Trotz allem gibt es Hoffnung

Gewalt und Willkür gegen Christen nehmen rasant zu

Wegen „Verbreitung von Lügen über den Hinduismus“ sind 270 Christinnen und Christen in Indien willkürlich angeklagt worden. Die Ankläger werfen ihnen vor, dass sie Menschen unter Drogen gesetzt haben, um sie zum Christentum zu bekehren.

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Laut Religionsexpertinnen und -experten sind diese Anschuldigungen haltlos. Die Anklage ist ein Versuch, die christliche Minderheit im vorwiegend hinduistischen Indien einzuschüchtern. Vielmehr dürfte die Behörden stören, dass Christinnen und Christen einen besonderen Auftrag von Jesus erhalten haben: das Evangelium zu verkünden und Menschen für den christlichen Glauben zu begeistern.

Ausgegangen ist die Klage gegen die 270 Christinnen und Christen von einer hinduistischen Aktivistengruppe, die durch das regierende nationalistisch-hinduistische Regime gedeckt und gefördert wird. Das Ganze scheint politisches Kalkül zu haben.

So nehmen in den vergangenen Wochen und Monaten Übergriffe, Einschüchterungen und Hetze gegen die christliche Minderheit deutlich zu. Der Bischof von Baruipur, Salvadore Lobo, erklärte der  Nachrichtenagentur Kathpress: „Man will uns mundtot machen und eine Herrschaft des Mobs – eine ‚Mobokratie‘ – errichten.“ Auch andere Bischöfe und Christen schlagen Alarm und weisen auf die besorgniserregende Entwicklung hin.

“Man will uns mundtot machen und eine Herrschaft des Mobs errichten.“

Bischof Salvadore Lobo

Vor ein paar Wochen verprügelten Hinduisten etwa in einem indischen Dorf einen christlichen Pastor, weil sie ihm Zwangsbekehrung vorwarfen. Andernorts überfielen radikale Hindus im Bezirk Hassan ein Gebetstreffen und verletzten drei Christen.

Die ökumenische Dokumentationsstelle „Persecution Relief “ verzeichnete 2017 landesweit 736 Angriffe gegen die christliche Minderheit, mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Und auch die juristische Aufarbeitung der bisher größten Gewaltwelle gegen christliche Gläubige vor zehn Jahren im Bundesstaat Orissa steht immer noch aus. Mittlerweile wurden fast alle Verfahren gegen die Verantwortlichen eingestellt, die damals den ärmsten Christinnen und Christen größtes Leid zugefügt haben.

Und trotz alledem gibt es Grund zur Hoffnung für das Christentum in Indien. In der größten Demokratie der Welt leben rund 1,34 Milliarden Menschen. Laut dem katholischen Hilfswerk Misereor sind knapp 80 Prozent Hindus, 14 Prozent muslimisch und nur 2,3 Prozent der Bevölkerung christlich. Trotzdem gibt es viele christliche Schule und soziale Einrichtungen. Die Menschen leben ihr Christ-Sein bewusst und bringen Hoffnung in viele Dörfer.

Auch Missio Österreich unterstützt zahlreiche Hilfsprojekte, die Zuversicht und Optimismus nach Indien bringen. Damit helfen wir den Menschen vor Ort. Die derzeit 270 willkürlich angeklagten Christinnen und Christen, die großen Anfeindungen ausgesetzt sind, dürfen nicht alleine gelassen werden. Ihr christlicher Einsatz ist wichtig und soll weitergehen.