Die Welt zum Besseren verändern

Wie gelingt es, den Menschen im globalen Süden in eine bessere Zukunft zu helfen? Und wie werden Spendengelder zu konkreten Taten, die Leben verändern? Ein Einblick in die Arbeit des Teams „International Projects“ bei Missio Österreich.

allewelt Mai/Juni 2021

360 Hilfsprojekte in 47 Ländern – das ist der in nüchterne Zahlen gegossene Zwischenstand der Barmherzigkeit für heuer. Möglich gemacht wurde er durch Spenden, die einem einzigen Zweck dienen: Sie sollen den Ärmsten der Armen helfen und dabei missionarische Kraft entfalten. Doch, wie funktioniert das in der Praxis? Was muss passieren, um aus einer Idee, wie sich das Leben von Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika verbessern ließe, konkretes Handeln zu machen?

Elisabeth Rittsteuer, Referentin im Team der „International Projects“ bei Missio Österreich, gibt ein Beispiel. Als sie bestehende Hilfsprojekte in Nigeria besuchte, lernte sie Schwester Martha vom Orden der Schwestern Jesu des Guten Hirten kennen: „Sie erzählte mir von ihrem Plan, eine Sekundarschule für Mädchen bauen zu wollen. Denn in Nigeria werden viele Mädchen bereits nach der Volksschule verheiratet – oder ansonsten nicht selten aus dem Haus gejagt. Dadurch leben viele von ihnen auf der Straße oder müssen sich mittels Prostitution eine Überlebenschance suchen. Die Schule würde das ändern.“

„Unsere Partner sind Diözesen und Ordenskongregationen, Priester, Bischöfe oder die örtliche Caritas. Durch laufende Prüfungen ist der verantwortungsvolle Umgang mit Spendengeldern gesichert.

Hannah Siebertz, Head of International Projects

Kirche vor Ort als Partner

Der Anstoß zum konkreten Handeln kommt somit immer von den kirchlichen Partnern vor Ort. Sie kennen die Situation und wissen am besten, was es braucht, um sie zu verbessern. Als Rittsteuer nach Wien zurückkehrt, beginnt ein fünfstufiges Verfahren, das jedes Projekt durchlaufen muss. „Wir prüfen alle Anträge auf Nachhaltigkeit. Wir schauen uns an, wie konkret und detailliert das jeweilige Konzept ist und wir analysieren, wie stark es die Weltkirche unterstützt und welchen Nutzen es für die Menschen vor Ort hat. Außerdem ist ein Empfehlungsschreiben von einem Ordensoberen oder Diözesanbischof notwendig“, erklärt Hannah Siebertz, die das Projektteam von Missio Österreich leitet. Ist das erledigt, werden Kosten und Umsetzbarkeit geprüft und politische sowie soziale Faktoren im Land beurteilt. Erst wenn all das erfolgversprechend ist, landen die Anträge bei einer monatlichen Sitzung unter der Leitung von Nationaldirektor Pater Karl Wallner.

TREFFSICHERE FÖRDERUNG VON HILFSPROJEKTEN

Missio setzt gemeinsam mit kirchlichen Partnern vor Ort soziale und pastorale Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika um. Fest im Blick sind dabei die Grundsätze, die wachsende Weltkirche zu stärken, den Ärmsten der Armen zu helfen, den Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen und für die Priester von morgen zu sorgen. Das Spektrum der geförderten Hilfsprojekte reicht vom Brunnenbau über die Unterstützung von Gesundheitsstationen und Mutter-Kind-Programmen bis hin zu landwirtschaftlichen Schulungen und dem Bau von Priesterseminaren. Die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern ist mit Verträgen geregelt. Alle sechs Monate muss ein Bericht über die Fortschritte und eine Abrechnung vorgelegt werden. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Missio Österreich machen sich außerdem persönlich im Rahmen von Projektreisen vor Ort ein Bild über die Umsetzung und die Einhaltung des Vertrages.

Regelmäßige Überprüfung

Erfolgt eine Freigabe, wird ein Vertrag unterschrieben, erklärt Siebertz: „Unsere Partner sind Diözesen und Ordenskongregationen, Priester, Bischöfe oder die örtliche Caritas. Jeder, der finanzielle Unterstützung erhält, verpflichtet sich im Gegenzug, alle sechs Monate einen Bericht über die Fortschritte und die Rechnungen zur Kontrolle zu schicken.“ Dadurch ist der verantwortungsvolle Umgang mit Spendengeldern gesichert und einer laufenden Prüfung ausgesetzt. Zudem ist das Team der „International Projects“ regelmäßig selbst vor Ort, um sich persönlich ein Bild von der Umsetzung zu machen.

So ist es auch bei Schwester Martha und ihrem Schulbau in Nigeria. Als alle Kriterien erfüllt waren, erfolgte der Startschuss. Derzeit wird bereits fleißig am künftigen Gebäude gebaut – und schon bald können die ersten Mädchen zum Unterricht kommen. Spenden machen es möglich, dass ihr Leben einen anderen, besseren Weg einschlägt.

„Wir verändern mit relativ Wenigen sehr stark diese Welt. Das ist möglich, weil wir die idealen Partner haben für die Weltveränderung, nämlich idealistisch gesinnte Menschen – Priester, Ordensfrauen, Brüder, die nicht auf Profit aus sind, sondern selbstlos Christusnachfolge in der Nächstenliebe leben.“ 

Pater Karl Wallner
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