Wenn ein Lied Frieden bringt

Katholische Studierende bekämpfen China-freundliches Auslieferungsgesetz

allewelt Mai/Juni 2020

Sing Hallelujah to the Lord“ (übersetzt: „Singe Hallelujah unserem Herrn“). Wenn Edwin Chow dieses Lied hört, dann werden Erinnerungen wach – an den vergangenen Sommer, wo er mit tausenden anderen Menschen wochenlang durch die Straßen Hongkongs gezogen ist, um gegen ein geplantes Auslieferungsgesetz zu protestieren. Dieses hätte es den Behörden erlaubt, Verdächtige nach China auszuliefern. Eigentlich ist „Sing Hallelujah to the Lord“ ein Osterlied und geht auf die Amerikanerin Linda Stassen-Benjamin zurück. Doch in Hongkong wurde ausgerechnet dieses Lied eine inoffizielle Hymne des Protests gegen die Regierung.

Beten und Singen

Anfangs stimmten einige Christinnen und Christen die Melodie an, bald darauf summten es alle Demonstrierenden – ungeachtet ihrer Religion. „Religiöse Versammlungen können gemäß Gesetz in Hongkong nälich nicht von der Polizei geahndet werden. Versammlungen sind dann illegal, wenn sie nicht religiös und nicht angemeldet sind. Also haben wir gebetet und das Lied ‚Sing Hallelujah‘ gesungen“, erinnert sich Edwin Chow. Dadurch sei der Protestzug friedlicher geworden, der Konflikt zwischen den Menschen und der Polizei habe sich nicht hochgeschaukelt.

Der 20-jährige Chow ist der Vorsitzende einer katholischen Studentenorganisation in Hongkong und war eines der Sprachrohre der Protestierenden. Überhaupt spielten Christen während der Proteste, die im vergangenen Sommer mit Ausschreitungen und dem Sturm auf die Regierungsgebäude ihren Höhepunkt fanden, eine wesentliche Rolle.

Edwin Chow

„Wenn China wirklich die Kontrolle über Hongkong übernimmt, werden sie natürlich unsere Religionsfreiheit abschaffen.”

Edwin Chow

Christen geben den Ton an

Obwohl Christen und Christinnen in Hongkong nur ein Zehntel der Bevölkerung ausmachen, geben sie in vielen Bereichen den Ton an. Wichtige Funktionäre in Verwaltung und Wirtschaft sind christlichen Glaubens, wie auch die katholische Regierungschefin Carrie Lam. Sie nahm das geplante Gesetz in Reaktion auf die Proteste vorerst von der Agenda. Ob es dabei bleibt, ist ungewiss. Denn die Bewohner Hongkongs fürchten eine zunehmende Einflussnahme vom mächtigen Nachbarn China. „Wenn China wirklich die Kontrolle über Hongkong übernimmt, werden sie natürlich unsere Religionsfreiheit abschaffen“, ist sich Chow in einem Interview mit „Angelus News“ sicher. Und das sei unter allen Umständen zu verhindern.

Diese Angst kommt nicht von ungefähr. 1997 wurde die ehemalige britische Kolonie Hongkong an die Volksrepublik China übergeben, allerdings unter der Garantie einer Teilautonomie bis 2047. Diese sieht unter anderem ein eigenes, von Peking unabhängiges Rechtssystem sowie Versammlungs- und Religionsfreiheit vor. Die Protestierenden fürchten, dass diese Rechte untergraben werden könnten. Und das wollen sie mit aller Kraft verhindern. Die offiziellen Kirchenvertreter spielten während der Unruhen eine beruhigende Rolle und riefen zur Besonnenheit auf. Nichtsdestotrotz blieben sie vorsichtig mit ihren Äußerungen aus Furcht vor möglichen (indirekten) Konsequenzen aus dem Nachbarland China. Denn die Uhr tickt.

UNSERE ZAHL

Unsere Zahl bezieht sich auf die vielen Kinder in Konfliktgebieten

415 Millionen Kinder weltweit erleben Gewalt in ihrer Heimat

Jedes sechste Kind wächst in einem Konfliktgebiet auf. Das sind fast 18 Prozent aller Kinder weltweit, wie aus einem unlängst veröffentlichten Bericht der Hilfsorganisation „Save the Children“ hervorgeht. Und das Dramatische ist: Sie erleben so viel Gewalt wie nie zuvor. Denn seit 2010 hat sich die Zahl der schweren Verbrechen an Kindern um 170 Prozent erhöht. Die gefährlichsten Länder für Kinder sind dem Bericht zufolge Afghanistan, die Demokratische Republik Kongo, Mali, Nigeria, Somalia, die Zentralafrikanische Republik, der Irak, der Jemen, der Südsudan und Syrien. Die gefährliche Lebenssituation wirkt sich dabei sehr unterschiedlich auf Buben und Mädchen aus. Mädchen sind wesentlich häufiger Opfer sexueller Gewalt und werden auch häufiger bei Sprengstoffanschlägen verletzt oder getötet. Buben werden hingegen öfter durch direkte Kriegsführung getötet. Das liegt auch daran, dass sie häufiger als Kindersoldaten rekrutiert werden sowie häufiger entführt werden.

Quelle: Studie der Hilfsorganisation Save the Children”

Wussten Sie schon, dass …

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… die Vatikanischen Museen virtuelle Rundgänge anbieten?

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