Ein später Ruf

„Irgendwie werde ich schon helfen können“ – Das dachte Schwester Margit Zimmermann, als sie sich im Alter von 65 Jahren entschloss, als Missionarin nach Uganda zu gehen.

allewelt September/Oktober 2019

Zart und gebrechlich wirkt die Ordensfrau, als sie von ihrer späten Berufung zur Missionarin und den Anfängen in Uganda erzählt. Seit 17 Jahren wirken die Marienschwestern vom Karmel in dem ostafrikanischen Land. Trotz einer Missionsklausel in den Ordens-Konstitutionen, gingen erst im Jahr 2002 die beiden ersten Schwestern nach Kyengeza. „Es war keine leichte Entscheidung“, sagt Schwester Margit: „Wir waren immer zu wenig Schwestern, um Missionarinnen auszuschicken.“ Sie selbst war zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach einer neuen Aufgabe, weil sie ihre Stelle als Krankenhausseelsorgerin aufgegeben hatte.

Schwester Margit Zimmermann

aus der Diözese Mityana

Kommt aus: Baden bei Wien

Missionarin in: seit 2002 in Uganda

Hauptaufgabengebiet: Seelsorge, Krankenbesuche, Arbeit mit alleinerziehenden Müttern

Eindringlich gerufen

Genau in diesem Moment hat Gott die gebürtige Badenerin in die Mission gerufen: „Die ugandischen Schulkinder auf den Fotos haben mir direkt ins Herz geschaut.“ Diese Blicke haben ihr keine Ruhe mehr gelassen. „Wahrscheinlich haben alle gedacht, dass der Alterswahnsinn ausgebrochen ist, weil ich in meinem Alter noch in die Mission gehen wollte“, lacht die 82-Jährige. Aber ihr Mut hat sich gelohnt, denn seit ihrer Ankun in Zentraluganda ist Schwester Margit ein Lichtblick für die Menschen dort. Sie kümmert sich um etwa 20 alleinerziehende Mütter und kranke, alte Menschen. Sie bringt ihnen Lebensmittel oder Medikamente. Vor allem aber schenkt sie ihnen ein offenes Ohr für ihre Anliegen, gibt ihnen Hoffnung. Mit Spenden aus Österreich unterstützt Schwester Margit die Ärmsten, damit sie selbst Fuß fassen können.

Schwester Margit Zimmermann

„Es ist schön, eine Anlaufstelle für die Menschen sein zu dürfen.”

Schwester Margit

Jesus, ich vertrau‘ auf dich!

Wenn ich etwas erfahren habe in den vergangenen Jahren, dann ist das Gottes Treue. In meiner Arbeit komme ich oft an Stellen, die sehr eng werden und ich plötzlich den Weg nicht mehr sehe. Die Menschen kommen mit vielen finanziellen Bitten, aber ich habe nicht genug Mittel zur Verfügung. Es fordert mich sehr, ihre Not zu sehen und nicht helfen zu können.

Doch Gott hat mir immer Hilfe geschickt. Zwar oft erst im letzten Moment, aber das ist seine Trainingsmethode: Ich muss lernen, ihm zu vertrauen, ohne vorher zu wissen, wann und wie er helfen wird. In diesem Vertrauen durfte ich wachsen, seitdem ich in Uganda bin, aber es gibt noch viel Luft nach oben. Die Zeugnisse der Menschen zeigen mir, dass Gott mich wirklich als Werkzeug benutzt.

Gottes Segen!

„Schwester Margit ist eine Frau mit einem großen Herzen. Mit ihren 82 Jahren ist sie noch immer aktive Missionarin.”

Pater Karl Wallner

Drei Fragen…

Wieso sind Sie Missionarin geworden?

Ich hatte nie vor, in die Mission zu gehen. Unsere Oberin Schwester Michaela zeigte dann Bilder von ihrer Uganda-Reise. Da war ein Foto von ein paar Schulbuben dabei und ich hatte das Gefühl, sie schauen direkt mich an. Dieser Moment hat alles für mich verändert. Ich entschied mich, Missionarin zu werden.

Was waren anfangs Ihre größten Herausforderungen?

Mir fiel es eigentlich sehr leicht, mich in Uganda einzuleben, das hatte ich mir schwieriger vorgestellt. Die einzig wirklich große Herausforderung war die Sprache. In Österreich war ich Englischprofessorin, aber in unserer Mission sprechen viele Menschen nur die Landessprache Luganda. In meinem Alter konnte ich keine neue Sprache mehr lernen, aber zum Glück fand sich immer jemand zum Übersetzen.

Was bedeutet Mission für Sie?

Als es klar war, dass ich nach Uganda gehen durfte, machte ich mir viele Gedanken über den Begriff Mission. Was würde ich dort tun? Dazu ist mir sofort nur ein Wort eingefallen: Helfen! Ich wusste nicht, was in dem fremden Land auf mich zukommen würde, aber ich war mir sicher, dass es dort Menschen gibt, die auf irgendeine Art meine Hilfe brauchen.

Frau mit Schülern

Simone Sommer

Priesterpartnerschaften und Testament Missio Österreich

Mission heißt für mich…

… zu allererst: Kleine Dinge mit großer Liebe tun. (Mutter Teresa)

Im letzten Jahr durfte ich für insgesamt einen Monat nach Afrika reisen. Wir haben Priesterseminare besucht. Die übervollen Seminare, die Gespräche mit den vielen Seminaristen und den Regenten aus den unterschiedlichsten Ländern Afrikas haben mein Herz zutiefst berührt. Von dieser Freude und dieser großen Hoffnung, die ich in Afrika erlebt und erfahren habe, darf ich jetzt meinen Spendern hier bei Missio Österreich erzählen. Unsere Kirche lebt! Aber wie! Vor vielen Jahren lebte ich ein ganz anderes Leben. Sinnlosigkeit hat mich geplagt. Mein Herz war leer. Ich hatte alles und nichts.

Durch Zufall habe ich einen indischen Missionar in einem Kino getroffen. Er hat mir das Wort Gottes und dadurch Gottes Liebe gebracht. Das war für mich eine Wucht! Zum ersten Mal in meinem Leben hat es mir buchstäblich die Sprache verschlagen. Eine unbeschreibliche Freude und Hoffnung war da! Mein Leben hatte und machte Sinn!

Alles, was mich bedrückt hat, habe ich damals einem Priester erzählt. Nach 13 Jahren habe ich im Sakrament der Buße Vergebung erfahren. Ich habe danach eine unglaubliche Freiheit und großen inneren Frieden verspürt. Das war die nächste Wucht. Allen Menschen, die traurig sind und keinen Sinn in ihrem Leben finden können, möchte ich am liebsten zurufen: Da gibt’s tatsächlich jemanden. Und ER wartet nur, dass wir Ihm persönlich begegnen! Wo und wie auch immer!

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