Mit Gottvertrauen durch die Krise

Peru: Gabriella Cobzaru nahm sich nach der Matura eine Auszeit, um in Peru in einem Kloster zu leben und um näher zu Gott zu finden – dann kam das Coronavirus.

allewelt Juli/August 2020

Während die gesamte Welt wegen der Coronakrise zum Stillstand kam, befand sich die Südtirolerin Gabriella Cobzaru im Freiwilligeneinsatz in Peru. Es sollte die wichtigste Zeit ihres Lebens werden, denn die dortigen Erfahrungen haben sie näher zu Gott gebracht: „Ich habe in Peru in einem Kloster gelebt und alle Gebetseinheiten mit den Ordensfrauen geteilt und zusätzlich kontemplative Gebete vor dem Allerheiligsten gehalten. Dadurch habe ich gelernt, Gott einfach alles anzuvertrauen.“

Ein spirituelles Leben

Die 20-jährige Südtirolerin aus Bozen, die bald in Wien studieren wird, war mit Unterstützung von Missio von Oktober 2019 bis Anfang April 2020 in der peruanischen Stadt Callao in einem Kloster der Gemeinschaft der Seligpreisungen. Dort führte sie ein „sehr spirituelles Leben“– mit Laudes, Lectio Divina, Rosenkranzgebet zu Mittag und stiller Anbetung am Nachmittag. Außerdem endete jeder Tag mit einer Messe.

Gleichzeitig sollte Gabriella auch eine kurze Zeit in einem Waisenhaus verbringen – doch kaum kam sie dort an, breitete sich das Coronavirus auch in Peru aus. Plötzlich stand die Südtirolerin vor einer schwierigen Entscheidung: Sollte sie ins Kloster zurückkehren, im Waisenhaus bei den Kindern bleiben oder zurück nach Südtirol reisen?

„In Italien hat das Virus damals stark gewütet, es gab so viele Krankheits- und Todesfälle, in Peru waren die Infizierten-Zahlen hingegen noch sehr niedrig. Da dachte ich mir: Eigentlich bin ich jetzt in Peru sicherer als in Italien. Und deshalb habe ich beschlossen, im Waisenhaus zu bleiben.“ Da auch in Peru Ausgangssperre herrschte, waren die Bewohner im Waisenhaus von der Außenwelt abgeschnitten. Das Gute war, dass sich für die Kinder und Betreuer trotz der Umstände nicht viel geändert hat, denn: „Sie haben hier generell nicht viel Kontakt mit der Außenwelt und somit waren sie auch durch das Virus nicht wirklich gefährdet.“

„Die Peruaner sind sehr offene Leute und nehmen dich herzlich auf. Du bist immer willkommen, egal, wie du aussiehst oder wer du bist.“

Gabriella Cobzaru

Berührende Momente

Gabriella spielte viel mit den Kindern, unterstützte sie bei der Hausübung und betete mit ihnen. Später, als sie für die kurze Zeit bis zu ihrer Abreise wieder ins Kloster zurücksiedelte, half sie voller Engagement bei den Facebook-Live-Übertragungen der Gottesdienste aus der hauseigenen Kapelle mit. Sie war für die Kameraführung zuständig.

Die Beschränkungen der Gottesdienste in Peru war zu jener Zeit nämlich ähnlich wie derzeit in Österreich – es durfte nur eine begrenzte Anzahl von Menschen in die Kirche, viele Bänke mussten zur Wahrung der Sicherheitsabstände frei bleiben. „Das hat sehr gut funktioniert. Wenn die Menschen gesehen haben, dass die erlaubten Plätze in der Kirche voll waren, haben sie eigenverantwortlich den Gottesdienst einfach von draußen mitgefeiert oder sind nach Hause gegangen, um dort bei der Internet-Übertragung dabei zu sein.“

Ein ganz berührender Moment war für Gabriella speziell der Ostersonntag, denn sie durfte diesen als eine der Wenigen in der Kirche erleben – oder besser gesagt auf dem Dach. „Wir haben dort die Messe gefeiert, damit die ganze Nachbarschaft mit dabei sein kann. Die Leute haben aus den Fenstern herausgeschaut und die Messe mitverfolgt. Am Ende sangen die Menschen mit den Ordensfrauen ‚Jesus ist auferstanden‘ und applaudierten.“

WAS ICH NIE VERGESSEN WERDE:

Die Vielfalt der peruanischen Kultur: Menschen in Peru pflegen zahlreiche Traditionen und bieten viel Kulturelles an, von der peruanischen Küche zu verschiedenen Feierlichkeiten bis hin zu den bunten Kleidern und traditionellen Tänzen. Immer wieder empfahlen sie mir, dies und das zu essen, während sie mir stolz ihre einheimischen Gerichte aufzählten. Die Auswahl ist riesig, Reis darf aber nicht fehlen. Gutes Essen, exotische Früchte – was will man mehr!

Beeindruckt hat mich auch die Teilnahme an den vielzähligen Prozessionen in der Pfarrei, die jedes Jahr stattfinden, vor allem die bekannte Feier zu Ehren des „Señor de los Milagros“. Einige typische Tänze, die ich kennenlernen und mittanzen durfte, haben meinen Aufenthalt nochmals bereichert. Ein Land, stark geprägt von Kultur und Tradition!

Viele Erfahrungen reicher

Was die Südtirolerin besonders beeindruckte, waren die Menschen: „Die Peruaner sind sehr offene Leute und nehmen dich herzlich auf. Du bist immer willkommen, egal, wie du aussiehst oder wer du bist.“ Es hat sie gefreut, dass sie während ihres Missio-Volontariats hinter die Kulissen eines Klosters blicken konnte. Selbst in einen Orden eintreten möchte sie zwar nicht, aber sie hat viel mitgenommen: „Durch das Beten habe ich zum Beispiel gelernt, wie wichtig es ist, vergeben zu können und dass man Gott einfach alles übergeben und anvertrauen kann. Egal, ob es mir im Leben gerade gut oder schlecht geht.“

Nachdem sie mit einem von der italienischen Regierung organisierten Sonderflug nach Südtirol zurückgekehrt war, musste sie zunächst 14 Tage lang in Quarantäne bleiben. In der Hoffnung auf die Rückkehr zur Normalität plant sie, im Herbst nach Wien zu ziehen, um Kultur- und Sozialanthropologie oder Psychologie zu studieren. Was gewiss ist: Ihren weiteren Weg wird Gabriella in dem Gottvertrauen gehen, das sie in Peru gefunden hat.

Gabriella Cobzaru in einer peruanischen Schule

GABRIELLA COBZARU

wurde in Münster in Deutschland geboren. Als sie ein kleines Kind war, zog ihre Familie zunächst in die Nähe von Rom, später nach Bozen in Südtirol. Nach ihrem Schulabschluss nahm sich die junge Frau eine Auszeit, um in Peru ein über Missio Österreich organisiertes Volontariat zu machen. Sie lebte sechs Monate in der Ordensgemeinschaft der Seligpreisungen. Dabei lernte sie das Klosterleben kennen und vertiefte ihren Glauben. Im Herbst möchte die 20-Jährige zum Studium nach Wien ziehen.