Die Chance auf ein normales Leben

Kinder mit einer Behinderung können in den ärmsten Ländern der Welt oft kaum an der Gesellschaft teilnehmen. Missio Österreich hilft, ihr Leben zu verbessern.

allewelt März/April 2020

Der neunjährige Habtamu Chisa aus Äthiopien hat ein Ziel: Er möchte einmal genauso gut gehen können wie die anderen Kinder. Der Bub weiß, dass er das eines Tages schaffen kann. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg, den er derzeit mit seinen Krücken gehen muss. Denn Habtamu hat seit seiner Geburt eine Fehlbildung, einen sogenannten Klumpfuß.

Zu Hause war das Leben schwierig. Habtamu konnte nicht mit anderen Kindern spielen oder den Kindergarten besuchen. Sein Vater ist gestorben und seine Mutter hatte nicht genug Geld, um alle vier Kinder ausreichend zu versorgen. Der Neunjährige war oft traurig und weinte.

Pater Girmay Tesfay und ein Mädchen

„In unserem Zentrum sind Liebe und Fürsorge ein essentieller Bestandteil des Heilungsprozesses unserer Kinder. Ich erlebe täglich, wie sehr wir das Leben dieser Kinder verändern können.“

Pater Girmay Tesfay

Liebe und Fürsorge

Doch seit etwas mehr als zwei Jahren gibt es für den Buben wieder Hoffnung: Er fand Hilfe und Behandlung im Rehabilitationszentrum Alemachen in Addis Abeba, das sich um Kinder mit Behinderungen kümmert. Jährlich werden dort etwa 200 Buben und Mädchen betreut. Sie bekommen nicht nur medizinische Hilfe, auch Spiel, Sport und Lernen in der Gruppe stehen auf dem Programm.

Der Leiter des Rehabilitationszentrums ist Pater Girmay Tesfay: „Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen sind in Äthiopien oft stigmatisiert. In unserem Zentrum sind Liebe und Fürsorge ein essentieller Bestandteil des Heilungsprozesses unserer Kinder. Ich erlebe täglich, wie sehr wir das Leben dieser Kinder verändern können.“

ARBEIT AUF AUGENHÖHE

Jeder hat eine Chance verdient: In den ärmsten Ländern der Welt haben es Kinder mit einer Behinderung besonders schwer. Es gibt für sie kaum eine Perspektive auf ein normales Leben. Es fehlt nicht nur an einer medizinisch fachgerechten Versorgung, vielmehr werden die Betroffenen oft sozial stigmatisiert und von der Gesellschaft ausgeschlossen. Genau hier setzt Missio Österreich an. Mit Spendengeldern werden Gebäude zugänglich gemacht, Hilfsmittel wie Rollstühle und Krücken oder Unterstützung für die Eltern finanziert, damit diese mit den Herausforderungen für ihre Kinder besser umgehen können. Zusätzlich gibt es Projekte, die speziell darauf abzielen, den betroffenen Buben und Mädchen eine gute Zukunft zu ermöglichen. In Indien wird beispielsweise eine Schule für Gehörlose unterstützt, in Äthiopien ein Rehabilitationszentrum für Kinder mit Beeinträchtigungen.

Spenden helfen

Das Rehabilitationszentrum in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba ist eines von mehreren Projekten, die Missio durch Spenden aus Österreich unterstützt, um Kindern mit Beeinträchtigungen zu helfen. In Tansania wird beispielsweise eine weiterführende Schule für Kinder mit Albinismus mitfinanziert, in Indien eine Schule für Gehörlose.

„Wir sehen beim Thema Inklusion in den Ländern des globalen Südens große Fortschritte. Das hängt sicher auch mit dem Erstarken des Christentums zusammen, das in seinem Menschenbild keine Unterschiede zwischen gesunden Menschen und Menschen mit besonderen Bedürfnissen macht“, sagt Missio-Nationaldirektor Pater Karl Wallner. „Die Ächtung von Kindern mit Albinismus in Tansania zu erleben, war für mich eines der erschütterndsten Erlebnisse, die ich hatte. Umso mehr freut es mich, dass wir von Missio Österreich diesen Kindern konkret helfen können.“

Pater Karl Wallner und ein Junge im Rollstuhl

„Wir sehen beim Thema Inklusion in den Ländern des globalen Südens große Fortschritte. Das hängt sicher auch mit dem Erstarken des Christentums zusammen, das in seinem Menschenbild keine Unterschiede zwischen gesunden Menschen und Menschen mit besonderen Bedürfnissen macht.“

Pater Karl Wallner, Nationaldirektor von Missio Österreich

Zukunft zeigen

Zu den körperlichen Einschränkungen der Buben und Mädchen kommt noch eine weitere Herausforderung dazu: In vielen Ländern des globalen Südens gilt eine körperliche Behinderung als Schande und Strafe Gottes. Kinder mit Behinderung werden gesellschaftlich geächtet und im schlimmsten Fall sogar von der eigenen Familie ausgegrenzt.

„Gerade deswegen ist es umso wichtiger, dass es Hilfsprojekte gibt, die sich dieser Kinder annehmen, Wege in eine selbstständige Zukunft zeigen, medizinische Unterstützung anbieten und auch die Familie selbst stärken, damit diese mit den Herausforderungen ihres Kindes besser umgehen kann“, so Wallner.

Dem kleinen Habtamu in Äthiopien hat die Hilfe im Rehabilitationszentrum in Addis Abeba eine neue Chance auf ein erfülltes Leben ermöglicht. Heute dreht sich sein Alltag nicht mehr um seine Krücken oder seinen deformierten Fuß, sondern um die Zukunft: Er träumt davon, einmal Arzt zu werden und Kinder gratis zu behandeln.