichkeit und Traditionen zu bewahren“, so Wallner.