Ins Unbekannte gesendet

Im Auftrag der Kirche verlassen sie ihre Heimat. Benedikt-Charbel und Ely ließen sich auf eine neue Kultur ein, überwanden sprachliche Barrieren und fanden sich in ungewohnten Lebensumständen zurecht. Immer im Vertrauen auf Gott.

von MARIE CZERNIN und KATHARINA BREINER

allewelt Jänner/Februar 2021

Im Herzen ein Filipino

Bruder Benedict-Charbel

PRIESTER

Alter: 33 Jahre

Wohnort: Cebu City, Philippinen

Bruder Benedict-Charbel

Sein Spitzname im Heimatdorf war „Küsserkönig“. In der Blaskapelle von Grafenstein spielte er Trompete – „ein biblisches Instrument“, wie er später betonte – und betörte damit nicht nur den lieben Gott.

Aber schon bald wusste Arno Telesklav, dass seine wahre Liebe woanders lag. Er fühlte sich von Gott gerufen. Die Frage war nur: Wohin? In Marchegg lernte er die Johannesbrüder kennen. Nach der Matura war ihm klar: Er wollte in ihr Kloster eintreten. Gleichzeitig überlegte er, für ein Jahr als Zivildiener ins Ausland zu gehen. Also bat er für ein Zeichen. Eine innere Stimme sagte zu ihm: „Geh auf die Philippinen!“ Also entschied er sich für dieses Abenteuer und ging mit „Jugend Eine Welt“ 2008 nach Cebu.

Zufällig war auch ein Priorat der Johannesbrüder dort in der Nähe. „So konnte ich in Cebu auch viel Zeit bei den Brüdern verbringen.“ Er entschied, gleich dort ins Kloster einzutreten. 2009 begann sein Noviziat im Priorat von Cebu. „Es war schön, meine indischen und philippinischen Mitbrüder kennenzulernen und zu erfahren, wie nahe wir uns stehen, obwohl uns ganz andere Kulturen geprägt haben.“ Bruder Benedict-Charbel – so hieß Arno daraufhin – verliebte sich immer mehr in die Filipinos und in ihr Land. Für ihn ist das Jesuskind „Santo Niño“, das in Cebu so stark verehrt wird, ein Spiegelbild für die dort lebenden Menschen. „Dass sich die Filipinos gerade durch dieses ‚Santo Niño‘ bekehrt haben, ist kein Zufall. Das Kindliche und das Lächeln ist etwas typisch Philippinisches. Egal wo man hingeht, die Filipinos lächeln immer.“

Nach seiner einfachen Profess 2012 kam er nach Frankreich, wo er Philosophie studierte. Danach folgten noch zwei Jahre Praktikum: „Ich wollte auf Mission nach Neuseeland oder nach Äthiopien gehen, aber schließlich wurde es doch Frankreich.“ Er blieb unweit von Tours in einem Priorat mit starker Jugendpastoral. 2019 kehrte der junge Mönch auf die Philippinen zurück. Seither baut er mit einem Mitbruder in Cebu ein neues Kloster auf. Dort will er sich einmal ganz der armen Jugend aus den Slums widmen. Heute kann der junge Missionar sagen: „Im Herzen bin ich ein Filipino.“

Zu Hause in der Fremde

Ely Dalanon

PRIESTER

Alter: 50 Jahre

Wohnort: Wien, Österreich

„Die Leute in Österreich schauen immer ganz erstaunt, wenn sie hier eine volle Pfarrkirche sehen“, Ely Dalanon lacht, wenn er daran denkt. Für den bald 50-jährigen Priester ist es ganz normal, dass alle drei Sonntagsgottesdienste bestens besucht sind: „Wir Filipinos kommen immer mit der ganzen Familie in die Kirche.“ Und das stets sehr pünktlich, schließlich wollen alle einen guten Sitzplatz ergattern. In seiner Heimat auf den Philippinen stehen die Kirchen niemals leer, sagt Ely. Auch außerhalb der Gottesdienstzeiten kommen die Menschen in die Gotteshäuser, um zu beten. Es hat ihn völlig überrascht, dass die Kirchen hier in Österreich so oft komplett menschenleer sind.

Seit mittlerweile 16 Jahren lebt Ely Dalanon in Wien. Er kam als Aushilfsseelsorger und wollte nebenbei seinen Master in Philologie an der Universität Wien machen. Als er dann zum Seelsorger für die philippinische katholische Gemeinde berufen wurde, musste er sein Studium abbrechen, was er sehr bedauert. Die zahlreichen Aktivitäten der „Filipino Catholic Chaplaincy“ nehmen ihn voll in Anspruch. 7.000 Menschen gehören zu Elys Gemeinde in Wien, dazu noch jeweils etwa 100 Gläubige in Wiener Neustadt und Linz, die er gemeinsam mit zwei anderen philippinischen Priestern ebenfalls betreut. „Wir sind eine sehr lebendige Gemeinde. Unsere vielen Gruppen, wie die Familiengruppen oder die Jugendgruppe, engagieren sich aktiv in der Pfarre und darüber hinaus“, sagt Ely stolz. Normalerweise besucht der Priester viele Familien auch zu Hause. Sie essen gemeinsam und manchmal veranstalten sie nach dem Essen noch einen Karaoke-Abend. Das gehört auf den Philippinen dazu – die Menschen lieben es zu singen. Dabei kann es durchaus recht lautstark zugehen. Das zu erleben, hilft Ely Dalanon gegen Heimweh: „Wenn ich Musik höre und dazu noch ein typisches Gericht wie Adobo koche, bin ich gleich weniger traurig.“ Dabei gehört Kochen nicht zu seinen Stärken. Auf den Philippinen durfte er sich ganz auf seine pastorale Arbeit konzentrieren, ums Kochen, Waschen, Bügeln kümmerten sich andere. Doch neben all dem, was ihm fremd scheint, hat Ely gelernt, Wien zu lieben. Wenn es seine Zeit erlaubt, wandert der fröhliche Priester gerne durch die Parks und Wälder der Stadt. Er möchte so lange, wie möglich hier bleiben. Oder zumindest so lang, wie ihn die philippinischen Gläubigen in Österreich brauchen.

Ely Dalanon